Sie überqueren die B 416 / Viadukt

Der “ Insel-Weinpfad“ führt hier über die Bundesstraße 416.

Trotz Geschwindigkeitsbeschränkung für Fahrzeuge sollten Sie äußerst vorsichtig sein. Leider gibt es (noch) keinen Fußgängerüberweg.

Bitte achten Sie also auf die Verkehrssituation und gehen dann am Ufergeländer entlang nach rechts Richtung Insel, vorbei an der ehemaligen Fährrampe und der Flussgastronomie. Nach rund 300 Metern sehen Sie die „Eingangsstele des „Winninger Insel-Weinpfades“. Sie steht am sogenannten „Philosophenweg“ mit seinen Pappeln.

Die ersten "Winninger"

Durchwandert man die Gemarkung so wird der Eindruck von der malerischen Landschaft des Moselkerbtales mit seinen von Weinbergen bestandenen Hängen geprägt. Man bekommt das Gefühl, dass die Mosel schon immer mit ihren sanften Wogen die Talniederung durchfloss und die hier lebenden Menschen stets die Nähe des Flusses als Verkehrsweg und als Nahrungsquelle suchten. Seit der frühesten Zeit der Anwesenheit des Menschen in der Moselmündungsregion wurde der Raum um Winningen bis heute fast kontinuierlich als Aufenthaltsort genutzt. 

Die vorgeschichtlichen Funde aus dieser 666 ha messenden Gemarkung setzten in der Zeit der frühesten Menschheitsgeschichte in Rheinland-Pfalz ein. Die anzusprechenden Steingeräte datieren in den Abschnitt der Altsteinzeit und beweisen, dass schon der homo erectus (aufgerichteter Mensch) hier vor Ort anwesend war.

Schon damals war die Gewässernähe wichtig, jedoch sah die Landschaft in diesen Zeiten noch gänzlich anders aus. Die Mosel hatte etwa vor 900.000 Jahren begonnen sich in das entstehende Rheinische Grundgebirge einzuschneiden und das heute existierende Kerbtal zu prägen. 

Die bekannten Fundstellen der Objekte aus der Zeit vor mehr als 700.000 Jahren liegen in mehreren Konzentrationen um den Flugplatz von Winningen und in dem Bereich zwischen der Landeplatzrollbahn und der Gemarkungsgrenze zu Bisholder etwa 130 m oberhalb des jetzigen Flusslaufes auf der jüngeren Hauptterrasse.

Auf dieser plateauartig ausgeprägten Fläche nordwestlich der damals kaum eingeschnittenen Mosel entdeckte man die Geräte der Frühmenschen in den Flussschottern des Moselurstromes, die bei der Erweiterung des Flugplatzgeländes angeschnittenen worden waren. Hierdurch besteht an der zeitlichen Zuweisung der Fundstücke kein Zweifel. 

Hauptsächlich fanden sich seit 1980/81 einseitig zugerichtete grobe Hackwerkzeuge und Abschläge aus Quarzit bzw. Quarz. Diese Gerätformen mit ihren intentionell zugeschlagenen scharfen Arbeitskanten wurden zu Spalt- und Schneidearbeiten verwendet und gehören zum typischen Bestand früher altstein-zeitlicher Fundgruppen. Unter den geborgenen Objekten sind zwei große typologisch altertümliche Faustkeile besonders eindrucksvoll, die aus großen, ovalen Flussgeröllen hergestellt wurden. Ein Faustkeil wurde im Jahr 2002 bei einer Geländebegehung entdeckt. Er ist 15 cm lang und besitzt an den Rändern mit wenigen Schlägen herauspräparierte Arbeitskanten. Die flache Seite zeigt noch die Spaltstruktur des ursprünglichen Abschlages, aus dem das Gerät dann präpariert wurde. 

Solche Stücke entstanden in der Frühzeit der Entwicklung dieser Geräte und sind der Faustkeilkultur des Acheuléen zuzuweisen. Die im Umfeld des Winninger Flugplatzes entdeckten Artefakte gehören zu den ältesten Steinwerkzeugen an Mittelrhein und Mosel überhaupt.

Sie belegen eindrucksvoll, dass hier im Uferrandbereich der Mosel einer der frühesten Rastplätze des homo erectus im nördlichen Rheinland-Pfalz bestanden hat. 

Im Herbst 2005 wurden in der Gemarkung von Winningen systematische Geländebegehungen durchgeführt, die das bereits bestehende Bild über die archäologischen Fundstellen noch verdichteten. Durch diese von der in Koblenz ansässigen Archäologischen Denkmalpflege ausgehenden Aktivitäten und durch die Fundmeldungen interessierter Bürger können wir von 52 Fundstellen unterschiedlichster zeitlicher Stellung und siedlungsgeschichtlicher Bedeutung ausgehen.

Quelle – Auszüge -: Lutz Grunewald, Winningen in vor- und frühgeschichtlicher Zeit – Beiträge zur Ortsgeschichte. Die gesamte Chronik der Gemeinde ist 2007 im Krumme-Verlag, Winningen, erschienen und kann über die Gemeindeverwaltung bezogen werden.

Winningen gilt in der Altsteinzeitforschung als einer der wichtigsten Fundplätze in Europa.

Zu vermuten ist, dass auch der Neandertaler (um 160.000 v. Chr.) hier umherstreifte. Eine Schädelkalotte wurde rund 9 Kilometer entfernt in Ochtendung gefunden. Vertreten sind Funde aus der Jungsteinzeit, der sogenannten Urnenfelder Kultur, aus der römischen Kaiserzeit und des Frühmittelalters. Kurz: Die Landschaft um Winningen war seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte dauerhaft besiedelt.

Auf dem Titelfoto ist der „Winninger Faustkeil“ zu sehen, präsentiert von Dr.Dr. Axel von Berg, Landesarchäologe

 

Landesarchäologe Dr. Dr. Axel von Berg mit dem "Winninger Faustkeil". Foto: Lammai
Industriegebiet mit Flugplatz. Archäologische Schutzzone. Foto: Lammai
Ausgrabung einer bronzezeitlichen Wohngrube im Gewerbegebiet. Foto: Lammai
Fundstellen der Altsteinzeit in Winningen (Quelle: Beiträge zur Ortsgeschichte)
Fundstellen aus der römischen Kaiserzeit (Quelle: Beiträge zur Ortsgeschichte)
"villa rustica" an der Moseltalbrücke. Foto: Lammai
Rekonstruktion des römischen Gutshofes (1. bis 3. Jahrhundert n.Chr.). Foto: GDKE
Terra Sigillata - Scherbe mit Löwendarstellung. Foto: Lammai
Terra Sigillata-Scherbe mit Muster. Der Herstellungsort lag in den Ardennen. Foto: Lammai
Münze des Nero. Eine solche wurde nahe dem heutigen Museum gefunden. Foto: Lammai

Friedhöfe in Winningen

In alter Zeit war der Kirchhof, der Platz unmittelbar um die Kirche, die Begräbnisstätte für alle verstorbenen Gemeindeglieder. Die Erbauung des ersten Winninger Gotteshauses, dessen Fundamente unter der heutigen Kirche gefunden wurden, wird ins 6. Jh. datiert. Bei verschiedenen Baumaßnahmen in unmittelbarer Nähe der Kirche traten viele, teils uralte Grabstellen zutage. Darunter waren auch solche, die, wie nach den Grabbeigaben zu schließen ist, aus der Merowingerzeit (5., 6. Jh.) stammten. Eine ummauerte Grablege aus dem 7. Jh. fand man im südlichen Seitenschiff der heutigen Kirche, einer Stelle, die unmittelbar an der ehem. Außenmauer der Urkirche lag. 

Seit alters her bis in die Neuzeit hinein fanden die Winninger Bürger also direkt an der Kirche ihre letzte Ruhestätte. Angehörige der Winninger Adelsfamilien und die herrschaftlichen Vögte hat man dagegen in der Kirche selbst beigesetzt. Der Friedhof an der Kirche wurde im Laufe der Jahrhunderte ungezählte Male immer wieder neu belegt. Die bei der Aushebung eines alten Grabes exhumierten Gebeine führte man dann einer gemeinsamen, endgültigen Lagerstätte, dem sog. Beinhaus zu.

Nachdem im Jahre 1685 das Kirchenschiff nach Westen verlängert worden war, schränkte diese erneute Baumaßnahme des frühen 18. Jh. die Begräbnisfläche noch einmal beträchtlich ein. Doch nicht nur hierdurch, sondern vor allem durch das Anwachsen der Gemeinde – ein Umstand, der ja die jeweiligen Erweiterungsbauten der Kirche erforderlich machte – wurde es nun unumgänglich, einen anderen, zunächst zusätzlichen Begräbnisplatz einzurichten.

So wurde im Jahre 1732 ein neuer Friedhof „außerhalb des Fleckens“, wie es damals hieß, also jenseits der den Ort umgebenden Ringmauer, angelegt. Die Befestigungsanlage führte unmittelbar hinter dem Pfarrhof her. Jenseits der Mauer – bis heute noch so genannten Grabenpfädchen – eine Bezeichnung, die auf einen ehemals hier verlaufenden, der Mauer in einem Abstand von ca. 20 m vorgelagerten Graben hindeutet – lag eine zum Pfarrgut gehörende Wiese. Diese wurde nun als Friedhof eingerichtet und hierzu mit einer Mauer umgeben, die an der Westseite ein Tor besaß. 

Aber nach zehn Jahren schon war dieses neue Gräberfeld belegt und man hat drei Jahre lang wieder an der Kirche beerdigt, bis durch den Ankauf von weiteren „drei Wiesenplätzen “ im Jahre 1745 der neue Friedhof vergrößert werden konnte.

Doch in einem Visitationsprotokoll von 1778 wird der erneute Platzmangel angesprochen und festgestellt, dass nach bereits zweimaliger Belegung des neuen Friedhofs nun wieder an der Kirche beerdigt worden sei, was bekanntermaßen nicht mehr zulässig wäre. Es müsse nun unbedingt eine nochmalige Vergrößerung des Gottesackers betrieben werden.

Die Situation spitzte sich durch eine erneute Pockenepidemie im Jahre 1782 zu. Der Pfarrer beklagt bitter die bei einer Wiederbelegung nach nur zehnjähriger Ruhezeit beim Auswerfen der Gräber auftretenden „hässlichen Ausdünstungen“, und dass er „das gewaltsame Zerschlagen der Särge (…) mit einer wahren Empörung der Menschlichkeit (…) mit anhören nicht umhingehen (…)“ könne. Der Amtmann erwidert, dass ihm die Lage sehr wohl bekannt sei und dass sein Vorschlag, den Friedhof auf das „gemeine Land in der Leimkaulen“ zu verlegen, was viel kostengünstiger als eine Erweiterung des jetzigen Friedhofs sein würde, von der „darüber vernommenen Gemeinde“ abgelehnt wurde, da , der allergrößte Theil derselben durchaus nicht in die Leimkaul begraben seyn …“möchte. Bevor man aber an den Ankauf eines anderen passenden Geländes oder doch an die Erweiterung des jetzigen Friedhofs herangehe, solle man an „das Stift zu Aachen“ herantreten, „das von dem beziehenden Zehenden, wie zum Kirchenbau, also auch hierzu gehalten sey „.

Aber erst nach einem weiteren Schreiben des Pfarrers vom 21. Juli 1783, in dem er „, nach der gestrigen 41. Leiche dieses Jahres* noch einmal auf die unhaltbare Situation hinweist, gelingt letztendlich die Einigung mit den Eigentümern der anliegenden Grundstücke.

Mit diesem Grundstückstausch waren die Eigentümer der restlichen „Wiesenplätze“ dann einverstanden, wobei letztendlich auch der Druck der Mitbürger, und nicht zuletzt wohl auch die Einlassung des Pfarrers eine Rolle spielte, dass dann auch , durch den neuen Eingang (an der heutigen Fährstrasse) die in dem oberen Flecken erscheinenden Leichen künftig auf den Gottesacker getragen werden“ könnten, ohne „.einen großen Umweg um die Kirche“ machen zu müssen.

So kam es im Jahre 1784 zur Erweiterung des Friedhofs, Der seit frühester Zeit genutzte Begräbnisplatz unmittelbar um die Kirche konnte nun endgültig aufgegeben werden. Das ursprüngliche Westtor des neuen Friedhofs außerhalb der Ringmauer, ist nicht mehr im Original erhalten. Über dem Pförtchen zum jetzigen Pfarrgarten in der heutigen Friedrichstrasse ist ein alter Schlussstein aus Basaldava eingemauert. Er stammt von dem dortigen ehemaligen Friedhofstor. Heute dient ein Teil des alten Friedhofs als Pfarrgarten.

Keine fünf Jahrzehnte nach der Erweiterung des Gräberfeldes bis zu Fährstrasse hin, auch dieser Friedhof wieder als zu klein erwiesen. Hinzu kamen die staatlichen Auflagen der preußischen Provinzialregierung, die zwingend die Anlage eines neuen Friedhofs außerhalb des engbebauten Ortskerns erforderten. Im Jahre 1833 wurde ein größerer, nun in kommunaler Trägerschaft stehender neuer Friedhof eingeweiht Aber schon im Jahre 1860 musste, „nachdem in knapp 27 Jahren 1263 Beerdigungen angefallen waren“, auch hier wieder mit der zweiten Belegung des Gräberfeldes begonnen werden. Wenig später befasste man sich mit einer Erweiterung, die in den Folgejahren auch realisiert werden konnte.

Der Friedhof wurde um 1960 noch einmal nach Norden hin bis zum Hohenrainweg verlängert und erhielt dort ein zusätzliches Tor. Anstelle des ehemaligen kleinen Leichenhäuschens errichtete die Gemeinde eine größere Friedhofshalle mit den erforderlichen Nebenräumen. Seitdem geht der Leichenzug nicht mehr vom Trauerhaus zum Friedhof und dann, nach Beisetzung, zur Gedenkpredigt in die Kirche.  Die Beerdigungsfeier findet nun ausschließlich auf dem Friedhof statt. 2021/22 wurde der Winninger Friedhof neu gestaltet.

(Quelle: Gerhard Löwenstein, Beiträge zur Ortsgeschichte – die Geschichte des Winninger Friedhofs)

Eingang zum alten Friedhof in der Fährstraße. Foto: Brost
Teil des ehemaligen Friedhofs, heute Pfarrgarten. Foto: Lammai
Torstein des alten Friedhofes in der Friedrichstraße. Foto: Brost
Grabstelle der Familie von Canal/Freiherr von Heddesdorff. Foto: Lammai
Kriegerdenkmal auf dem Friedhof. Foto: Lammai
Neugestaltung des Friedhofes 2021/22. Foto: Brost

Die kleine Schule

Bereits kurz nach Einführung der Reformation 1557 in der Hinteren Grafschaft Sponheim wurde in Winningen mit der Einstellung eines Diakons eine „Gemeine Schule“ eingerichtet. Die Diakone betreuten die Schulkinder dieser Elementarschule bis 1685. Seitdem unterrichteten eigens angestellte Schulmeister. Im 19. Jahrhundert wurde deren Anzahl auf fünf Lehrerstellen erhöht. Nach 1945 kam eine sechste hinzu. Die 1963 neu errichtete Schule hatte sieben hauptberufliche Lehrkräfte, die rund 260 Kinder unterrichteten. 1979 wurde die Hauptschule ausgegliedert und nach Kobern verlegt. Heute gibt es in Winningen die Astrid-Lindgren-Grundschule.

Eine weitere Schule wurde 1748 eingerichtet. Damals stiftete die Gemeinde auf Anweisung von Herzog Christian IV. von Zweibrücken einen Betrag von 1.000 Reichstalern, der mit vier Prozent jährlich zu verzinsen war. Diese 40 Reichstaler sollten das geringe Einkommen des Diakons aufbessern, der als Gegenleistung die „erwachsenen Schüler“ (alter als 12 Jahre) täglich vier Stunden in Latein, Rechnen, Schreiben und „Christenthum“ „und andere einen guten Bürger ausmachenden Stücken“ zu unterrichten hatte. Die Winninger Lateinschule, später auch Diakonats- oder Rektoratsschule genannt, bestand – von einer kurzen Unterbrechung zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgesehen – bis 1913.1783 war für alle Orte der Markgrafschaft Baden geplant, Spinn-, Näh- und Strickschulen einzuführen, „da die Einführung der Spinnschulen gleich einen doppelten Nutzen habe, auf der einen Seite bewahre sie die Jugend vor Müßiggang und gewöhne sie an die Arbeit, auf der anderen Seite diene sie der Verbesserung des Einkommens der Bürgerschaft.“ Der damalige Amtmann Georg Wilhelm Kröber berichtet im Februar 1783, dass „einer Einführung dieser Schulen in Winningen nichts Wesentliches im Wege stehen würde“. Dennoch ist eine solche Schule nie ins Leben gerufen worden.Von 1872 bis 1919 gab es auch in Winningen eine freiwillige ländliche Fortbildungsschule, in welcher sich entlassene bzw. in einer Lehre befindliche ehemalige Volkschüler weiterbilden sollten.

1893 heißt es in einem Schreiben des zuständigen Vorsitzenden des Kreisausschusses: „Besonders die volksschulmäßigen Kenntnisse im Deutschen und im Rechnen können von einem geschickten Lehrer in Anlehnung an die Hauptbeschäftigung der Fortbildungsschüler im Gewerbe oder in der Landwirtschaft sehr fruchtbringend vertieft und ausgestattet werden.“

In dem genannten Zeitraum unterrichteten immer drei Volksschullehrer und ein Pfarrer, 1913 nur zwei Volksschullehrer und der Pfarrer. Der Unterricht wurde jeweils von Dezember bis März (14 Unterrichtswochen) an vier Wochentagen von 17.00-19.00 Uhr erteilt. Die Anzahl der Schüler betrug 16 bis 28. 1902 berichtete Pfarrer Adolf Müller, dass der Besuch zwar nicht obligatorisch, aber dennoch regelmäßig sei. Im Jahre 1910 übergab er die Leitung der Schule an Pfarrer Harräus.

Von 1920 ab ließ die Gemeindevertretung der Kosten wegen diese Einrichtung fallen.“ Im Sommer des Jahres 1927 dagegen beschloss die Kreisverwaltung des Landkreises Koblenz ein Kreisstatut zur Errichtung der in der Reichsverfassung vorgesehenen ländlichen Pflichtfort-bildungsschulen. In diesem Sinne beschloss die Gemeindevertretung die Eröffnung der ländlichen Pflichtfortbildungsschule für den Winter 1927/28. Die Unterrichtszeit erstreckte sich auf die Monate November bis Februar. Die Unterrichtsstunden wurden von abends fünf bis sieben bzw. von sechs bis acht Uhr erteilt. Es unterrichteten Hauptlehrer Kohl in Bürger- und Le-benskunde, Lehrer Bertges in „Natur“ und Lehrer Hammer in Rechnen und Deutsch.

Neben der Fortbildungsschule existierte um 1900 auch „ein Haushaltungspensionat“ für Mädchen, geführt von der Ehefrau des Pfarrers Adolf Müller. Außer dem Pensionspreis und der besonderen Vergütung für Privatunterricht wurde kein regelmäßiges Schulgeld erhoben. 1895 gab es vier Schülerinnen. Neben Frau Müller erteilte eine weitere Lehrerin den Privatunterricht. Die „Pensionsmädchen“ wurden in der Familie Müller in allen Zweigen des Haushals angelernt. Nebenbei wurde auf Wunsch „von der als Lehrerin geprüften Tochter“ Elisabell Miller Unterricht in französischer und englischer Sprache sowie im Klavierspiel erteilt: Eine eigentliche Schule oder Unterrichtsanstalt war das Pensionat nicht.

(Quelle -Auszüge- : Rainer Garbe – Schulen in Winningen – Beiträge zur Ortsgeschichte

In der sogenannten „Kleinen Schule“ sind heute Übungsräume für Vereine eingerichtet (Winzerkapelle Winningen, Winzertanzgruppe, etc.)

 

Die "kleine Schule" am Marktplatz. Foto: Brost
Hier war die Feuerwehr untergebracht. Foto: Lammai

Beginn des Weinbaus in Winningen

Es gibt keinen genauen Nachweis vom Beginn des Weinbaus an der Mosel, aber die vielen einschlägigen Bodenfunde zeigen, dass schon vor der Zeit des römischen Kaisers Probus (um 280 n. Chr.), der als großer Förderer des Weinanbaus gilt, Reben an der Mosel wuchsen.

Auch die eingehenden Beschreibungen des Dichters Ausonius (310-395) beweisen die Existenz einer damals schon alten Weinkultur. Die Forschung stellt fest, dass sich der Weinanbau in seiner Frühzeit nach den natürlichen Vorbedingungen richtete. Dies sind ein günstiges Klima, gute Sonnenlage und leichte Anbaufähigkeit, Voraussetzungen, die an mehreren Abschnitten des Mosellaufs in besonderer Weise, so z.B. auch bei Winningen gegeben waren.

Einen ersten schriftlichen Nachweis vom Winninger Weinbau haben wir in einer Urkunde aus dem Jahre 871, in der es um eine Schenkung von Weinbergen an die Abtei Prüm geht. In diesem Schriftstück erscheint auch zum ersten Mal der Name unseres um diese Zeit mit großer Wahrscheinlichkeit bereits seit vielen hundert Jahren bestehenden Ortes. 

Der damals schon ertragreiche Winninger Weinbau wird wohl auch eine große Rolle gespielt haben bei der königlichen Belehnung des Liebfrauenstifts Aachen um das Jahr 895, durch die dieses Stift mit dem Patronat der Winninger Kirche sowie mit Liegenschaften und dem Weinzehnten bedacht wird.

Neben dem im Jahr 989 vom Kölner Erzbischof Everger der Abtei St. Martin geschenkten Fronhof zu Winningen sind aus den folgenden Jahrhunderten eine ganze Reihe von Höfen weiterer kirchlicher und adliger Grundherren bekannt, deren eigentümlicher Besitz ursprünglich aus königlichen Schenkungen, fürstlichen oder erzbischöflichen Belehnungen und Stiftungen herrührt. Mit diesen Höfen wurden Winninger Winzerfamilien zu weithin immer gleich bleibenden Bedingungen langfristig belehnt. Ein solcher Hof bestand aus Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, den mit Naturalabgaben behafteten Weinbergen und den abgabefreien „Zubattungen“ wie Gärten, Wiesen, Ackerland und den Niederwaldparzellen, die zur Holzgewinnung für die Herstellung von Weinbergspfählen, wie auch zur Deckung des Bedarfs an Hausbrand dienten.

Die hohe Wertschätzung, die der Winninger Weinbau (später) bei beiden sponheimischen Gemeinherrschaften genoss, geht aus zwei Stellungnahmen von Beamten der Herrscherhäuser hervor. So heißt es in einem Gutachten vom 24. März 1765 des Geheimen Rates Johann Jacob Reinhardt, in welchem er nach einer Bereisung alle Ortschaften und deren Bewohner der Hinteren Grafschaft beschreibt: „Zwei Stunden vor Coblenz liegt der unvergleichliche Flecken Winningen […)*. Es folgt die Aufzählung der anderen Moselorte der Grafschaft und dazu der dort neben dem Wein angebauten Feldfrüchte und der Viehhaltung: „…] die Rindviehzucht ist gering, als etwas besonderes kann nur angemerkt werden, daß man zu Winningen Ochsen mästet, so vorhero mit eichenem Laube ausgefüttert werden“. Zum Wein und seinem Anbau schreibt er:(Auszüge)  „Gleich unter dem Thrierischen Dörflein Burg fanget die Unter-Mosel an, woran alle Weine schlecht sind, besonders die Senheimer. Nur allein scheidet sich der Flecken Winningen aus, woselbst ein recht guter so weis- als rother Wein wachset, der gleich dem Obermoseler mehrentheils nach denen Niederlanden versendet wird und die Einwohner dieses Fleckens reich machet. Alle Weingebürge seind ungemein steil und von schwerem Baue, sie bestehen alle aus Schiefersteinen, und zwar in solcher Menge, dass man vor denen selben nur gar wenig Erde siehet. Die Weinstöcke werden an Pfählen gezogen. ..) Bei dem Weinbau ist auszusetzen, daß die Stöcke nirgends nach der Schnure gesetzt werden. Die Menschen [der sponheimischen Hunsrück- und Moseldörfer] seind gesund, wegen der dünnen und reinen Luft. sie haben eine gute Farbe. Ihre Größe ist mittelmäßig. Die an der Mosel sind geringer, wegen der ungemein harten Arbeit, doch hat es zu Winningen schöne Leute; aber da isset und trinket man auch was rechtes. An Vernunft fehlt es ihnen keineswegs […).“ 

Von einem Beamten des anderen Herrscherhauses, damals Pfalz-Zweibrücken, ist uns folgende Beschreibung überliefert. „…Da aber die Winninger Burger die fleißigsten, sowohl als die geschicktesten Wingertsleute an der ganzen Mosel sind, so haben sie die fast unübersteigliche Felsengebürge umgeschaffen und urbar gemacht. … Der Winninger Wein hat eine sehr angenehme Gähre, welche ihme so zuträglich ist, daß er immer theurer verkauffet wird, als der Trabender Wein.“

(Quelle/Auszüge aus: Gerhard Löwenstein, Entwicklung und Bedeutung des Weinbaus – Beiträge zur Ortsgeschichte)

Nach einer Aufstellung aus dem Jahre 1795 hatten die auswärtigen Grundeigentümer insgesamt 386.263 Weinstöcke in Besitz. Im einzelnen werden genannt: Kaiserliches Krönungsstift (Marienstift) Aachen (Zehnthof) 8.006, Domstift Sankt Peter Köln (Petershof) 32.298, Grafen von Hatzfeld 28.000, Herr von Bürresheim zu Koblenz 18.515, Herr von Heddesdorf(f) „allda“ 37.950, Jesuitengüterverwaltung 13.850, Grafen von Elz-Kempenich zu Koblenz 22.246, Kloster Maria Roth 23.980, Kloster Marienstädt 2.300, Abtei Siegburg 1.500, Stift Sankt Florin zu Koblenz 22.490, Kloster Maria Laach 20.250, Dechant Remmelt zu Koblenz bzw. dessen Erben 7.000, Kloster Rommersdorf 21.830, Kurtrier (Fronhof) 12.1048, Kartaus zu Trier 1.000, Kloster Wallersheim 4.000 Weinstöcke.!

(Quelle/Auszüge aus: Rainer Garbe, „Klöster und Adel als Grundbesitzer“ – Beiträge zur Ortsgeschichte)

Auch wenn es keine früheren schriftlichen Zeugnisse des Winninger Weinbaus gibt, zeigt der Fund eines Kelterbeckens in der „villa rustica“ an der A 61 (Moseltalbrücke), dass bereits um 250 n.Chr. in Winningen Wein angebaut wurde. Winningen kann damit auf eine fast 1700 Jahre alte Weinbautradition zurückblicken.

"villa rustica" an der Moseltalbrücke. Foto: Lammai
Münze Kaiser Constantin, Trier, um 300 n.Chr. gefunden in der Weinlage "Hamm" Foto: Lammai
Badeanlage aus der Villa rustica. Foto: GDKE

B 416 Zehnthof

B 416 „Moselblick“

Um in den Ort zu gelangen, müssen Sie hier noch einmal auf dem „Insel Weinpfad“ die Bundesstraße 416 überqueren.

Bitte seien Sie vorsichtig und gehen zügig auf die andere Seite Richtung Unterführung. Zwar besteht hier eine Geschwindigkeitsbeschränkung für Fahrzeuge, doch halten sich nicht alle Verkehrsteilnehmer an diese Vorschrift.

Besonders in der Dämmerung und bei Regen ist Vorsicht angebracht. 

Hinter der Unterführung liegt der alte Zehnthof aus dem 12. Jahrhundert. Von dort geht es nach rechts weiter an der Bahnlinie entlang bis zum Ausgangspunkt am Weinhof.

Steiler Anstieg

Ab hier sind gutes Schuhwerk und Kondition gefragt. Machen Sie langsam, denn der Pfad erfordert Ihre ganze Aufmerksamkeit. Die Strecke ist bis zum Aussichtspunkt Blumslay gleich mit dem „Moselsteig“. Der Pfad führt auf die Moselhöhen und bietet dem Wanderer traumhafte Blicke ins Tal. 

Dabei ist Vorsicht angebracht.

Gehen Sie nicht zu nahe an die Abbruchkanten des Felsens: Absturzgefahr! 

Das gilt besonders bei feuchtem Wetter oder zur Winterszeit! Dieser Teilabschnitt des „Uhlen-Weinpfades“ ist sicher eine kleine Herausforderung. 

Auf der Höhe geht es auf leichten Pfaden durch Waldgebiete bis zum Aussichtspunkt „Blumslay“ (unbedingt anschauen) und zur Moseltalbrücke mit der Autobahn A 61, der einst höchsten Autobahnbrücke in Deutschland.

Der Distelbergerhof

Der Distelberger Hof „auf dem Winninger Berg“ war viele Jahrhunderte im Besitz adeliger Familien, die damit zugleich größter Ackerlandbesitzer der Gemeinde waren. 1446 gehört der Hof Heinrich von Arsburg, wohnhaft zu Boppard, möglicherweise zusammen mit Johann und Cunzen Hillen, Kirchmeister zu Monreal. Es folgen 1491 Johann und Margret von Schwalbach, 1550 Johann und Reinhard Breder von Hohenstein. Johann Breder war 1546-1560 Vogt in Winningen und hatte zusammen mit seinem Bruder eine Schäferei auf dem Hof eingerichtet.
1640 ist Ruprecht Boos von Waldeck (†1605, verheiratet mit Agnes Brederin) zusammen mit einem Bruder Besitzer des Distelberger Hofes, 1681 Ägidius Dumée, Ratsherr zu Koblenz (Anteil von Wilhelm Friedrich von Dormentz u.a.). 1688 verkaufen Franz Mühl von Ulmen und dessen Ehefrau Anna Margarethe, eine geborene Boos von Waldeck ihren Anteil an Martin de Potesta und Anna Maria de l‘ Eau sowie an Johann Matthias Bacques.
Diesen Erwerb macht ihnen jedoch Freiherr Karl Anton Ernst zu Eltz-Kempenich in einem Prozess streitig und lässt sich 1714 die Rechtmäßigkeit seiner Besitzergreifung notariell bestätigen. Von der Familie Eltz-Kempenich erwirbt 1805 der damalige Mithofpächter Conrad Dötsch das Anwesen für 7.950 Florin.
Der Hof und das gesamte Ackerland waren wie bei den Weinhöfen in alter Zeit an Pächterfamilien verpachtet, die das Gut verwalteten und einen entsprechenden Pachtzins an die jeweiligen Besitzer abzuliefern hatten. Um 1600 werden Mitglieder der Familie Zils mehrfach als Hofmänner genannt. 1666 ist Matthes Simonis, 1715 Jakob Simonis und 1754 Matthias Schiffer „Hofmann“, 1781 Philipp Heinz, seit 1800 Conrad Dötsch zusammen mit Matthes Heinz, einem Sohn des Philipp Heinz.
Die Gesamtfläche des Ackerlandes wird 1795 mit 250 Morgen angegeben. Daraus waren in guten Jahren unter anderem um die 40 Malter Korn zu erwirtschaften. Näheres ist aus dem letzten Pachtbrief („Beständerbrief*) zu erfahren, der bei Übergabe des Hofes am 20. September 1791 an Pächter Matthias Heinz ausgestellt wurde. Demnach ist der Hof in gutem Zustand zu halten und die Pacht von 24 Malter Korn jährlich einmal an Martini (11. November) nach Koblenz zu bringen. Auch ist Heinz verpflichtet, jährlich fünf Führen mit einem vierspännigen Wagen nach Plaidt, Kettig und Koblenz durchzuführen. Er hat den Hof gegen alle Ansinnen der Winninger zu verteidigen und – solange er noch unverheiratet ist – seine jüngeren Geschwister zu versorgen bis sie erwachsen sind.Der Hof und das gesamte Ackerland waren wie bei den Weinhöfen in alter Zeit an Pächterfamilien verpachtet, die das Gut verwalteten und einen entsprechenden Pachtzins an die jeweiligen Besitzer abzuliefern hatten.
Um 1600 werden Mitglieder der Familie Zils mehrfach als Hofmänner genannt. 1666 ist Matthes Simonis, 1715 Jakob Simonis und 1754 Matthias Schiffer „Hofmann“, 1781 Philipp Heinz, seit 1800 Conrad Dötsch zusammen mit Matthes Heinz, einem Sohn des Philipp Heinz.Die Gesamtfläche des Ackerlandes wird 1795 mit 250 Morgen angegeben. Daraus waren in guten Jahren unter anderem um die 40 Malter Korn zu erwirtschaften. Näheres ist aus dem letzten Pachtbrief (Beständerbrief**) zu erfahren, der bei Ubergabe des Hofes am 20. September 1791 an Pächter Matthias Heinz ausgestellt wurde. Demnach ist der Hof in gutem Zustand zu halten und die Pacht von 24 Malter Korn jährlich einmal an Martini (11. November) nach Koblenz zu bringen. Auch ist Heinz verpflichtet, jährlich fünf Fuhren mit einem vierspännigen Wagen nach Plaidt, Kettig und Koblenz durchzuführen. Er hat den Hof gegen alle Ansinnen der Winninger zu verteidigen und – solange er noch unverheiratet ist – seine jüngeren Geschwister zu versorgen bis sie erwachsen sind.
Im 19. und 20. Jahrhundert wechseln die Besitzer mehrfach. Um 1900 ist auf dem Distelberg auch eine Gastwirtschaft eingerichtet, bis der Hof 1913 an August Horch, den Autopionier (AUDI), versteigert wird. Vorausgegangen waren zwei Brände im Jahre 1910, wobei beim ersten Brand die Hintergebäude mit Scheunen eingeäschert wurden und beim zweiten am 28. Oktober das Wohnhaus bis auf das untere Stockwerk niederbrannte. Horch unterhielt hier u.a. eine verlustreiche Hühnerzucht und verkaufte Eier. Eine Idee – die aber nie verwirklicht wurde – war eine Seilbahn mit der die Eier vom Berg nach Winningen transportiert werden sollten. Von Horch´s Tochter Anneliese hieß es damals:„Horch, was kommt vom Berg der Distel, das ist die Liesel mit dem Eierkistel.“
Heute ist der Hof im Besitz der Familie Denkhaus/Kornes. Die sorgfältige Heranführung talentierter Nachwuchspferde an den Sport , die zum Teil selbst gezüchtet sind, ist ein Hauptanliegen des Ausbildungsstalls. Ein weiterer Betriebszweig ist die Reitschule, mit einer ganzheitlichen Betreuung von Pferd und Reiter, von jung bis alt.
Distelbergerhof Zeichnung um 1900
Distelbergerhof - Luftaufnahme: Foto: Mahlow
Schulbetrieb. Foto: Distelbergerhof
Ausbildungshof und Reitschule. Foto: Distelbergerhof
Dressursieg. Foto: Distelbergerhof

Steiler Anstieg

Ab hier wird es steil.

Gutes Schuhwerk ist von Vorteil, wenn Sie über diese Treppe durch die Weinberge gehen. Erleben Sie das Gefühl, wie es ist im Weinberg zu arbeiten, von Stock zu Stock zu gehen und „standhaft“ zu bleiben auf der Grauwacke, dem Stein der Mosel.

Achtung: Besonders am Hang zur Mosel ist Vorsicht geboten. Lassen Sie sich nicht vom grandiosen Blick über die große Lage Röttgen oder die Schiffe auf der Mosel ablenken. 

In der Höhe angekommen, verwandelt sich dann der Brückstücks-Weinpfad in einen wunderschönen Weg durch die Weinberge mit wunderbarem Blick auf Winningen und die Weinkulturlandschaft. 

Oben angekommen können Sie sich für zwei Wegvarianten entscheiden: Links gehts weiter über den Brückstück Weinpfad, rechts steigen Sie in den Röttgen Weinpfad ein – eine etwas längere Strecke zum Ausgangspunkt Weinhof.

Lassen Sie sich dabei von den Info-Tafeln des Pfades inspirieren.

Architekt Ferdinand Bernhard

Zwischen der durchaus ansehnlichen Alltagsarchitektur der Winninger Gassen und den älteren historischen Gebäuden vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert fällt die Handschrift des Winninger Architekten Ferdinand Ludwig Bernhard an vielen Stellen ins Auge. Die Bernhard´ sche Architektur steht für eine ganze Zeit, vielleicht gar für einen Stil, ganz sicher für eine grundsätzliche Auffassung von Architekturqualität. 

Außer an den bekannteren Häusern kann dies an vielen Details und Umbauten abgelesen werden. Es ist selten, dass ein Architekt in einem einzigen Ort so präsent ist – zumal mit Objekten auf hohem Niveau. Winningen ist geradezu eine Ausstellung Bernhard´scher Architektur.

1873 als Sohn des Maurer- und Baumeisters Wilhelm Bernhard in St. Goar geboren, hat er 1901 als freier Architekt BDA bis1945 ein eigenes Büro geführt.

Schon sehr früh hatte er interessante Aufträge in Winningen und in der Region. Als Bau-Experte für Weinkeller war er auch zusammen mit seinem Bruder Gottlieb, Architekt und Bauunternehmer in St. Goar, für den königlich serbischen Hof in Belgrad tätig. Ferdinand Bernhard war aber nicht nur ein begnadeter Architekt, sondern – in dem von der Ehefrau eingebrachten Weingut – auch ein anerkannter Weinbauer und -kaufmann, der mit eigenen Flaschenweinen Kunden in ganz Deutschland belieferte, dies bis zur Ernte 1961. „Architekt und Weinbauer“ stand auf seinem Winninger Grabstein. Am Gemeindeleben er von vorn herein aktiv beteiligt, so als Gemeinderat bis zum ersten Weltkrieg; 1901 war er an der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Winningen beteiligt und leitete sie bis 1913.

Sein eigenes Haus, Architekten- und Winzerhaus zugleich, steht in der unteren Fährstraße. Jeder kennt es, denn es ist hinter der Gartenmauer am „Moselufer* nicht zu übersehen. Es ist heute das Haus mit der Gutsschänke im seitlichen Altbau. 1901 gebaut, gehört es zu seinen ersten Bauten in Winningen.

Dafür ist es nicht nur üppig, sondern zugleich architektonisch anspruchsvoll, stilbestimmend für die nächste Dekade seiner Architektur. Voll im Trend, lässt es sich mit ähnlichen Häuser an Rhein und Mosel vergleichen: Sandstein, Putz, Fachwerk, Erker- Vorsprünge, Loggia-Balus-traden und Dachformen werden zur Gestaltung herangezogen und zu einer Gesamtform verschmolzen. Und weil er ein leidenschaftlicher Architekt war, brauchte er die tragende Säule, die eine, auf der Westseite.

Von den zahlreichen Projekten des Architekten können hier nur wenige vorgestellt werden. Die meisten Planunterlagen sind (bisher) abhanden gekommen, eine Mappe mit Zeichnungen und Skizzen fand sich auf dem Speicher des früheren Bernhardschen Hauses. Zumindest diese Sammlung wurde von Architekturstudenten identifiziert und katalogisiert. Man ist verwundert, welche Bauten dazugehören, zum Beispiel die eigentlich sehr schöne alte Turnhalle in der Neustraße, Baujahr 190139 (sie wurde nach dem Verkauf der ersten Turnhalle am Ausgang der Fährstraße gebaut, 1910 um den zweigeschossigen Teil erweitert und dient bis heute als „Turnerheim“. 1902/03, während der Umbauarbeiten an der Kirche, wurde sie auch als Notkirche genutzt, 1918 bis 1920 als Ausweichquartier für den Kindergarten, 1940-1945 als Kriegsgefangenenlager), das Gasthaus „Rebstock“ in der Marktstraße und viele andere. 

Nicht zuletzt wird auf das Ehrenmal für die Gefallenen der Gemeinde Winningen hingewiesen. Es steht bis heute an zentraler Stelle auf dem Friedhof und wurde später um die Namen der Gefallenen des 2. Weltkriegs ergänzt.

Zweifellos sind seine frühen Bauten zugleich die stärksten. Sie spiegeln sowohl die Eigenständigkeit des Architekten wie die Eingebundenheit in die Strömungen der Zeit.

Bernhard war erst 28 Jahre alt, als er 1901 das neue Amtsrathaus, das heutige Rathaus der Gemeinde Winningen, bauen durfte. Das „Amt Winningen“, war aus der „Mairie“ der Zeit Napoleons entstanden. Dieses imponierende Gebäude lässt sich durchaus mit ähnlichen und zeitgenössischen Rathäusern aufstrebender Gemeinden vergleichen. Das Erdgeschoss enthielt die Amts- und Sitzungsräume, heute Büro des Winninger Ortsbürgermeisters und des Fremdenverkehrsamtes. Im Obergeschoss lag die repräsentative Wohnung des damaligen Amtsbürgermeisters; mit dem großzügigen Zuschnitt der ehemaligen Wohnräume und dem charakteristischen Erker ist sie auch für die heutige Nutzung bestens geeignet. Hier finden inzwischen Kunstausstellungen, Sitzungen und kleinere Veranstaltungen statt. Dass auch das Rathaus einen Weinkeller besitzt, versteht sich in Winningen eigentlich von selbst. Unmittelbar neben dem neuen Rathaus baute Bernhard dann ein weiteres Gebäude in eigener Regie, um es danach der Reichspost zu vermieten.

QuelleAuszüge aus: Peter Lammert – Städtebauliche Entwicklung und architektonische Merkmale. Winningen – Beiträge zur Ortsgeschichte

Architekt Bernhard
Winninger Rathaus
Wohnhaus an Gutsschänke Schaaf
Kleine Villa Röttgenweg
Denkmal auf dem Friedhof

Steiler Abstieg!

Diese Weinbergstreppe erfordert Trittsicherheit!

Es ist ein steiler Abstieg, der Vorsicht verlangt. Gehen Sie langsam. 

Die Steine sind teilweise ausgetreten und entsprechen natürlich NICHT der Treppennorm. 

Bei feuchtem Wetter besteht große Rutschgefahr!

Als Alternativstrecke bietet sich der Weinbergsweg an, dem Sie bis zur L 125 folgen, dann nach links in Richtung Ort abbiegen. Danach müssen Sie die L125 überqueren. Also Vorsicht!! Fahrzeuge dürfen hier nur 50 km/h fahren. Leider halten sich aber nicht alle Verkehrsteilnehmer an diese Vorschrift. Über die Bachstraße erreichen Sie dann in gerader Linie den Weinhof, vorbei am Marktplatz und Fachwerkhäusern aus dem 16./17. Jahrhundert.

Ihre Gemeinde Winningen

L 125 überqueren

Bitte passen Sie auf! 

Sie überqueren nun die August-Horch-Straße (L 125) eine vielbefahrene Straße, die von der Mosel auf die Höhen in Richtung Flugplatz Koblenz-Winningen und zur Autobahn A61 führt. Hier an dieser Stelle besteht eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 50 km/h für Fahrzeuge. 

Leider halten sich nicht alle Verkehrsteilnehmer an diese Vorgabe.

Seien Sie also vorsichtig. Folgen Sie auf der anderen Straßenseite den Hinweisen. Der Weinpfad führt durch die Gassen der Ortsgemeinde bis zum Weinhof.

Ihre Gemeinde Winningen

Museum

Das Winninger Museum ist in der „Alten Schule“ untergebracht. Das Gebäude wurde von Johann Claudius von Lassaulx (1781-1848), Königlich Preußischer Bauninspektor und Stadtbaumeister von Koblenz, zwischen 1832 und 1833 erbaut und seit dieser Zeit als Schulgebäude genutzt. Es steht unter Denkmalschutz. Schwerpunkte des Museums sind: Ortsgeschichte, Weinbau und der Automobilpionier August Horch, der hier zur Schule ging und in dessen ehemaligem Klassenraum zahlreiche Fotos und Motoren zu sehen sind.

Zur Museumswebseite:

https://www.museum-winningen.de/startseite.html

Die spätere Wirkungsstätte von Horch war u.a. Zwickau, wo das August-Horch-Museum dem Winninger Schmiedesohn ein Denkmal gesetzt hat. Mehr unter: https://www.horch-museum.de

Die "große Schule" - heute das Winninger Museum
Weinausstellung im Keller. Foto: Brost
Gaer-Musik beim Museums-Fest. Foto: Brost
Horch-Cabrio im Besitz der Horch-Familie. Foto: Brost
Jahresfest: Wir machen ein Fass auf. Foto: Brost
Restaurierung 30.000-Liter-Fass. Foto: Lammai
Ausstellungsstück: Brotration im Krieg 1870/781. Foto: Lammai
Alte Taufgefässe. Foto: Lammai

Horch-Weinberg

Viel ist über die technischen Leistungen von August Horch als Automobilpionier übergeschrieben worden. Die andere Seite, die des Winninger Schmiedejungen und Bürger, ist weniger beleuchtet. Horch ging in Winningen zur Schule (heute befindet sich dort das Ortsmuseum mit einer kleinen Ausstellung über Horch), erlernte den Beruf des Vaters, ging dann auf Wanderschaft, schrieb sich am Technikum im sächsischen Mittweida zum Studium ein und beendete dieses als Betriebsingenieur. Es folgte jenes Leben, das er in seinem Buch „Ich baute Autos“ eindrucksvoll beschrieben hat.

Seinen Geburtsort Winningen hat der umtriebige August Horch jedoch nie vergessen. Im Gegenteil. Er war eine zeitlang Besitzer des Distelberger Hof, zu dem es ihn immer wieder hinzog. Obwohl er keinen Führerschein hatte(!) fuhr er mit seinen Luxuswagen auf den Berg, vorbei an Winzern im Weinberg, die oft den Kopf schüttelten über diesen Mitbürger aus einer fremden Welt.

Der Wein aus Winningen gehört für August Horch zum Leben. In der Briefkorrespondenz mit seinem Freund Heinrich Saas (damals Altdeutsche Weinstube / heute Pizzeria La Palma) spielen der Zustand der Weinberge, die Traubenreife und die Güte des Jahrgangs eine zentrale Rolle. Wein aus dem eigenen Weinberg gehörte beim Autopionier auf den Tisch. Doch das war nicht einfach, weil die Flaschen (es gab kaum Flaschen zum Abfüllen und keine Korken) nach dem Krieg aus der „Französischen Zone“ (später Rheinland-Pfalz) in die „Amerikanische Zone“, nach Münchberg expediert werden mussten. Viele Kisten gingen auf dem Transportwege verloren. So bat er Geschäftspartner und Freunde fast flehentlich, ihm das köstliche Tröpfchen“ bei Gelegenheit mitzubringen. Der Umstand, dass der „Saft“ in andere Hände durch andere Kehlen laufen könnte, bereitete Horch jedenfalls große Sorge… (siehe Briefe aus dem Ortsmuseum Winningen).

Dass es zu Ehren des Autobauers seit vielen Jahren die „Edition August Horch“ gibt, hätte den Winninger Schmiedesohn und AUDI-Gründer wohl sehr gefreut.

An dieser Stelle am Brückstück Weinpfad lag einer der Weinberge von August Horch.

 

Verleihung Edition Horch bei AUDI Koblenz. Foto: Lammai
Etikett der "Edition August Horch"
Wein-Briefwechsel. Quelle: Museum Winningen
Briefwechsel. Quelle: Museum Winningen

Der Hexenhügel

Der sogenannte „Hexenhügel“ erinnert an jene Opfer im 17. Jahrhundert, die als „Hexenmeister“ oder „Hexen“ angeklagt und hingerichtet worden waren. Nicht alle Namen sind aufgeführt, denn in Winningen wurden 24 Personen angeklagt, davon 19 dem Henker übergeben. Der Hexenwahn hatte im 16. und 17. Jahrhundert die Seele des Volkes vergiftet. Durch Witterungsbedingungen der sogenannten „kleinen Eiszeit“, der Reformation und den 30-jährige Krieg waren die Menschen in ihren Grundfesten erschüttert. So fiel der Irrglaube, an dem Elend seien Zauberer und Hexen schuld, auf fruchtbaren Boden. Forschungen zeigen, dass der Hexereivorwurf aber auch gezielt in sozialen Auseinandersetzungen und besonders in sozialen Konkurrenzsituationen eingesetzt wurde.

Die Stele wurde 1928 errichtet, 2014 unter Denkmalschutz gestellt. Sie steht auf einem ehemaligen Grabhügel, vermutlich aus der frühen Laténezeit um 450 vor Christus. In den frühen 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts kam es auf dem Heideberg zu Umgestaltungen im Bereich des so genannten Hexenhügels. Während der Neugestaltung gelang es dem Winninger Arzt Richard Arnoldi  bei Aufforstungen ein Körpergrab zu erkennen und Objekte aus dieser Bestattung zu bergen. Zudem sollen sich in dem Bereich des Hexenhügels noch eine Bronzenadel der Hallstattzeit und eine bronzene Lanzenspitze vermutlich aus der Bronzezeit gefunden haben. Der Verbleib dieser beiden letztgenannten Gegenstände ist unbekannt.

Nach den Unterlagen der Archäologischen Denkmalpflege in Koblenz und des Mittelrhein-Museums Koblenz wurden in dem von Arnoldi entdeckten Grab im Hexenhügel vier große, teilweise fragmentierte Bronzeringe zusammen mit einem ankerförmigen Eisenschlüssel und einem in der Funktion heute undefinierbaren Bronzeblech gefunden. Die Stücke gelangten nach dem Tod von Richard Arnoldi (23. April 1922) in den Bestand des Schlossmuseums Koblenz. Die Bronzeringe gehörten dort  in der Ausstellung zu den bewundernden Objekten. Die beiden vollständig erhaltenen Schmuckstücke wurden schon kurz nach ihrer Entdeckung als so bedeutend angesehen, dass sie bereits 1937 in einem Übersichtsband zur rheinischen Vorgeschichte veröffentlicht wurden. Die Buckelringe sind ein äußerst seltener Fund. Heute befinden sie sich im Koblenzer Mittelrhein-Museum. Leider kann die archäologische Sammlung dort nicht besichtigt werden.

Die Durchmesser von 11.2 cm aufweisenden Zierelemente zählen zu den „geknöpfelten Beinringen“. Diese sind stets offen. Die zur Frauentracht gehörenden Stücke besaßen jeweils elf taubeneigroße, auf den Innenseiten abgeflachte Knoten. Die Stabilität der Schmuckgegenstände wird durch einen Kernstab aus Eisendraht gewährleistet. Auf diesen setzte man die Knoten zunächst aus Ton auf, ehe das Ganze im Bronzeguss überfangen wurde.

Ob es sich bei dem von Arnoldi beobachteten Grab um die Zentralbestattung des Hexenhügels gehandelt hat, ist unklar. Da Bestattungen der vorrömischen Eisenzeit im Moselmündungsgebiet auch oft in älteren bronzezeitlichen Grabhügeln als Nachbestattungen eingetieft wurden, könnte ein entsprechender Fall auch hier vorliegen. Die angesprochene, heute verschollene Bronzelanzenspitze, könnte dafür sprechen, dass an dieser Stelle bereits während der Hügelgräberbronzezeit ein Grabmonument errichtet wurde.

(Quelle: -Auszüge – Lutz Grunewald – Winningen – Beiträge zur Ortsgeschichte

Hinweis:                                                                                                                                                                                                       Die in Winningen bekannte „Weinhex“ (Weinhex-Lied, Weinhex-Wein, Weinhex-Legende) ist eine Sagengestalt, die in keiner Verbindung zu den Hexenverfolgungen steht.

Der "Hexenhügel". Foto Brost/Lammai
Die Beinringe befinden sich heute im Koblenzer Mittelrhein-Museum

Moseltalbrücke/Hamm

Nicht nur zur Moselseite mit Marina und Ferieninsel ist die Landschaft attraktiv. Der Blick auf die Weinbergterrassen ist nicht minder schön. Die Weine aus dem „Hamm“ zählen zu den Winninger Spitzengewächsen. Kein Wunder, stehen die Reben doch auf tonhaltigem und fein gesplittetem Schiefer. Das Ergebnis: Der Boden ist locker und leicht. Dadurch können die Reben tief wurzeln und wichtige Nährstoffe aufnehmen. Das schmeckt man!

Wer zum Hamm schaut, sieht eine Flussüberquerung der Superlative. Die „Moseltalbrücke“ war bei ihrem Bau die höchste Autobahnbrücke Deutschlands. Sie hat eine Höhe von fast 140 Metern. Die A61 ist heute eine der mistbefahrenen Verkehrswege zwischen Krefeld und Ludwigshafen. Die Brücke über die Mosel zwischen Dieblich und Winningen verbindet die Eifel mit dem Hunsrück. Gebaut wurde sie zwischen 1969 und 1972. Sie kostete – in heutige Kaufkraft umgerechnet – etwa 70 Millionen Euro. Die „Moseltalbrücke“ ist eine Stahlkonstruktion. Sie ist 930 Meter lang und 30 Meter breit mit vier Spuren.

Hinweis: Auf der Winninger Seite befinden sich Autobahnraststätten. Wer den Uhlen-Weinpfad wandert oder zum Aussichtspunkt „Blumslay“, hat die Möglichkeit, unter der Brückenkonstruktion die Seiten zu wechseln. Ein wenig schwindelfrei sollte man schon sein, denn der Blick hinunter zur Mosel ist spektakulär-aufregend.

Hamm kommt übrigens aus dem Lateinischen „hamus“, was soviel wie Haken bedeutet und hier die Biegung des Flusses meint.

Freigabe der Moseltalbrücke durch den rheinland-pfälzischen Verkehrsminister Holckenbrink. Alle Fotos: Lammai
Aussichtspunkt Moseltalbrücke mit Römervilla und Raststätten
Moseltalbrücke "trennt" in etwa die Weinlagen "Hamm" und "Uhlen"
Blick aus dem Uhlen-Weinpfad in die Höhe zur Brücke
Moseltalbrücke im Nebel.
Blick auf die Brücke aus dem Weinberg
Steillage Hamm. Ohne "Bergbahn" kaum zu bearbeiten.
Geführte Exkursion mit Naturerlebnisbegleitern.

Bewässerung

Der Klimawandel ist auch in den Weinbergen angekommen. Das stellt Reben und Winzer vor große Herausforderungen. Auch Trauben können Sonnenbrand bekommen. Aber auch wenn die Wurzeln der Reben bis zu 20 Meter tief in die Erde reichen, braucht es genügend Wasser.

Vor allem die Junganlagen düstet es, da diese noch nicht tief genug „wurzeln“. Deshalb verlegen immer mehr Winzer in diesen Weinbergen Bewässerungssysteme, die Tropfen für Tropfen an die Pflanzen abgeben. Bei der Microbewässerung kommt es nicht auf große Mengen Wasser an. Sie muss eine kontinuierliche Wasserzufuhr gewährleisten, die es der Rebe ermöglicht, die Feuchtigkeit gleichmäßig und langsam aufzunehmen. Damit wird Stress durch Überwässerung, aber auch eine Schwächung der Jungpflanze durch Trockenheit vermieden.

Und die Zukunft?

Um Ertrag und Qualität im Weinbau weiter zu gewährleisten, werden Themen wie Bewässerung, Begrünung und neue Rebsorten diskutiert. Problematisch ist, dass es nicht immer genügend Wasser für die Microbewässerung gibt. In vielen Weinbaugemeinden gibt es derzeit Diskussionen über den Bau von Wasserbecken.

Die Begrünung im Weinberg galt lange Zeit als nicht förderlich für die Rebe. Aber sie hat Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Deshalb gilt inzwischen eine artenreiche Begrünung als beste Hilfe im Kampf um den Klimawandel und Trockenheit im Weinberg.

Sicher wird der Riesling seine dominante Stellung weiter behaupten. Aber „trockenresistentere Rebsorten“ sind auf dem Vormarsch. Mediterrane Reben wie Chardonnay oder Sauvignon Blanc sind inzwischen auch in der Winninger Gemarkung zu finden.

 

Mi dem Traktor wird das Wasser in den Weinberg transportiert. Alle Fotos: Lammai
Vom Tank in den Weinberg
Spezielle Systeme sind im Weinberg verlegt
Tröpfchen für Tröpfchen

Die de-Leuw-Bahn

Ohne technische Hilfsmittel wäre eine Bewirtschaftung der Steillagen nicht rentabel. Seit vielen Jahrzehnten ist deshalb eine Erfindung eines Winninger Schlossers im Einsatz: die de-Leuw-Bahn. Sie rollt auf zwei Schienen und ist nur für den Materialtransport zugelassen, also nicht für die Personenbeförderung. Vor allem bei der Weinlese ist sie auch heute noch im Einsatz. Sie wird allerdings immer mehr von der Monorack-Bahn verdrängt. Die de-Leuw-Bahn hat keinen eigenen Antrieb. Sie wird mit einem Seilwindensystem, das an Traktoren angebracht ist, in Betrieb gesetzt. 

Vom Hufbeschlag zu High-Tech

Die Schlosserei de Leuw in Winningen feierte 1998 noch  ihr 100jähriges Jubiläum.

Dieter de Leuw (58), Enkel des Firmengründers, erzählt, wie alles begann: „1896, im Alter von 21 Jahren, kommt mein Großvater Wilhelm-Friedrich de Leuw aus Witten/Ruhr nach Koblenz und findet schnell Arbeit in einer Schmiede. Zwei Jahre später, mittlerweile mit der Winningerin Anna Brost verheiratet, gründet er seinen eigenen Betrieb in Winningen. Hier werden Pferde beschlagen und Wagenräder gefertigt. Sein Sohn Friedrich-Wilhelm de Leuw wird 1912 geboren und tritt bald in die Fußstapfen des Vaters. 1937 macht er die Meisterprüfung als Huf- und Wagenschmied, übernimmt den Betrieb und verlegt den Firmensitz 1952 in die Bachstraße.“

Die Schmiede entwickelt sich zur Schlosserei und wird ab 1972 von Dieter de Leuw weitergeführt. Treppen, Geländer, Gitter oder Tore gehören zur Produktion, aber auch Spielgeräte, Schaukeln, Karussells, Kletterwände sind ein besonderer Schwerpunkt. Dazu kommt eine von Dieter de  Leuw 1986 selbstentwickelte Zweischienenbahn, die in Steillagen die Arbeit erleichtert.  Eingesetzt wird die bis zu 200 Meter lange Konstruktion in den Weinbaugebieten der Mosel, am Main und Saale-Unstrut. Aus Winningen „exportiert“ wurde die Erfindung als Materialbahn in den Bayerischen Wald, die Schwäbischen Alp, das Bergischen Land und in die Rhön.

1992 wird das Einzelunternehmen zur GmbH umgewandelt. Inzwischen wurde das Unternehmen von der Schlosserei Klöckner im Winninger Gewerbegebiet übernommen.

Die alte de-Leuw-Schmiede
de-Leuw-Bahn im "Röttgen" über steilste Hänge durch den Weinberg
Weinberg im Röttgen mit de-Leuw-Bahn

Domgartenhütte

Von der Domgartenhütte gibt es sicher die schönsten Ausblicke auf Winningen und das Moseltal. Eine Rast macht Sinn, zumal die Hütte zum Verweilen einlädt. Zudem  gibt es genug zu sehen: Links die Weinberge der Lagen Domgarten, Brückstück und Röttgen und am anderen Moselufer der Koblenzer Stadtteil Lay mit dem Stadtwald, aus dem die Spitze des „Fernmeldeturms Kühkopf“ herausragt. Auch ist – mitten im Wald – der „Carolaturm“ gut sichtbar, von dem der Besucher aus einen grandiosen Blick auf die Mosel und Winningen hat. Der Taleinschnitt auf der rechten Seite daneben führt ins Kondertal. Dort liegt ein Sauerbrunnen, den die Winninger (sie setzten mit einer Fähre über) früher nutzen durften. Dazu schlossen Koblenz und Winningen am 24. Januar 1725 einen Vertrag. Heute kann sich jeder an dem Säuerling laben. Der Wald zur Rechten (Winninger Hinter- und Vorderwald) gehörte einst vielen Winninger Familien, die vor allem in Kriegszeiten mit dem Holzeinschlag ihre Häuser heizten. Dazu mussten sie mit Pferd- oder Ochsenkarren mit der Fähre ans andere Ufer übersetzen. Durch das Kondertal verlief eine römische Straße, die zu einem Moselübergang nahe der Insel Ziehfurt und dem weiteren Weg Richtung Eifel führte. Im Kondertal wurde in früheren Zeiten Eisenerz abgebaut. Wegen der kleinen Stollen vermutete man dort „Zwerge“ bei der Arbeit, was den einen oder anderen dazu anregte, die „Schneewittchen-Legende“ in dieses Tal gegenüber von Winningen zu verlegen.

Im Vordergrund liegt der Weinort Winningen mit seiner Kirche aus dem 12. Jahrhundert und der dominierenden Brauten „Museum“ und „Villa Schwebel“.

Hier auf der Moselhöhe an der Domgartenhütte treffen sich auch die  Fernwanderwege „Moselsteig“ und „Rhein-Burgen-Weg“. An der Domgartenhütte führt das „Traumpfädchen“ vorbei.

Der Bau und die Unterhaltung der Domgartenhütte sind das ehrenamtliche Werk eines Winninger Stammtischs, der vor mehr als 25 Jahren auf die Idee kam, Wanderern einen besonderen Rastpunkt hoch über der Moselgemeinde zu bieten. Die Domgartenhütte – benannt nach der Weinlage – ist auch ein beliebter Haltepunkt bei den Weinbergsrundfahrten mit dem Traktor.

 

Blick auf Winningen und Pfadhinweis
Auffallend im Ortsbild: Das Museum (ehemals Schule) und die Villa Schwebel. Foto: Lammai
Wenn auch selten: Der Domgarten im Schnee

Weinlage Domgarten

Die Weinlage „Domgarten“ windet sich sozusagen um die ganze Gemeinde Winningen. Mit rund 72 ha nimmt  die Lage die Hälfte der Winninger Weinbergsfläche ein. Der „Domgarten“ ist eine Schöpfung der 71er Weinbergslagenreform und hat 9 der ehemaligen 1912er Lagen und mehr als 60 der vorher bestehenden Lagen in sich aufgenommen. Es liegt in der Natur der Sache, das die qualitativen Unterschiede innerhalb dieser kaum überschaubaren Einheits-Lage Domgarten sehr groß sind. Das gilt übrigens nicht nur für die Weinqualitäten, sondern auch für die Bodenformationen. Neben den Schieferverwitterungsböden sowie Kies- und Gemischtschotterböden variiert der Boden von Sand bis Lehm und Löß in allen Schattierungen. In der Steigung schwankt der Domgarten zwischen 0 und 100 %, in den Himmelsrichtungen ist alles vertreten von S bis N. Daher ist auch bei der Weinpalette alles vertreten – vom einfachen, süffigen Schoppen bis zum Spitzenwein. Die ganz großen Terroirweine wie Uhlen, Hamm, Brückstück und Röttgen kann der Domgarten aber nicht hervorbringen. Der Name „Domgarten“ entspringt einer alten Flurbezeichnung.

Herbst in Domgarten und Brückstück. Foto: Lammai
Domgarten: Rund um Winningen. Foto: Lammai
Domgarten-Weinberge und Winningen. Foto:Lammai
Es wird Herbst im Domgarten. Foto: Lammai

Winninger Turnverein (WTV)

Winninger Turnverein 1891 e.V.  (WTV)

Der Winninger Turnverein wurde am 4. Dezember 1891 gegründet. Hier ein Auszug aus der Chronik des Vereins:  „4. Dezember 1891, Gründungsversammlung, Der Vorstand wird gewählt. Ernst Richter, Wilhelmstraße, 1. Vorsitzender. 30 aktive Mitglieder, ihnen folgen in der nächsten Zeit 38 inaktive Mitglieder. Turnstunden im Schwan, dann im Hotel „Deutscher Kaiser“ und einige Abende im Gasthaus „Hoffnung“. Die Satzungen werden am 06. Dezember beschlossen und erhalten am 17. Dezember Nr. 2384 den Sichtvermerk des Bürgermeisters Hoffmann.“ 

1900 wird die Turnhalle in der Neustraße gebaut.

Auszug aus der Chronik:  „1. Januar 1910, Richard Knaudt wird Vorsitzender. Nach Bauerlaubnisschein vom 22.04.1910 Nr. 3501 wird an die Tunhalle ein Anbau mit Küche und im 1. Stock eine Verwalterwohnung errichtet. (…) Nach Beschluss durch den Kreisausschuss vom 07.06.1911 erhält der Tunverein für diese Räume die Erlaubnis zum Betrieb einer beschränkten Schankwirtschaft.“  Mit Unterbrechung durch die beiden Weltkriege (durch diese kam das turnerische Leben in Winningen vollständig zum Erliegen) entwickelt sich der Verein immer weiter und es kommen weitere Sportarten hinzu. 

Heute ist der Winninger Turnverein ein Mehrsparten-Sportverein für Freizeit- und Breitensport. Der Verein bietet von Eltern-Kind-Turnen für die Allerkleinsten bis zum Seniorensport ein breites Angebot für alle Altersgruppen. In den Abteilungen Turnen, Tennis und Fußball gibt es ein umfangreiches Bewegungsangebot. 

Neben der „alten Turnhalle“ findet das sportliche Leben inzwischen in erster Linie in der Mehrzweckhalle des Dorfgemeinschaftshaus (Auguts-Horch-Halle) statt. Der Sportplatz in der Nachbarschaft wird im Sommer für zahlreiche sportliche Veranstaltungen genutzt.

Aktuelle Informationen zum Verein und den Angeboten: www.tv-winningen.de 

 

Alle Fotos: WTV Winningen

Monorackbahn

Die Monorack ist eine Einschienen-Zahnradbahn. Ohne diese spezielle Weinbergsbahn wäre die Bearbeitung der Steillagen kaum wirtschaftlich möglich. Vor allem bei der Weinlese und der Weinbergspflege ist das System von großem Nutzen. Gegenüber anderen Bahnen hat es den Vorteil der flexiblen Verlegung in den Hängen. Außerdem ist es selbstfahrend, also mit einem Motor und einer Ladefläche ausgestattet. Mit der Monoreck-Bahn dürfen auch Personen transportiert werden. Es besteht die Möglichkeit, die Transporteinheit flexibel auch in anderen Weinbergen einzusetzen. Dazu wird sie auf einen speziellen Anhänger verladen und an anderer Stelle wieder in die Führungsschiene eingesetzt. Auf diese Weise braucht es nur eine Motoreneinheit für mehrere Strecken.

In den Winninger Weinbergen wird unter anderem die Garaventa-Monorack-Bahn eingesetzt (z.B. Brückstücksweg). Hersteller dieser Bahn  ist die Firma Doppelmayer aus Österreich, die auch die Seilbahn in Koblenz vom Deutschen Eck zur Festung Ehrenbreitstein gebaut hat.

Eine ausführliche Beschreibung der Bahn und des Prinzips gibt es hier:

https://monorack.doppelmayr.com/fileadmin/user_upload/sections/Benzin_Monorack/2022_Broschuere_Benzin-Monorack_DE.pdf

Monorack-Bahn im "Röttgen"

Pfahlerziehung

Trierer Rad. Immer weniger im Einsatz.
Traditionelle Pfahlerziehung.

Der Riesling – die Moselrebe

Welche Sorten im Altertum und im Mittelalter hier angebaut wurden, ist heute nicht mit Sicherheit zu sagen. Es dürften weiße und blaue, z. T. auch in gemischtem Satz, gewesen sein. Bevorzugt waren jedenfalls zu Zeiten, als der Winzer noch zur Abgabe des Zehnten verpflichtet war, die reichtragenden Sorten wie der seit Römerzeiten bekannte Elbling (Klaamer), der Silvaner (Östreicher) und andere.

Der Riesling (Rösel), dessen Herkunft im Dunkeln liegt, von manchen Forschern aber als eine Entwicklung aus einer an Rhein und Mosel heimischen Wildrebe angesehen wird, setzte sich erst mit zunehmendem Qualitätsstreben im 18. und 19. Jh. ganz durch und wurde in Winningen zur einzig angebauten Sorte.

Innerhalb der Rebsorte Riesling kannte man früher leichte Abweichungen unter den einzelnen Vermehrungsstämmen. Diese waren vermutlich aus Mutationen hervorgegangen und durch fortgesetzte Selektion gefestigt. In Winningen überwog bis in die 30er Jahre d. Jh. eine Variante, bei der die Triebe und vor allem die Traubenstiele eine leicht rötliche Färbung zeigten. Man nannte sie in Ableitung von „die Rotstieligen“ Ruutschdillsches.

Diese Sortenvariante ist inzwischen völlig verschwunden. Sie wurde verdrängt von leistungsfähigeren, nun seit Jahrzehnten unter ständiger züchterischer Bearbeitung stehender Klonenstämme, die alle dieses Merkmal nicht aufweisen.

Einigen wenigen Müller-Thurgau-Anlagen aus den 30er Jahren folgten dann in der Wiederaufbauphase nach der Flurbereinigung um 1970 weitere, so wie eine größere Anzahl von Versuchsanlagen mit früh und mittelfrüh reifenden, meist reichtragenden Neuzüchtungen mit z. T. hoher Zuckerleistung, die es ermöglichten, der damals bestehenden großen Nachfrage nach Auslesen und Beerenauslesen gerecht zu werden. Bald wurde allerdings vom Weintrinker wieder der klassische Riesling bevorzugt, mit der Folge, dass die neuen Sorten, zumal sie auch anbautechnisch in Bezug auf Winterfestigkeit, Laubarbeit, Krankheitsanfälligkeit und Ertragstreue nicht problemlos waren, fast ausnahmslos wieder gerodet wurden.

(Quelle: Der Weinbau in Winningen, Gerhard Löwenstein)

Der Riesling ist mit 62 Prozent der Rebfläche heute die meistangebaute Rebe an der gesamten Mosel. Die Trauben der „Königin der Reben“ reifen spät und ergeben feine, lebendige und elegante Weine, deren Herkunft – das sogenannte Terroir – sich wie bei keiner anderen weißen Rebsorte in ihrem Charakter widerspiegelt. Duft und Geschmack erinnern an Apfel, Birne oder Kräuter. Der vielseitige Riesling ergibt Weine aller Süßegrade und Qualitätsstufen: Vom feinherben Qualitätswein bis zum mineralisch-trockenen Spitzengewächs, vom fruchtig-leichten Kabinett bis zum edelsüßen Eiswein. Halbtrockene und dezent süße Mosel-Rieslinge passen hervorragend zu würzigen Speisen und intensiven Saucen, während edelsüße Weine mit ihren exotischen Fruchtaromen aromatischen Käse und Süßspeisen ideal begleiten. Vor allem nach einigen Jahren Flaschenreife harmonieren süße Mosel-Rieslinge bestens mit kräftigen Gerichten wie Gänseleber oder Wild.

(siehe Foto „Rebsortenspiegel für Winningen“)

Das sich verändernde Klima stellt die Winzer zunehmend vor Herausforderungen. In Winningen werden aber noch keine speziellen Rebsorten angebaut, die dem Klimawandel trotzen sollen. Der Chardonnay ist eine internationale Sorte, die fast überall in der Welt auch in heißeren Klimazonen angebaut wird. Weitere Burgundersorten wie Weißburgunder und Grauburgunder sind sowohl für die nördlichen Gebiete als auch in südlicheren Regionen anzutreffen. Auch der Blaue Spätburgunder als rote Traube, verträgt heißeres und trockeneres Wetter. Der Riesling selbst verfügt über eine große „Schmerzgrenze“. Er ist genetisch und phänologisch breit aufgestellt. Es gibt Rieslingklone, die trockene Bedingungen besser vertragen als andere Rieslingklone. Mit entscheidend sind vor allem die Unterlagen, auf die die Edelreiser gepfropft werden. Kurz: Die „Rebenforscher“ sind bei der Arbeit. Riesling wird auf absehbare Zeit auch weiterhin DIE Rebe an der Terrassenmosel bleiben.

 

 

Hommage an den Riesling
Rebsortenspiegel 2021 für Winningen
Die Blätter entfalten sich. Alle Fotos: Lammai
Traubenblüte
Reifende Traube
Bereit zur Lese
Sonniger Herbst
Riesling mit Moseltalbrücke im Nebel

Wildtiere im Weinberg

Viele wildlebende Tiere haben in den Weinbergen und den angrenzenden Bereichen ihr Zuhause. Erfreulicherweise hat sich der Bestand von Hasen, Fasanen und Rebhühnern aber auch von anderen Bodenbrütern deutlich erholt, wozu insbesondere der verantwortungsvolle Umgang der Winzer mit der Natur beiträgt. Die Begrünung der Rebzeilen mit Blühpflanzen und ein spätes Mulchen verbessert erheblich den Lebensraum. Mehr Blühpflanzen bedeuten mehr Insekten, die zur Aufzucht für viele Vogelarten notwendig sind.

In einigen Bereichen der Weinberge leben das ganze Jahr über Rehe. Den Umgang mit Menschen, ob Winzer oder Tourist, sind sie gewohnt und können potenzielle Gefahren hieraus gut einschätzen. Freilaufende Hunde sind allerdings eine riesige Gefahr. Besonders in der Aufzuchtzeit der Kitze und im Frühjahr, wenn die Muttertiere hochtragend und daher in ihren Fluchtmöglichkeiten eingeschränkt sind, kommt es immer wieder zu schrecklichen Vorfällen.  

Es ist daher besonders wichtig, dass Hunde immer im direkten Einwirkungsbereich ihres Halters sind, damit sich Vorfälle wie oben ersichtlich nicht wiederholen.  

Dort wo der Wald an die Weinberge angrenzt, sind auch durchaus Wildschweine anzutreffen. Dies ist insbesondere im Bereich der Weinlagen Uhlen und Hamm möglich und kann auch im Herbst zur Traubenreife zu Wildschäden in den Weinbergen führen. Um dies zu vermeiden oder gering zu halten bedarf es spezieller Bejagungsstrategien. In Absprache und mit Hilfe der Grundstückseigentümer finden dann in und oberhalb dieser Weinbergslagen im Herbst und Winter Jagden speziell auf Wildschweine statt.

Der Grenzbereich zwischen Weinbergsflächen, Brachen und Waldrand ist aufgrundseiner topografischen Besonderheit besonders anspruchsvoll und fordert von Treibern, Hunden und Jägern vollen Einsatz. Dies insbesondere auch dann, wenn geschossenes Wild aus diesem Bereich meist über viele Terrassen nach unten geborgen werden muss.

Das Revier Winningen hat insgesamt eine Größe von 650 ha und ist identisch mit den Gemarkungsgrenzen der Gemeinde Winningen. Neben den Wald,- Feld- und Weinbergsflächen gehört auch die Mosel anteilig mit zu den bejagbaren Flächen des Reviers .Ca. 150 ha der Gesamtfläche sind nicht bejagbar, da sie entweder befrie-dete Bezirke oder grundsätzlich nicht bejagbar sind (Dorflage, Flugplatz, Autobahn, Straßen, Eisenbahn, zum Teil Campingplatz oder eingezäunte Bewirtschaftungsflächen).

Ricke mit Kitzen im Weinberg © Klaus Lammai
Von einem Hund gerissen: Tragendes Reh © Klaus Lammai
Sie hoppeln wieder: Hasen haben die Weinberge als ihr Revier erkoren © Klaus Lammai
In den Uhlenhängen erlegt: Ein Wildschwein. Die Bergung ist Schwerstarbeit © Klaus Lammai
Keine leichte Arbeit, das Wildschwein aus den vereisten und steilen Hängen zu bergen

Leuchtpunkt der Artenvielfalt

WEINBERGE SIND DAUERKULTUREN

Biologische Vielfalt vs. Bewirtschaftung in dem Weinanbaugebiet Mosel – das ist Vergangenheit. Heute ziehen alle Akteure des Raumes an einem Strang. Das Ziel der „Initiative Lebendige Moselweinberge“ ist die Steigerung der Biodiversität. Sowohl die Reben selbst, als auch das gesamte Ökosystem Weinberg werden in den Fokus des Handelns gerückt. Ein Forum vernetzt die Akteure und bündelt alle Maßnahmen und Aktivitäten. Ideen- und Maßnahmenbörse mit qualifizierter Beratung unterstützen die Umsetzung. Dadurch entsteht mehr Effizienz im Interesse und zum Wohl des besonderen Lebensraumes Weinberg mit seiner biologischen Vielfalt.

Wie können wir diese Landschaft erhalten?

Ein Lösungsweg ist, die bestehenden vielfältigen Aktivitäten besser zu verknüpfen und erfolgreiche Projekte für die gesamte Region weiterzugeben. In einem weiteren Schritt werden lokale Initiativen und gute Ideen aufgegriffen und Möglichkeiten zur Realisierung aufgezeigt. Alle Aktivitäten sind in der Initiative „Lebendige Moselweinberge“ gebündelt und von den Dienstleistungszentren Ländlicher Raum (DLR) koordiniert.

Die Erhaltung und Förderung des „Weinkulturlandes Mosel“ mit den Handlungsfeldern Weinbau, Kultur und Tourismus ist das zentrale Anliegen der Regionalinitiative Mosel, zu der sich die Landkreise, die Wirtschaftskammern und die Weinbau- bzw. Tourismusorganisationen zusammengeschlossen haben. Die Steuerungsgruppe der Regionalinitiative hat im Oktober 2013 beschlossen, die Initiative „Lebendige Moselweinberge“ als einen weiteren Baustein der Dachmarke Mosel zu unterstützen.

Wichtiger Projektpartner ist der Weinbauverband Mosel, der mit einem Förderprojekt den Schutz und die Erhaltung der biologischen Vielfalt im Steillagenweinbau unterstützt. Lösungswege für die Weinbaubetriebe werden aufgezeigt, die als sinnvolle Strategien sowohl der Artenvielfalt und dem Weinbau nützen können.

Die gesamte Initiative „Lebendige Moselweinberge“ ist als offener Pool angelegt – sie lebt durch und von den Menschen und Institutionen, die sich aktiv einbringen und einen Beitrag zur biologischen Identität leisten wollen.

https://www.lebendige-moselweinberge.de/leuchtpunkte.html

Leuchtpunkt „Winninger Weinbergterrrassen“

Der Leuchtpunkt teilt sich in die Weinlagen Uhlen und Hamm westlich von Winningen bis in die Gemarkung Kobern hineinreichend und die östlich gelegenen Weinlagen Brückstück und Röttgen. Am Beispiel des Uhlens lässt sich die Dimension der Weinbergterrassen in Zahlen ausdrücken: 29 übereinander angeordnete Terrassen mit einer Gesamtlänge von 17,4 km Trockenmauern. Die Mauerhöhe beträgt durchschnittlich 2,5 m. Die höchste Mauer ragt 8 m in die Höhe. 130 Spannbögen und 600 Scherentreppen gliedern die Mauerlandschaft. Mit ca. 19 ha Größe, davon 14,5 ha Rebfläche, ist der Uhlen zugleich größte zusammenhängende terrassierte Weinbergslage Deutschlands. Dazu kommen noch zahlreiche Felsen, die zum Teil in ehemaligen Steinbrüchen senkrechte Wände bilden. Auch die Lagen Hamm, Brückstück und Röttgen zeichnen sich durch ihre Steillage und einen hohen Fels- und Trockenmaueranteil aus.Alle Teilbereiche des Leuchtpunktes liegen im Landschaftsschutzgebiet Mosel zwischen „Schweich und Koblenz“. Die den Uhlen umgebenen Wälder sind zudem innerhalb des europäischen Natura 2000-Netzes geschützt. Zahlreiche Felsbereiche unterliegen dem Bundesnaturschutzgesetz.

{Quelle: Im Reich des Apollofalters)

https://www.lebendige-moselweinberge.de/doc/dlr_apollofalter.pdf

Die Winninger Weinbergsterrassen wurden 2022 vom Deutschen Weininstitut als „Höhepunkt der Weinkultur“ ausgezeichnet.

https://www.deutscheweine.de/tourismus/hoehepunkte-der-weinkultur/?tx_xmdwipois_showhighlight%5B%40widget_0%5D%5BcurrentPage%5D=5&cHash=81f3ac6039cbb411dac38ee56232f264

Leuchtturm-Stele im Röttgen-Weinpfad
Aufstellen der Leuchtpunkt-Stele. Alle Fotos: Lammai
Stele aus dem "Stein der Mosel"
Ödlandschrecke
Taubenschwänzchen (Kolibri der Mosel). Foto: Lammai
Weinbergschnecke.
Feuersalamander
Segelfalter. Foto: Lammai
Auszeichnung durch das Deutsche Weininstitut.

Der Mosel-Apollo

Apollo als Forschungsobjekt

Mit dem Biologen Daniel Müller und Biggi Kaszmarek unterwegs

Der Mosel‐Apollofalter ist eine Unterart des Roten Apollos, der im Moseltal zwischen Winningen und Bremm seinen Lebensraum hat. Der Schmetterling aus der Familie der Ritterfalter begeistert durch seine Größe und die auffällige Flügelzeichnung mit den charakteristischen roten Flecken. 

Startschuss zu unserer Forschungsarbeit zum Apollofalter war am 2.Juni 2021 mit der Sichtung des ersten Falters unterhalb der Blumslay. Das Beobachtungsgebiet war der Uhlen zwischen Kobern und der Winninger Moseltalbrücke auf einer Strecke von rund 2,5 km Länge. Hier ist im gesamten Lebensraum noch die größte Population der schwindenden Falter zu entdecken. Insgesamt wurden dort neun markante Bereiche festgelegt auf denen Beobachtungen stattfinden sollten. 

Während der Flugzeit 2021 des Apollofalters sind wir nahezu täglich die Strecke abgegangen und haben verschiedene Daten zur Lebensweise des Apollofalters aufgeschrieben. Dazu gehörten neben der Anzahl der Falter (männliche und weibliche Tiere), die Blütenbesuche und die Verweildauer an den unterschiedlichen Nektarpflanzen, mögliche Eiablagen des Apollofalter‐Weibchens und Aktivitäten zwischen den Beobachtungsflächen. Darüber hinaus wurden die Wetterverhältnisse und der Blühhorizont (Anzahl der zur Verfügung stehenden Blüten auf der Fläche) notiert. 

Im Anschluss an die Flugzeit sind wir hoch in die Flächen, um die etwa stecknadelgroßen Eier zu suchen, die das Apollofalter‐Weibchen einzeln an Weinbergsmauern und Felsüberhänge ablegt. Das war in diesem steilen Terroir nicht ungefährlich und auch anstrengend. Nach mühevoller Suche, die über mehrere Wochen ging, hatten wir 50 Eier gefunden und markiert, die es über den Winter zu kontrollieren galt. Während dieser Phase sind verschiedene Daten zur Lage und Exposition sowie zu außergewöhnlichen Ereignissen der winzigen Eier erhoben worden. Dabei kam des Öfteren auch die oben erwähnte Lupe zum Einsatz. Ein glücklicher Zufall hat uns am 12. Februar 2022 zu einer einzigartigen und seltenen Beobachtung geführt. Wir konnten miterleben, wie ein winziges Räupchen aus der Eihülle schlüpft, in der es seit acht Monaten voll entwickelt verweilte. Ein Geschenk der Natur! 

Nachdem sich die kleinen Raupen eine Weile für das menschliche Auge unsichtbar gemacht haben, entdeckten wir gegen Ende März erste halberwachsene Raupen im 3. Larvenstadium. Nächstes Ziel war es nun, so viele Raupen wie möglich zu finden, um auch in diesem Entwicklungsstadium wichtige Erkenntnisse zu erlangen. Daniels Aussage, eine Apollofalter‐Puppe in freier Natur zu finden, hat sich leider bewahrheitet. Die Raupen ziehen sich zum Verpuppen zurück und spinnen sich locker in Erdnähe ein. Nachdem sich die Raupen viel früher als erwartet gezeigt haben, rechneten wir mit einer frühen Flugzeit des fertig entwickelten Falters. Am 12. Mai 2022 schloss sich der Kreis mit der Sichtung des ersten Apollofalters an den Felsen der Blumslay. Noch einmal zählten wir regelmäßig die Apollofalter an den Beobachtungsflächen und konnten mit Freude feststellen, dass sie sich in dieser Saison deutlich mehr zeigten. 

Die Erkenntnisse aus dieser Arbeit rund um unseren wunderbaren Apollofalter helfen uns dabei, seine Bedürfnisse im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen. Die Verbesserung seines einzigartigen Lebensraumes durch Freistellung verbuschter Flächen und Anpflanzung von Futterpflanzen sind Maßnahmen, auf die wir Einfluss haben und die schon umgesetzt werden. Die zunehmende Trockenheit hat jedoch starke negative Auswirkungen auf die gesamte Flora und Fauna und an diesem Punkt sind wir machtlos. Es bleibt die Hoffnung, dass unser Mosel‐Apollofalter damit besser zurechtkommt, als wir es aufgrund der Gegebenheiten vermuten. Unser Einsatz zum Erhalt des wunderbaren Ritterfalters geht jedenfalls in die Verlängerung! 

Text und Fotos: Biggi Kaczmarek 

Tagfalter der Untermosel

Die Broschüre von Daniel Müller beschäftigt sich auf 36 Seiten mit der Tagfalter-Fauna des unteren Moseltals. Eine allgemeine Einführung beleuchtet die Lebensweise von Tagfaltern und stellt die für das Gebiet charakteristischen Lebensräume vor. Eine Seite ist dem Moselapollo gewidmet, der wohl populärsten Art der Region. Daniel Müller geht auf die Gefährdung der Tagfalter und mögliche Schutzmaßnahmen ein.

Den Kern der Broschüre bilden Artenporträts von allen 58 Tagfalter-Arten, die sich derzeit regelmäßig an der Untermosel beobachten lassen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Unterscheidungsmerkmalen der einzelnen Arten. Ein Literaturverzeichnis und eine Artenliste runden das Heft ab. Preis: 4,-€. Kontakt: Daniel Müller, Erlenweg 30, 56332 Lehmen, E-Mail: D.Mueller1996@web.de

 

https://www.lebendige-moselweinberge.de/doc/dlr_apollofalter.pdf

https://www.lebendige-moselweinberge.de/doc/dlr_edvedm.pdf

Stecknadelgroß:Eier des Apollofalters. Fotos: Kaszmarek
Der Apollo schlüpft aus dem Stecknadel großen Ei.
Apollo-Raupe beim "großen Fressen" auf der Fetthenne.
Apollo-Männchen
Apollo-Weibchen
Apollo-Film von Hans-Jürgen Zimmermann. www.naturundtierfilm.com

Weinlage Röttgen

Das „Röttgen“ zählt zu den „Großen Lagen“ in Winningen . Die Weine haben einen  ganz besonderen Charakter. Die Urbarmachung des Felsens, der auch „Rodt“ genannt wurde, gegenüber dem heutigen Ortsteil Koblenz-Lay, hat seine eigene Geschichte.

Das ganze Areal, das bis dahin nur in seinem östlichen Teil zum Layer Kopf hin bis zur Höhe bestockt war, im Bereich der hohen Felsregion aber nur am Fuße des Berges weinbaulich genutzt werden konnte, gehörte seit jeher größtenteils zum Layer Pfarrgut und wurde von Layer Bürgern bebaut. Die Grenze zwischen dem kurtrierischen Lay (heute Koblenz-Lay) und dem sponheimischen Winningen war immer umstritten, was häufig zu heftigen Auseinandersetzungen führte, bis hin zum Auswerfen oder Versetzen der Grenzsteine, der Beschlagnahme des Lesegutes, ja bis zum Gebrauch einer Schusswaffe seitens des Layer Schultheißen. Diese Streitigkeiten fanden ein Ende durch die Säkularisation und die Verwaltungsreform der französischen Administration Anfang des 19. Jahrhunderts,  in der unter Anerkennung der von der Gemeinde Winningen reklamierten Grenze das „Layer Rodt“ der Gemeinde Güls zugeschlagen wurde. Winninger Winzer erwarben nunmehr die jetzt zu Güls gehörende, bisher noch unbebaute steile Felspartie zur Urbarmachung, Terrassierung und weinbaulichen Nutzung.

Ob beim Bau der Terrassen im Uhlen, Hamm und Brückstück schon in früheren Zeiten Schießpulver zum Wegsprengen einzelner Felsnasen eingesetzt wurde, ist nicht überliefert und eher unwahrscheinlich. Man ging dem Fels in mühsamer Arbeit mit der Spitzhacke und mit in die Spalten eingeschlagenen Holzkeilen zu Leibe, die durch dauernde Benetzung aufquollen und so die Schieferplatten lockerten und abdrückten.

Zur Ausführung der nun hier (im Röttgen) anstehenden Felsbruch- und Terrassierarbeiten verstand es die Winninger Gemeindeverwaltung nach 1815, eine Pioniereinheit der jungen preußischen Garnison zu Koblenz heranzuziehen, die zu Übungszwecken diese Rodung oder „Rott* durchführten. Von daher leitet sich der Name „Röttchen“ ab, der nach damaliger Schreibweise auch heute noch „Röttgen“ geschrieben und vielfach fälschlicherweise auch so ausgesprochen wird. Eine der dort errichteten Mauern zeigt die mittels eingemauerter großer heller Kieselsteine deutlich lesbare Jahreszahl 1827.

(Quelle: Gerhard Löwenstein, Entwicklung und Bedeutung des Weinbaus – Beiträge zur Ortsgeschichte)

Herbst im Röttgen. Alle Fotos: Lammai
Steilterrassen im Winter.
Schneelandschaft Röttgen
Röttgenterrassen.
Große Lage
Steilstlage Röttgen. Leichter wurde die Arbeit mit der de Leuw-Bahn. Foto: Lammai
Terrassen aus Bruchstein alt und neu. Foto: Lammai
Tolle Lage an der Mosel. Foto: Lammai

Lebenstürme in Winningen

Biologische Vielfalt bewegt wieder die Menschen. Bedauerlicher Auslöser sind die jüngsten Erkenntnisse zum Insektensterben. Dabei haben wir Menschen diese Vielfalt immer gewollt, sie wertgeschätzt und letztendlich auch gebraucht. Aber irgendwann zwischen einem zunehmenden ökonomischen Denken und dem Aufkommen virtueller Welten scheint der Kontakt zu Flora und Fauna doch abgerissen zu sein. Wer kennt Blumen und Schmetterlinge noch beim Namen? Wer weiß über die Zusammenhänge von Lebens- räumen und einzelnen Arten? Und wer hat sich das letzte Mal die Zeit genommen, ein Insekt nur für eine Minute zu beobachten?

Da hilft es auch nicht, wenn Artenschutz gesetzlich festgeschrieben ist, jede Partei ihn in ihrem Programm hervorhebt oder die Medien ihre Beiträge gerne mit schönen Bildern von Tieren und Pflanzen garnieren. 2020 geht die UN-Dekade zur Biologischen Vielfalt zu Ende. Auch die Lebendigen Moselweinberge sind zweimal als beispielhaftes Projekt ausgezeichnet worden. Doch wer hat das wirklich wahrgenommen? Biologische Vielfalt bedeutet Leben und muss gelebt werden. Sie muss wieder mehr ins öffentliche Bewusstsein rücken, mehr Aufmerksamkeit erfahren. Dazu braucht es auch „Hingucker“: zum Beispiel einen Lebensturm. Er zieht fast automatisch die Blicke auf sich, lädt zum genauen Betrachten ein und überragt sogar den Menschen. Schon beim Bau kann er zum gemeinschaftlichen Ereignis werden, Generationen verbinden und sensibilisieren. Steht er einmal, ist er ein markanter Punkt in der Landschaft oder im Dorf – für Einheimische und Gäste gleichermaßen. Letztendlich zeigt der Lebensturm aber auch einen Mangel auf: das Fehlen von Strukturen in unseren aufgeräumten Landschafts- und Siedlungsräu- men. Wichtige Lebensraumstrukturen für unsere Tierwelt der Moselregion werden uns in diesem „Muster-Lebensturm“ beispielhaft und gebündelt vor Augen geführt und regen hoffentlich zum Beobachten, Nachdenken und Nachahmen an.

Lebenstürme sind in erster Linie umweltpädagogische Projekte. Doch sie können durchaus eine positive Wirkung auf Flora und Fauna erzielen. Dazu sollten sie auf guter fachlicher Grundlage errichtet werden, damit sie später wirklich mit Leben gefüllt sind. Deshalb ist es auch unerlässlich, dass man sich vorab viele Gedanken zu seinem Lebensturm-Projekt macht. Die folgenden Hinweise sollen dabei unterstützen. Sie basieren auf zugänglichem Fachwissen, eigenen Beobachtungen und der Abstim- mung mit Spezialisten. Natürlich sollen nicht alle Lebenstürme diesem Muster

gleichen. Im Gegenteil: Auch hier ist Vielfalt wichtig, Kreativität gefragt, Auseinandersetzung mit dem Thema erforderlich und lokale Identität zu berücksichtigen und zu fördern. Zudem lernen wir immer dazu und entwickeln weiter – auch die Vielfalt von Lebenstürmen.

 

https://www.lebendige-moselweinberge.de/doc/lmw_bro_lt.pdf

Bau eines Lebensturms durch die Jungwinzer. Foto: Lammai
Zwei Schlingnattern bei der Paarung. Foto: Lammai
Taubenschwänzchen (Kolibri der Mosel). Foto: Lammai
Libelle. Foto: Lammai
Rotschwänzchen im Weinberg. Foto: Lammai
Spanische Fliege oder Russischer Bär. Foto: Lammai
Mauereidechse. Foto: Lammai
Wichtige Helfer: Die Bienen. Foto: Lammai
Lebensturm im Nebel

Weinlage Brückstück

Die Weinlage „Brückstück“ gilt als Geheimtipp. Die besondere Lage, die außergewöhnlichen Bodenformationen bringen ganz besondere Weine hervor. Die mit etwa acht Hektar kleinste Winninger Lage besteht aus einem Gemisch aus Schiefer, Sandsteinen und Bims, der sich vor rund 13.000 Jahren beim Ausbruch des Lacher-See-Vulkans über die Landschaft legte. Allesamt gute Voraussetzungen für ganz besondere Tröpfchen, die wegen ihrer Frucht und harmonischen Mineralität von Kennern geschätzt werden.

Und warum heißt die Lage „Brückstück“?

Der Trierer Kurfürst Balduin von Luxemburg hatte den Auftrag gegeben, die alte Römerbrücke in Koblenz (heute Balduinbrücke) neu zu bauen. Basalt für die Brückenpfeiler fanden seine Bauleute in ehemaligen kleinen Vulkanen, etwa dort, wo sich heute der Flugplatz Koblenz-Winningen befindet. Die Steine wurden also „gebrochen“, zu Tal gerollt und mit Schiffen nach Koblenz transportiert. Für die Winninger hatte das einen besonderen Vorteil: Sie brauchten (…und das ist auch heute noch so) keinen Brückenzoll zu entrichten.

Der Brückstücksweg – Teil des Brückstück Weinpfad – ist die „Sonnenterrasse an der Terrassenmosel“ und zu jeder Jahreszeit viel besucht. Auf dem „Brückstücksweg“ findet im Mai das Steillagen-Weinfest statt. Am Freitag vor dem 1. Advent wandern Hunderte Besucher zur Eröffnung von „Winningen im Lichterglanz“ über den Brücksrücksweg bei der großen Fackelwanderung ins Dorf. Das ganze Jahr über führen Weinbergsrundfahrten mit dem Traktor über den Brückstücksweg. Mit einem Glas Wein in der Hand kann „Winningen von oben“ bestaunt werden.

 

Blick Brückstück und Röttgen mit Koblenz-Lay ©© Regiopress/Lammai
Brückstück im Morgennebel. Alle Fotos: Lammai
Rast am Brückstücksweg beim Steillagenfest.
Auf dem Brückstücksweg nach Winningen.
Im Planwagen durch die Weinberge
Beliebte Strecke für Weinbergs-Rundfahrten mit dem Traktor
Steillagenfest im Mai.
Fackelwanderung zu "Winningen im Lichterglanz" (1. Adventswochenende)
Weinlese im Brückstück. Foto: Mahlow
Winterspaziergang im Brückstück
Herbst im Brückstücksweg

Weinlage Hamm

Der Winninger Hamm liegt östlich angrenzend an die Weinlage Winninger Uhlen. Die mit wenigen Ausnahmen bewirtschaftete Lage bringt absolute Spitzenweine mit bestechenden Blüten- und Fruchtaromen hervor. Verantwortlich hierfür sind nicht zuletzt die klimatisch begünstigten Terrassen, die auf dem devonischen Schiefergestein der Singhofen-Schichten am Hang klebend bis an den Geländehorizont emporsteigen. Der rasch auftretende Fels und die skelettreichen Böden führten in Jahren mit ausreichender Feuchtigkeit dazu, dass die Weine ihre Aromen voll zur Geltung bringen können.

Der Winninger Hamm besticht durch seine außergewöhnliche Steilheit und durch eine sehr hohe Trockenmauerdichte. Er wird durch Schienenbahnen erschlossen. Zusammen mit dem Uhlen ist der Hamm Heimat einer besonders vielfältigen und weinbergstypischen Flora und Fauna.

Der Name „Hamm“ ist dem Lateinischen entlehnt und beschreibt den „Bogen“, den die Mosel hier nimmt. Die Luftaufnahme zeigt rechts die Weinlage „Hamm“ und links der Brücke die ersten Weinberge des „Uhlen“.

Die Moseltalbrücke trennt Uhlen (links) und Hamm (rechts). Foto: Lammai
Steillage Hamm. Ohne "Bergbahn" kaum zu bearbeiten.
Exkursion in "Hamm" und "Uhlen" mit der Naturerlebnisbegleiterin Martina Kröber (Vinothek im Spital). Foto: Lammai
Wissenswertes zum Terroir und seinen "Bewohnern" aus Flora und Fauna im Hamm. Foto: Lammai
Münze Kaiser Constantin, Trier, um 300 n.Chr. gefunden in der Weinlage "Hamm" Foto: Lammai

Blumslay Aussichtspunkt

Die „Blumslay“ ist seit Jahrhunderten ein beliebtes Wanderziel als  Aussichtspunkt. Ein literarisches Denkmal hat der in Winningen geborene Pfarrerssohn Albrecht Schöler der “Blumenlei”in seiner romantischen Erzählung “Weinlese”  gesetzt. “….Das alles lässt sich vom Felsen der Blumenlei erschauen. Er ist aber auch den Bewohnern von Winningen ein Lieblingsplätzchen und wird besonders im Frühling besucht. Dann ist’s unten in  der Obst-Ebene eine herrliche Blütenpracht. All die Bergfelsen sind mit frischem Grün durchflochten und auf der „Blumenlei“ duften die frühesten Wildrosen und blühen Feldblumen in großer Zahl.Dort lagerten die lustigen Felsgäste: Doctor und Pfarrer, Bürgermeister und Steuereinnehmer mit Frauen und Kindern  bunt gemischt unter den alten Eichen, und schlürften zuerst den Kaffee, der an einem großen Feuer gebraut wurde……. Zuletzt  aber werden aus dem kühlen Gebüsch die Weinkrüge hervorgelangt  und köstlicher Maitrank präpariert. Denn in dem Gebüsch hinter dem Felsen sprießt der der duftende Waldmeister und alles andere würzige Maikraut in reicher Fülle.

Dieser Aussichtspunkt ist besonders trocken, d.h. niederschlagsarm und durch die Sonne speichernden Felsen von der Wärme verwöhnt. Ideale Bedingungen für den Ameinsenlöwen, dessen Schlupflöcher man in den rückwärtigen Felsen sehen kann. Uhu, Bussard, Schlingnatter, westl. Smaragdeidechse, Wimper-Perlgras, Dach Hauswurz, Graslilie, scharfer Mauerpfeffer, Färberwaid, Ginster, stinkende Nieswurz, Skabiosen Flockenblume, Natternkopf, Habichtskraut Felsenbirne, blutroter Storchschnabel und mehr, gibt es hier zu entdecken.

Die Mauereinfassung an dieser Stelle ist vor mehr als 100 Jahren entstanden.

Nebenan befindet sich die Gustav-Richter-Hütte, benannt nach dem ehemaligen Gemeindediener und „Flurschütz“ (1878 bis 1954). Gustav Richter oblag unter anderem die Aufgabe des „Ausschellers“. Mit einer Glocke (Schelle) ausgerüstet gab er an markanten Plätzen den Bürgern des Ortes Neuigkeiten und amtliche Bekanntmachungen kund. Außerdem war er als „Mundartdichter“ für das Verfassen zahlreicher volkstümlicher Gedichte über die Grenzen Winningens hinaus bekannt. Außerdem sorgte sich Richter ehrenamtlich um die Instandhaltung und Pflege der Wanderwege, bemühte sich nachhaltig um die Aufstellung von Ruhebänken an geeigneten Stellen und letztlich – auf eigene Initiative – um die Errichtung einer Schutzhütte, die heute seinen Namen trägt. Damit die Schutzhütte für Besucher einen ansprechenden Anblick bietet sowie ihren Nutzen erfüllen kann, haben sich vor Jahren die „Kameraden der Altersabteilung des Löschzuges der Freiwilligen Feuerwehr Winningen“ zur Aufgabe gemacht, Hütte und Umfeld zu pflegen.

 

Uhlen im Sommer
Die Nebel im Tal, die Autos in der Sonne
Mosel-Apollo an einer Flockenblume an der Blumslay. Foto: Lammai

Flora im Weinberg

Gehen Sie auf Entdeckertour

Der Weinberg ist mehr, als an Drahtrahmen in Reih und Glied erzogene Rebstöcke. In den Steillagen des Weinanbaugebietes Mosel bereichern vor allem Weinbergsmauern, Felsen und Böschungen den Lebensraum; aber auch Krautsäume, Rebzeilenbegrünungen, Trockengebüsche und Wald-säume. Das alles geprägt durch die fast senkrecht einfallenden Sonnenstrahlen, die viel Wärme auf der Oberfläche der Moselhänge erzeugen. Dafür gibt es nur wenig Wasser. Bestenfalls in den eingeschnittenen Seitentälern der großen Flüsse fließt das Lebenselixier. Sie komplettieren den Lebensraum Weinberg.

Neben den vielfältigen Biotopen gibt es noch die unterschiedlichen Grundgesteine. An der Obermosel steht Kalkgestein an, in überwiegenden Teilen der Mittel- und Terrassenmosel Tonschiefer und Grauwacke; eingestreut Rhyolithe, Sandsteine, Lößablagerungen und Flusskiese. Dazu kommen die charakteristischen Moselschlingen (Mäander), die an den Hängen einen ständigen Wechsel der Exposition zur Sonne nach sich ziehen und mit Prall- und Gleithängen zudem ganz unterschiedliche Geländeformen erzeugen.

So viel Vielfalt an Standortfaktoren und Biotopstrukturen bietet Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Da das Moselgebiet zudem durch Hitze und Trockenheit geprägt ist, findet man oft wärmeliebende Arten, die hier an ihre nördliche Verbreitungsgrenze stoßen. Das macht sie für Deutschland selten und besonders schützenswert. Auch deshalb ist ein Streifzug durch die Pflanzen- und Tierwelt der Moselweinberge ein besonderes Erlebnis.

Identifiziere Deine Entdeckungen:

https://www.lebendige-moselweinberge.de/doc/dlr_36_vips.pdf

Hummel-Ragwurz. Foto: Lammai
Blauer Natternkopf. Foto: Lammai
Dach-Hauswurz. Foto: Lammai
Weißer Mauerpfeffer. Foto: Lammai
Arznei-Thymian. Foto: Lammai
Einjähriger Feinstrahl. Foto: Lammai
Kompass-Lattich. Foto: Lammai
Kartäuser-Nelke. Foto: Lammai
Wimper-Perlgras. Foto: Lammai
Wilde Möhre. Foto: Lammai

Historische Bögen

Wer auf die Steilterrassen blickt, wird zugleich viele Rundbögen sehen. Sie stehen für ein statisches Prinzip, denn sie wurden errichtet, um Druck in der Mauer besser zu verteilen. Zudem sind viele Bögen erst oberhalb der Hangmitte angelegt. Eine weitere These besagt, dass die Mauer so ihre Handwerkskunst verdeutlicht und die Besitzer ihren Reichtum zeigen wollten.

Aber das ist nur eine Vermutung. Denn eine genaue Erklärung scheint es nicht zu geben. Das Wissen um die Spannbögen ist im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen. In dem Artikel von Rolf Zobel über die „Geheimnisvollen Spannbögen im Winninger Uhlen“ gibt es interessante Details und Erklärungsversuche.

Hier geht es zum Artikel: (PDF): Boegen-im-Uhlen

(Quelle: Ministerium für  Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz. Nachrichtenblatt 39/2003)

 

Bögen im Röttgen: Foto: Lammai
Mauerbögen im Brückstück: Foto: Lammai
© Regiopress/Lammai
© Regiopress/Lammai
Weinbergsbögen Uhlen/Hamm.

Der Weinbergpfirsich

Der Weinbergpfirsich – lange Jahre ein wenig verachtet – erlebt eine Renaissance. Nicht nur, dass der aus ihm gewonnene Likör jeden Sekt veredelt oder aus der Frucht eine seltene Marmelade  der Spitzenklasse wird: Der Weinbergpfirsich, auch „Perser“ genannt, ist sehr eigenwillig. Es ist eine wärmebedürftige Obstart, die im Weinbauklima gedeiht.

In anderen Gegenden reift der spätreifende „Rote Weinbergpfirsich“ nicht aus, die Blüte erfriert wegen des frühen Blühzeitpunktes schon Mitte März durch Spätfröste. Am besten gedeiht der „Rote Weinbergpfirsich“ auf einem warmen, milden Lößboden oder humosen Sandboden mit hohem Nährstoffgehalt und genügend Feuchtigkeit im Untergrund. In schweren Böden treiben die Bäume im Herbst zu lange, das Holz reift schlecht aus, ist frostanfälliger und es kommt zu Gummifluss.

Trockene Steilhänge, durchlässige Kiesböden sowie stauende Nässe sind als Standort ungeeignet. Man kann jedoch durch entsprechende Veredlungsunterlagen Einfluss darauf nehmen. Pfirsiche sind in der Jugend sehr schnellwüchsig. Sie sind überdies sehr nährstoffbedürftig (> 100 kg Stickstoff/ha), da sie am einjährigen Fruchtholz tragen und stark geschnitten werden müssen. Zu beachten ist, dass die Nährstoffzuleitung aus den Wurzeln nur über die beiden letzten Jahresringe stattfindet. Ernährungsstörungen durch Beschädigung der Wurzeln, des Stammes und der Äste durch Kräuselkrankheit, Wassermangel oder Wasserüberschuss bewirken sich demzufolge stärker aus als bei anderen Obstarten. Der optimale Geschmack der Früchte ist abhängig vom Wasserangebot, eine gleichbleibende Feuchtigkeit bis kurz vor der Ernte ist anzustreben. Vor der Ernte sollten die Weinbergpfirsiche durchaus etwas „hungern“, zu viel Wasser zu diesem Zeitpunkt macht einen faden Geschmack.

Der „Rote Weinbergpfirsich“ ist selbstfruchtbar. 

Das Genzentrum des Pfirsichs liegt im mittleren und nördlichen China. Dort werden schon 2200 v. Chr. verschiedene Sorten unter der Bezeichnung „Sing“ geführt. 128 v. Chr. kommt der Pfirsich über Vorderasien nach Persien (daher der botanische Name) und durch die Römer dann nach Italien und Südfrankreich. In Deutschland sind in der Saalburg Pfirsichsteine (120 n.Chr.) gefunden worden. Der Pfirsich wird im Mittelalter im Capitulare de Villis als „persicarius“ erwähnt. Albertus Magnus bezeichnet ihn mit „persicum“. Auf den Pfirsichbaum weist ebenfalls die heilige Hildegard hin. Im 16. und 17. Jahrhundert werden in Weinbauklimaten, so auch an der Mosel als dem nördlichsten Verbreitungsgebiet, kleinfrüchtige Pfirsichsämlinge (Weinbergpfirsiche) gezogen, die in vielen Varietäten vertreten, meist fasrig weißfleischig, durch natürliche Aufspaltung aber auch rot gefasert und ganz rotfleischig zu finden waren.

Quelle: DLR Rheinland-Pfalz

https://www.lebendige-moselweinberge.de/doc/weinbergpfirsich_dr_mogk.pdf

Wollen Sie ihn anbauen?

https://www.faszinationmosel.info/wp-content/uploads/2021/07/Broschuere-Moselweinbergpfirsich.pdf

Weinberge in Rosa. Foto: Lammai
Die Pfirsichblüte im Frühjahr. Foto: Lammai
Ernte im Herbst. Foto: Lammai
Ins Innere geblickt. Foto: Lammai
In guter Nachbarschaft: Auch Mandeln wachsen in Winningen. Foto: Lammai

Bellthal – Moselsprudel

Bellthal Moselsprudel in Kobern-Gondorf

von Rudolf Schäfer, Kuratorium für Heimatforschung und –pflege Kobern-Gondorf, © 5/2020

Entstehung der Sauerbrunnen

In Kobern und der Umgebung befindet sich eine Reihe von kohlensäurehaltigen Quellen, die vulkanischen quartärzeitlichen Ursprungs sind. Die aufsteigende Kohlensäure verbindet sich in einigen hundert Meter Tiefe mit dem Grundwasser und löst beim Aufsteigen an die Erdoberfläche Mineralien aus den Gesteinen und Erdschichten.

Bellthalsprudel – eine Heilquelle

Als nach dem Wiener Kongress die Rheinlande an Preußen fielen, gab man 1825 dem Winninger Arzt Dr. Arnoldi den Auftrag, die Mineralquellen der Umgebung auf ihre Zusammensetzung zu untersuchen (Gutachten von Dr. Arnoldi im Landeshauptarchiv Koblenz). Dr. Arnoldi bezeichnet den Bellthal Brunnen „als der gesundeste, edelste und beste. Sein kristallhelles Wasser hat durch seinen reichen Gehalt an freier und gebundener Kohlensäure einen überaus angenehmen, erfrischenden und belebenden Geschmack. Er wird ausnehmend wohl vertragen auch von Personen, die kaltes Wasser nicht gewöhnt sind, regt den Appetit an und belebt die Verdauung, indem sein reicher Gehalt an doppelkohlensaurem Natron und kohlensaurem Magnesia den Magen belebt und stärkt,… Es befördert außerdem auf eine energische und doch milde Weise die Abscheidungen der Darmschleimhaut, der Leber und der Nieren und wirkt dadurch, wie meine lange Erfahrung zeigt, als vortreffliches Heilmittel aller chronischen Unterleibsbeschwerden.“

Es ist nicht verwunderlich, dass das Bellthal Wasser somit nicht nur als Bellthal Moselsprudel sondern auch als Heilwasser mit dem Namen „Ferrobell“ verkauft wurde. Den Namen ließ man sich beim kaiserlichen Patentamt in Berlin bestätigen.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte (mit Fotos) vom „Bellthal-Moselsprudel“, den schon die englische Queen Viktoria getrunken haben soll.

https://www.kuratorium-kobern.de/bellthal-moselsprudel

Einst ein stolzer Mineralbrunnen. Foto: Lammai
Alte Zeitungsanzeige mit Werbung für "Bellthal-Moselsprudel".

Blumslay

Der Aussichtspunkt „Blumslay“ gewährt einen grandiosen Blick auf die Mosel und das „Amphitheater Uhlen“. Es braucht schon ein wenig Schwindelfreiheit über die Mauerbrüstung in den Abgrund zu blicken und den Booten auf dem Fluss zuzusehen, während Lastwagen und PKW über die „Moseltalbrücke“ fahren, die in 136 Meter Höhe das Tal überwindet. Wer im Juni/Juli zur Blumslay kommt, sollte – bei schönem Wetter – ein wenig verweilen. Mit etwas Glück flattert hier an den steilen und schroffen Hängen der berühmte und vom Aussterben bedroht „Mosel-Apollo“, ein Schmetterling den es nur hier an der Terrassenmosel gibt. Früher flogen hier auch einmal Fischadler, von dem die „Uhlen-Weinlage  Blaufüsserlay“ ihren Namen haben soll. Der Fischadler hat bläuliche Füsse.

Die Mauer- und Felsvegetation ist hier besonders ausgeprägt. Es finden sich neben dem Weißen Mauerpfeffer (wichtige Nahrungsquelle für die Raupe des Apollofalters) u.a. Färberwaid, die astlose Graslilie oder der französische Ahorn.

Der Aussichtspunkt liegt unmittelbar am „Uhlen-Weinpfad“, der hier identisch ist mit dem „Moselsteig“.

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Mosel-Apollo an einer Flockenblume an der Blumslay. Foto: Lammai
Blick von der "Blumslay" auf den Uhlen. Vorne Bernhard Prinz von Baden, Markgraf von Baden. Foto: Lammai
Spektakulär: Der "Uhlen" mit seinen Terrassen und Trockenmauern. Foto: Lammai

Kampf den Eulenraupen

Es sieht ein wenig gespenstisch aus, wenn mitten in der Nacht in den dunklen Weinbergen an einigen Stellen Taschenlampen und Smartphonelichter die Weinstöcke beleuchten. Die Lichter sind in Bewegung, als ob hier eine große Suchaktion gestartet worden ist. In der Tat: Die kleinen Scheinwerfer leuchten langsam aber stetig durch die Weinbergsreihen. Doch was verbirgt sich dahinter? Die Winzer sind auf der „Jagd“ nach Raupen, genauer, nach Raupen der Gattung Eulenfalter. Das gefrässige Tier hat es auf die jungen Knospen des Weinstocks abgesehen und lässt es sich dort – wenn es nicht von den Jägern erwischt wird – genüsslich gut gehen. Was die Raupen vermutlich erfreut, bereitet den Winzern großen Kummer. Je mehr Raupen fressen – je mehr Schaden wird im Weinberg angerichtet. So bleibt nichts anderes übrig, als die nachtaktiven Tiere im Schein der Lampen einzusammeln. Im VDP-Weingut Heymann-Löwenstein löst man das Problem auf andere Weise mit „Stockschirmchen“ am Fuß der Rebe. Der Erfolg: Den Raupen wird der Weg zum Futterplatz versperrt. Um welchen Eulenfalter  es sich bei den Raupen handelt, ist noch nicht ganz geklärt. Es gibt zahlreiche Arten.

Geniale Erfindung: Bis hierher und nicht weiter. Schirme gegen die Raupen. Foto: Lammai
Nächtliche Suche nach den Raupen. Foto: Röttgerding
Gefrässige Raupe an Rebenknospe. Foto: Richter
Eulenfalter: Foto: Kaszmarek

Hubschrauberspritzung

In den frühen Morgenstunden, ab sechs Uhr,  startet der „Spritzhubschrauber“ zu seinen Flügen über die Winninger Weinterrassen – zunächst zwischen Kobern-Gondorf und Winningen (Lagen Uhlen, Hamm, Domgarten). Am Nachmittag ist der Bereich in Richtung Koblenz-Güls an der Reihe (Lagen Domgarten, Brückstück, Röttgen). Anwohner und Wanderer sind davon nicht unbedingt begeistert, verstehen aber in der Regel die Notwendigkeit des Einsatzes. Nur mit einer Sondergenehmigung darf der Hubschrauber fliegen. Das hat seine Gründe, denn eine andere Möglichkeit des Pflanzenschutzes wäre in den Steillagen weder betriebswirtschaftlich noch personell möglich. Ohne den Hubschrauber sähe deshalb die Wein-Kulturlandschaft völlig anders aus.

Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mit Luftfahrzeugen – Hubschrauberspritzung

Informationen zum Genehmigungsverfahren

Seit 2012 ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) mit Luftfahrzeugen laut Pflanzenschutzgesetz verboten. Grundsätzlich können Ausnahmegenehmigungen für den Weinbau in Steil- und Steilstlagen sowie in der Forstwirtschaft im Kronenbereich von Wäldern erteilt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass es keine praktikablen Alternativen für die Behandlung gibt oder dass gegenüber den anderen Behandlungsmöglichkeiten Vorteile für die menschliche Gesundheit oder den Naturhaushalt bestehen. Diese Voraussetzungen sind in der Regel bei der Bekämpfung von pilzlichen Schaderregern in Steil- und Steilstlagen im Weinbau erfüllt.

Genehmigungen zur Anwendung von PSM mit Luftfahrzeugen werden von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) nach Prüfung der Antragsunterlagen sowie der Voraussetzungen zur Genehmigungsfähigkeit erteilt.

Die Genehmigungen werden mit strengen Auflagen verbunden, um eine sachgerechte Anwendung und den Schutz von Wohngebieten sicherzustellen.

Es kommen ausschließlich Fungizide (Mittel gegen Pilzkrankheiten) zum Einsatz, die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) speziell für die Anwendung mit Luftfahrzeugen zugelassen oder genehmigt sind. Wie bei allen Anwendungen sind auch bei der Anwendung von PSM mit Luftfahrzeugen die Auflagen und Anwendungsbestimmungen der jeweiligen Mittel einzuhalten.

Pflanzenstärkungsmittel und Düngemittel können weiterhin ohne Genehmigung mit dem Hubschrauber ausgebracht werden. Die Pflanzenschutzmittelanwendungen mit Luftfahrzeugen werden in der Regel ab Anfang Mai bis Ende August durchgeführt. Die Flugtermine der genehmigten Behandlungen müssen der ADD mindestens 48 Stunden vor dem tatsächlichen Anwendungszeitpunkt angezeigt werden. Wegen unvorhersehbaren Witterungseinflüssen und dem sich ständig ändernden Entwicklungszustand der Reben, können die Spritzungen nicht früher bekannt gegeben werden.

Wenn die Lufttemperatur bei der Spritzung zu hoch wird oder die Windgeschwindigkeit zu stark ist, muss die Behandlung verlegt werden. Es kann daher zu kurzfristigen Änderungen kommen. Diese Ereignisse werden so schnell als möglich veröffentlicht. In der Hubschraubersaison werden von der ADD regelmäßig Kontrollen während der Anwendungen durchgeführt, die sich unter anderem auch auf die Einhaltung der erteilten Auflagen beziehen. Hinweise, Antrag, Anwendungspläne, Flugtermine und genehmigte Flurstücke stehen während der Flugzeiten zum Download bereit.

(Quelle: ADD Rheinland-Pfalz)

Tankstopp. Alle Fotos: Lammai
Über den Uhlen-Terrassen
Im Domgarten

Fauna

Die in den Weinbergen vorkommenden Arten sind an einen durch Wärme und Trockenheit begünstigten Lebensraum angepasst. Es handelt sich um wärme- und trockenheitsliebende Arten, deren Hauptverbreitungsgebiet oft im Mittelmeerraum liegt. Viele Arten wurden wahrscheinlich mit der Weinrebe von den Römern nach Mitteleuropa eingeschleppt. Die Bedingungen sind für sie auf den wärmebegünstigten Moselhängen ideal. Es gibt kaum schattige Bereiche und der dunkle Schieferboden sowie die Felsen und Mauern erhitzen sich schnell und speichern zusätzlich Warme, die sie in der Nacht abgeben.

Die hier lebenden Tierarten benötigen außerdem fast ausnahmslos einen Wechsel von offenen und bewachsenen Lebensräumen. Das in den Weinbergen vorhandene Mosaik aus Rebfächen, Brachen, Mauern, Felsen und unterschiedlich stark bewachsenen Trockenbiotopen eignet sich hierfür ideal. Die offenen Stellen werden als Sonnenplatz, zur Paarung oder Fortbewegung genutzt, die bewachsenen als Rückzugsort, Versteck, zur Nahrungsaufnahme und Uberwinterung.

Durch das warm-trockene Klima und das Mosaik an verschiedenartigen Teillebensräumen gibt es in den Weinbergen an der Mosel eine sehr hohe Artenvielfalt. Bei manchen Arten handelt es sich um Relikte aus vor- oder nacheiszeitlichen Wanderungen. An der Mosel finden sich noch viele stabile Populationen von in Deutschland seltenen und teilweise stark gefährdeten Arten. Dazu gehören Tierarten wie Mosel-Apollofalter, Orion-Bläuling, Smaragdeidechse und Zippammer und Pflanzenarten wie Farber-Waid, Dach-Hauswurz und Diptam. Wegen der akuten Bedrohung des kleinen Bläulings wurde in 2018 ein Projekt zur Erhaltung der Art gestartet. In Rheinland-Pfalz kommt der Fetthennen-Bläuling nur noch an vier Stellen vor darunter bei Hatzenport an der Terrassenmosel.

Anzutreffen sind u.a.: Mauereidechse, Schlingnatter, auch hier und da die Ringelnatter, die rot- oder blauflügelige Ödlandschrecke, Greifvögel wie Rot- und Schwarzmilan, sowie der Uhu.

Mehr zur Artenvielfalt?

https://www.lebendige-moselweinberge.de/doc/dlr_edvedm.pdf

https://www.lebendige-moselweinberge.de/doc/dlr_apollofalter.pdf

Mosel-Apollo an einer Flockenblume an der Blumslay. Foto: Lammai
Ödlandschrecke. Foto: Lammai
Segelfalter. Foto: Lammai
Mauereidechse. Foto: Lammai
Spanische Fliege oder Russischer Bär. Foto: Lammai
Rotmilan. Foto: Lammai
Libelle. Foto: Lammai
Wanderfalke. Foto: Lammai
Taubenschwänzchen (Kolibri der Mosel). Foto: Lammai
Zwei Schlingnattern bei der Paarung. Foto: Lammai
Erfolgreiche Mäusejagd.
Falke im Weinberg. Foto: Lammai
Zippammer. Foto: Kaszmarek
Rotmilan über dem Weinberg. Foto: Lammai
Mäusebussard jagt im Weinberg. Foto: Lammai
Leben im Weinberg (Fotos: Brost, Lammai)
Das "MUSS-Buch" von Casten Ness und Theo Haart - natürlich mit der Schnecke

Wolferpforte

Einst sollte die steinerne Ringmauer um die Gemeinde Winningen die äußeren Feinde abhalten. An dieser Stelle gab es einen Durchlass, die „Wolferpforte“. Teile der Ringmauer sind noch erhalten, sogar mit Schießscharten. Durch die neuzeitliche Bebauung liegen diese Teile versteckt auf privaten Grundstücken, so dass sie nicht besichtigt werden können. 

Wie die Stadt mit einer Mauer, so war das Dorf in früheren Zeiten sehr oft mit einem Zaun umgeben und dadurch als Friedens- und Rechtsbereich abgegrenzt. Hauptzweck der Umzäunung waren jedoch das Bedürfnis und die Notwendigkeit, sich gegen äußere Feinde – Menschen oder wilde Tiere – zu schützen, diesen den Zugang in den Ort zu versperren und zugleich das Auslaufen des eigenen Viehes in die Flur zu verhindern, es „im Zaun zu halten“.

Aus einem alten Weinregister des Winninger Fronhofes ist bekannt, dass der Ort bereits im Jahre 1384 durch einen (Palisaden-) Zaun umgeben war. Im Jahre 1402 waren wohl aufwendige Reparaturarbeiten notwendig, als die Einwohner damit begannen „blancken zu machen umb ihr dorff, datz sie menten, datz inen zu der zyt not wer“.

 

(Quellenauszüge: Rainer Garbe, „Ortsbild und Infrastruktur“ – Beiträge zur Ortsgeschichte)

Die Winninger Ringmauer
Rest der Ringmauer am Wolfertor. Foto: Lammai
Schießscharte der Ringmauer im Hinterhaus des ehemaligen Hofgutes Maria Laach. Foto: Lammai
Noch erhaltene Teile der Ringmauer. Foto: Lammai

Die Moseltalbrücke

1972 wurde die 935 Meter lange und bis zu 136 Meter hohe Autobahnbrücke der A 61 fertig gestellt. Nur knapp vier Jahre dauerte es vom ersten Spatenstich im März 1969 bis zur Verkehrsfreigabe im Dezember 1972. Seitdem verbindet die Brücke den Hunsrück mit der Eifel und überspannt das Moseltal. Heute ist das markanteste Bauwerk der A 61 fester Bestandteil des Tals. Täglich fahren ca. 45.000 Fahrzeuge über die Brücke.

Die ersten Planungsarbeiten für das Bauwerk begannen im März 1965 im damaligen Straßenneubauamt Vallendar, das Teil des heutigen Landesbetriebs Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz war. Den Entwurf für die imposante Brücke lieferte das Stuttgarter Ingenieurbüro Leonhard / Andrä. Damit schließt sich die Winninger Brücke einer Reihe bekannter Bauwerke an, bei deren Planung Fritz Leonhard mitgewirkt hat. Unter anderem war er auch an den Entwürfen der Fernsehtürme in Stuttgart, Hamburg und Köln, die Kölner Severinbrücke und die Tragkonstruktion des Münchener Olympiastadions beteiligt.

Mit der Spannweite der Moselbrücke wurden in der damaligen Zeit neue Wege beschritten und bis dahin noch nicht dagewesene Maßstäbe gesetzt. Sorgfältige und monatelange Planungen und Organisationen waren erforderlich. So wurden allein mehr 45.000 Seiten Papier für die statischen Berechnungen der Brücke erstellt. Würde man die einzelnen DIN-A4-Blätter aneinanderlegen, entspräche das einer Strecke von mehr als 13 Kilometern. Hinzu kamen noch rund 600 Zeichnungen.

Das Bauwerk besteht insgesamt aus fünf Pfeilern, der höchste misst stolze 124 Meter. In ihm stecken mehr als 2.000 Kubikmeter Beton und mehr als 200 Tonnen Stahl für die Bewehrung. Beim Bau sind die Pfeiler seinerzeit täglich um rund fünf Meter gewachsen. In zwei Schichten haben jeweils 12 Arbeiter die Pfeiler hochgezogen. Schon vor der endgültigen Fertigstellung aller Pfeiler im September 1971 wurde im Frühjahr 1970 mit der Montage des Stahlüberbaus begonnen. Der Auftrag wurde nach einem entsprechenden Wertungs- und Vergabeverfahren von der Firma Dillinger Stahlbau ausgeführt. Der Überbau, auf dem heute die Autobahn entlangführt, besteht aus insgesamt 78 Segmenten, den sogenannten Schüssen. Stück für Stück wurden die Schüsse von beiden Seiten des Tals im freien Vorbau montiert und immer wieder durch Hilfsstützen mit seitlichen Abspannungen getragen. Das längste zu überbrückende Feld betrug dabei 218 Meter. Im Mai 1972 näherten sich die beiden Vorbauteile in der Mitte der Mosel, wo das letzte Segment montiert wurde.

Der Stahlüberbau als Hohlkasten mit einer Kastenhöhe von bis zu 8,5 Meter wurde auf einem Vormontageplatz mit einem Turmdrehkranen und zwei Portalkränen zusammengeschweißt. Die so vormontierten bis zu 80 Tonnen schweren und 12 Meter langen Mittelteile der Kastenkonstruktion wurden an die Spitze der Kragarme transportiert und an den Stößen verschraubt. Anschließend wurden die Fahrbahnseitenteile verschraubt und angeschweißt. Mit der Verkehrsfreigabe im Dezember 1972 waren auch die erforderlichen Straßenbauarbeiten mit den notwendigen Fahrbahnabdichtungen, dem Fahrbahnbelag, den Schutzplanken, den Geländern und den Markierungen fertig gestellt.

Die Kosten der Brücke beliefen sich auf insgesamt rund 40 Millionen Deutsche Mark. Heute würde dieses Bauwerk mit schätzungsweise über 80 Millionen Euro fast das Vierfache kosten.

Quelle: Landesbetrieb Mobilität

Moseltalbrücke im Nebel.
Bau der Brücke Blick Richtung Dieblich. Alle Fotos: Lammai
Bau der Brücke Blick Richtung Winningen/Insel
Minister Holckenbrink (Rhld-Pfalz) informiert den damaligen Bundesverkehrsminister Georg Leber
Spaziergang über die Baustelle
Das letzte Teilstück wird im Nebel eingefahren
Freigabe der Autobahnbrücke
Der große Augenblick: Das Band wird zerschnitten
Autobahnraststätten, Römervilla. Foto: Lammai
Blick Richtung Dieblich, Moselschleife Kobern

Villa Rustica

Auf Lebensqualität haben die Vorfahren im 1. Jahrhundert nach Christus auch schon geachtet. Immerhin suchten sie sich für ihre „Villa Rustica“ ein Plätzchen, von dem aus die Sicht auf die Mosel außergewöhnlich war. Dass sie diversen Annehmlichkeiten nicht abgeneigt waren, zeigen auch die Funde an der Ausgrabungsstelle, aus dem frühen 20. Jahrhundert vom Winninger Arzt Dr. R.  Arnoldi. Bevor die Autobahn 61 (Krefeld-Ludwigshafen) gebaut wurde, machten sich die Archäologen dann im Jahre 1971/72 noch einmal ans Werk, um den Gutshofes mit modernen wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. Wer sich für Details interessiert: Der Archäologe Dr. Marko Kissel hat über die „Römische Villa von Winningen“ seine Dissertation geschrieben (Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel, Band 15). Für Winningen und den Weinbau besonderes wichtig: Kissel geht davon aus, dass im Gutshof „Auf dem Bingstel“ auch Wein hergestellt wurde. Das bedeutet, dass schon vor mehr als 1.800 Jahren in Winningen Weinbau betrieben wurde. Selten auch, dass eine – zumindest kleine – Kelteranlage auf dem Berg nachgewiesen wurde.

Der Archäologe Dr. Hans-Helmut Wegener schreibt im Vorwort (Auszüge) zu Kissels Werk:„ Die römische Villa von Winningen gehört an Mittelrhein und Mosel zu den archäologischen Denkmälern, die schon seit langem bekannt sind. Bereits vor über 100 Jahren erkannte der an der Altertumswissenschaft interessierte Arzt Dr. R. Arnoldi aus Winningen, dass die in der Nähe des Distelberger Hofes, oberhalb des Ortes „Auf dem Bingstel“ gelegenen Baureste, zu einer römischen Villenanlage gehörten. Er legte sogar Teile des zugehörigen Badetraktes frei. Erst wieder in den Jahren 1971/72 wurden hier archäologische Ausgrabungen durch das damalige Amt für Vor- und Frühgeschichte unter der Leitung von Dr. Hans Eiden durchgeführt. Die Planungen der linksrheinischen Autobahn (A 61) sahen einen Verlauf der Trasse vor, der den ehemaligen römischen Gutshof nahezu vollständig zerstören würde. So waren umfangreiche Ausgrabungen und die Dokumentation der Befunde, aber auch die Sicherung des Bestandes, der römischen Baureste geboten.

Dennoch liegt eine systematische vollständige Grabung eines gesamten römischen Gutshofes aus dieser Region bisher nicht vor. Bisherige Ausgrabungen, auch die in der Villa „Am Silberberg“ in Ahrweiler beinhalteten lediglich das Hauptgebäude oder so genannte „Herrenhaus“. Dagegen konnte durch systematische Ausgrabungen die römische Villa von Winningen nahezu vollständig archäologisch erfasst werden, wobei die nördlichen Nebengebäude mit Umfassungsmauer durch Luftbildarchäologie nachgewiesen wurden. So kann dieses für die mittelrheinische Landschaft typische römische Landgut als eine der wenigen gründlich archäologisch untersuchten, nunmehr auch wissenschaftlich ausgewerteten und in den Ergebnissen vorgelegten römischen Villen gelten. Dies ist Marko Kiessel im Rahmen seiner Trierer Dissertation bestens gelungen. Gerade dieser Arbeit kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie einen landwirtschaftlichen Betrieb beschreibt, der auch typische Merkmale der römischen Landnahme und Kolonisation beinhaltet und widerspiegelt, was schon in der landschaftsbeherrschenden Lage Ausdruck findet.“

 

So nebenbei von Bedeutung:

Im Jahre 280 hob Kaiser Probus das von Kaiser (51-96) im Jahre 92 verhängte Verbot auf, in den Provinzen außerhalb von Italien Rebstöcke anzupflanzen. In der „Historia Augusta“ wird erwähnt: Gallis omnibus et Hispanis ac Brittannis hinc permisit, ut vites haberent vinumque conficerent (Er erlaubte allen Galliern, Spaniern und Briten, Reben zu besitzen und Wein herzustellen). In und gilt er als Begründer des Weinbaus.

 

"villa rustica" an der Moseltalbrücke. Foto: Lammai
Autobahnraststätten, Römervilla. Foto: Lammai
Münze Kaiser Probus. Foto: Lammai
Münze Kaiser Constantin, Trier, um 300 n.Chr. gefunden in der Weinlage "Hamm" Foto: Lammai
Luftbild Ausgrabungen 1972. Foto: Lammai
Terra Sigillata - Scherbe mit Löwendarstellung. Foto: Lammai
Scherben von Töpfen aus dem 1. bis 3. Jahrhundert. Foto: Lammai

Ehrenbürger von Winningen

Die Gemeinde Winningen hat zwei Persönlichkeiten die Ehrenbürgerwürde verliehen: August Horch und Horst Schulze.

August Horch

„Horch, horch, ein Audi kommt…“

Über den in Winningen geborenen Automobilpionier August Horch sind viele Bücher geschrieben und Filme gedreht worden. Seine Leistungen wurden in der „Hall of Fame“ in Chicago gewürdigt. Als Autokonstrukteur der ersten Stunde hatte er maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der Automobilität. Sein Name lebt in der Automarke AUDI weiter fort. War es doch eine Eingebung des Sohnes eines Mitarbeiters, der den Namen Horch lateinisch übersetzte. Da Horch seinen eigen Namen aus rechtlichen Gründen nicht mehr für eine Automarke führen durfte, war die Werbung für das neue Unternehmen ebenso genial: „Horch, horch, ein Audi kommt“!. Viele Geschichten gibt es über August Horch zu erzählen. Wer mehr erfahren möchte, kann zum Beispiel eine „Horch-Führung“ buchen und das Museum in Winningen besuchen. Dort sind zahlreiche Fotos aus der „Winninger Zeit“ zu sehen, dazu AUDI-Motoren und vieles mehr. 

Das große Horch-Museum mit zahlreichen Autos steht allerdings in Zwickau https://www.horch-museum.de, wo August Horch seine Autofabrik hatte und – als Gründer der sächsischen Automobilindustrie – lange wirkte. 

August Horch wurde 1949 Ehrenbürger von Winningen. Auf dem Winninger Friedhof befindet sich sein Ehrengrab.

Zum 150. Geburtstag von August Horch ist eine Sekt-Jubiläumsselektion

L’HOMMAGE

aus dem Haus von Canal erschienen.https://sekt-von-canal.de/sekt/

Horst Schulze

wurde ebenfalls in Winningen geboren. 

Horst Schulze hat den buchstäblichen „Amerikanischen Traum“ verwirklicht. Er stieg die Karriereleiter hoch vom Kellner-Lehrling im Bad Neuenahrer Hotel Steigenberger bis an die Spitze der Hotelgruppe Ritz-Carlton. Später gründete er ein eigenes Unternehmen im 5-Sterne-plus Segment (Capella). Die Hotels von Capella zählen weltweit zu den besten Destinationen. Im Capella Singapur trafen sich US-Präsident Donald Trump und Kim Jong Un aus Nordkorea zu Gipfelgesprächen. In Deutschland gehörte der „Breidenbacher Hof“ in Düsseldorf zur Gruppe.

Zweimal wurde Schulze  zum Welthotelier gewählt und dabei u.a. von amerikanischen Präsidenten empfangen. Seine Erfahrungen hat er in einem Buch niedergelegt, das zum Bestseller wurde.

Immer wieder zieht es ihn von Atlanta/USA zurück in seine Heimat Winningen, wo er  in seinem Elternhaus lebt. Als „normaler Winninger“ ist er dann mit seiner Familie Teil der Dorfgemeinschaft, in die er sich auch mit Rat und Tat einbringt.

Aus dem aktiven Geschäft hat er sich inzwischen zurückgezogen. Sein Rat ist jedoch in Vorträgen und Gesprächen weiter weltweit gefragt.

https://www.youtube.com/watch?v=yXjJYAEsEF8

August Horch, Gründer von AUDI. Foto: Museum
Ehrenbürger-Empfang in Winningen. Foto: Museum
Ehgrenbürgerbrief für August Horch
Horst Schulze. Foto: Lammai
Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Horst Schulze in der Winninger Kirche. Foto: Lammai

Der Weinhof

Der heute „Weinhof“ genannte Platz am unteren Ende der Bachstraße entstand 1877, als die Gemeinde zwei alte Winzerhäuser kaufte und zur Anlage des Platzes abreißen ließ. Bis dahin gab es nur eine schmale, fußläufige Verbindung zwischen den Häusern hindurch zum Moselufer.

Zum „Moselfest“ wurde im Jahr 1933 auf dem Weinhof vom örtlichen Schreinermeister Blum ein hölzerner Weinbrunnen errichtet, aus dem während des Festes 4 Fuder, also 4.000 Liter Wein ausgeschenkt wurden.

Für das erste Moselfest nach dem 2. Weltkrieg, das im Jahr 1949 gefeiert wurde, errichtete man anstelle des früher genutzten hölzernen Brunnens einen aus Gips gefertigten „Traubenbrunnen“.

1953 feierte der Verkehrsverein Winningen mit einjähriger Verspätung sein 40-jähriges Stiftungsfest. Aus diesem Anlass wurden das Moselhaus sowie der Weinhexbrunnen errichtet, der schon bald zum Wahrzeichen Winningens wurde. Die aus Bruchsteinen errichtete Umfassungsmauer ist mit acht Basaltreliefs geschmückt, die die Weinhexgeschichte darstellen. Als Wahrzeichen thront auf einer Basaltsäule auf einem Besen reitend die „Winninger Weinhex“.

Finanziert wurde das „Brunnen-Projekt“ u.a. durch „Bausteine“ der Bürger in Höhe von 10, 25 oder 50 DM. Seit 1953 ist der Winninger Weinhexbrunnen während des Jahres ein „Wasserbrunnen“. Zum Moselfest (letztes Wochenende im September und 10 Tage lang gefeiert), fließt aus ihm „durch Zauberkraft der Weinhex“ köstlicher Rebensaft – der Weinhexbrunnen  wird zum „Weinbrunnen“.

Um den Platzcharakter des Weinhofes zu verstärken, errichtete man in den 1960er Jahren eine „Brücke“ zwischen den Häusern Pan der heutigen „Brunnenklause“. Diese wurde aber kurz danach von einem LKW, der die geringe Durchfahrtshöhe nicht beachtet hatte, eingerissen und durch eine neue Konstruktion ersetzt. 

Zum Spitalseck hin begrenzt ein Straßenüberbau mit der so genannten „Glinnglocke“ den Weinhof.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Weinhof, neben dem Moselhaus, waren 1963 zwei 30.000 Liter fassende Weinfässer aufgestellt und als Probierstube für Winninger Weine während des Moselfestes eingerichtet worden. Sie waren durch einen schmalen Gang miteinander verbunden.1967 wurden die Fässer weiter auseinander gerückt und ein geräumiges Mittelteil mit großer Theke geschaffen.

Die Lagerfässer wurden im Laufe der Jahre mehrfach ausgebessert, da sie insbesondere bei den Hochwassern der Mosel Schaden genommen hatten. So wurden sie durch Holz- und Metallkonstruktionen verstärkt. 1978 wurden für Sanierungsarbeiten 15.000 DM aufgewandt. Letztlich aber waren sie so instabil geworden, dass sie ohne unvertretbar hohen Aufwand nicht erhalten werden konnten, weshalb sie im Jahr 2005 abgebaut werden mussten.

Heute ist der Weinhof Mittelpunkt des „Moselfestes“, des ältesten Winzerfestes Deutschlands. An Ostern wird beim „Kibben“ um Eier gekämpft, verbunden mit köstlichem Eier- oder Glühwein. Festlich Illuminiert ist der Platz dann zu „Winningen Im Lichterglanz“ am 1. Advent.

Ehrenwinzer Kurt Beck bei der Moselfest-Eröffnung. Foto: Lammai
"Die Weinhex" - das Winninger "Nationallied"
Lichterglanz am Weinhof. Foto: Lammai
Beim traditionellen Ostereier-Kibben (Ostersonntag) ist auch der Riesenhase dabei. Fotos: Lammai
Der erste Weinbrunnen
Weinbrunnen 1933
Trauben-Weinbrunnen 1949
Eingang zum Weinhof - im Hintergrund das Moselhaus
So sah der Weinhof einmal aus
Ehemalige "Probier"-Fässer

Spital

Bei Einführung der Reformation im Jahre 1557 gab es in der ganzen Hinteren Grafschaft Sponheim nur drei Hospitäler. Es waren dies die Klause zu Trarbach, das Heilig-Geist-Hospital zu Enkirch und das Hospital zu Winningen. Von letzterem heißt es: „Winningen hat ein Hospital, der Kuhhirt bewohnt dasselbige. Doch wenn fremde arme Leuth kommen, haben dieselben Unterschlupf darin. Es hat nie über 20 Florin [=Gulden] Einkommens, dieselben werden uf gewisse Tage im Jahr an Brod den Hausarmen und sonst auch Fremden, die dazu kommen, ausgetheilt, und geschieht darüber vom Pfarrherrn oder Bürgermeister Rechnung. Das Spital, erstmals 1543 in einem alten Güterregister des Klosters Groß St. Martin zu Köln erwähnt, war kein Aussätzigenhaus, sondern eine Art Armenhaus für ortsansässige Arme und Kranke. Auch diente es als Herberge für die Durchreisenden, die „um Christi willen“ verpflegt wurden.

Am 1. Januar 1733 wird Schreinermeister Christian Kohl vertraglich verplichtet, das verfallene Spital mit einem Anbau zu erweitern und zu reparieren und „folglich zu einer bequemen Wohnung“ zu machen. Gegen Verrechnung seiner Kosten und späteren Zahlung eines Mietzinses darf er darin wohnen. 1743 wird dem Meister Peter Lang der „obere Theil im Spitals Haus“ vermietet. 1755 kaufen Heinrich Löwenstein und Christian Kohl das Spitalshaus und schulden der Gemeinde jeweils 65 Reichstaler. Im gleichen Jahr erwirbt Johannes David Straßmüller die obere Spitalswohnung, so dass zur „Logis“ der Armen lediglich noch „in der Mitte eine Küche, [eine] kleine und große Stube auf dem Boden“ zur Verfügung standen.

Das ehemalige Spital wurde bis 1990 als Wohnhaus genutzt. Dann ging es in den Besitz der Gemeinde über und wurde umgebaut. Die Vinothek wurde am 1. August 2004 eröffnet.

Am Haus befindet sich eine Darstellung von „Weinhex“ und „Pfeifenhannes“. Die Figuren erzählen die Geschichte eines Winzers, der sich wunderte, dass in seinem Keller der Wein aus seinem besten Fass auf unerklärliche Weise immer weniger wurde. Es waren jedoch keine unnatürlichen Kräfte am Werk, sondern seine eigene Frau, die sich am Wein labte. So entstand die Sage von der „Weinhex“. Eine Verbindung zur mittelalterlichen Hexenverfolgung in Winningen besteht nicht. 

(Auszüge aus: Winningen – Beiträge zur Ortsgeschichte. Die Chronik ist erhältlich beim Krumme-Verlag oder der Gemeindeverwaltung.)

Das alte Spital - heute Vinothek
Minolta DSC
Minolta DSC

Das Terroir

Der Begriff „Terroir“ kommt ursprünglich aus Frankreich. Eine einheitliche Übersetzung in die deutsche Sprache gibt es nicht, weil die Frage „Was ist Terroir“ sehr unterschiedlich beantwortet wird.

„Terroir“ ist denn auch eher ein Sammelbegriff für jene Eigenschaften, die dem Wein seinen ganz speziellen Charakter verleihen. „Terroir“ ist also nicht „Terroir“, weil es eben unterschiedliche „Terroirs“ gibt. Ein ganz spezifisches ist der Winninger Uhlen. Die unterschiedlichen Bodenverhältnisse mit ihrer besonderen Mineralität können mit anderen „Terroirs“ nicht verglichen werden. Daher „schmeckt“ der „Riesling-Uhlen“ natürlich anders, als etwa der Riesling aus anderen Anbaugebieten.

Kurz: Rebe, Klima, Boden, Gelände und die Arbeit des Winzers machen das Besondere aus. Wie schrieb jemand:„Terroir – ein kleines Wort mit großer Bedeutung“ und „Wein ist Geografie in der Flasche“.

Mit anderen Worten: Den „Uhlen-Riesling“  – und dann noch in den drei speziellen Terroirs Blaufüßer Lay, Laubach und Roth Lay – gibt es weltweit nur hier!

 

 

Uhlen-Karte der Geschützen Ursprungsbezeichnung (GU)
Steine aus Blaufüßer Lay und Laubach-Schicht
Versteinerungen aus dem Devon. Foto: Lammai
Kalkablagerungen im Gestein. Foto: Lammai
Uhlen im Sommer
Uhlen im Winter

Geisentreppe

Die Winninger sagen in ihre Mundart „Gaasepäddssche“, was soviel wie „Geisenpfädchen“ heißt. Woher der Name stammt, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Fest steht, dass hier die Weinlage „Im Geisen“ (oder eben der „Gaase“) lag. Der Bereich gehört heute zum „Röttgen“. Ob es etwas mit Der „Geis“, also der Ziege zu tun hat? Nichts Genaues weiß man nicht. Stimmen könnte es dennoch, denn nicht immer gab es hier Weinberge. Die Terrassen im Röttgen wurden dereinst von preußischen Soldaten als Übung in den Berg gesprengt. Vorher könnten hier also Ziegen geweidet haben. An die Weinlage „Im Geisen“ erinnert also der“Geisenpfad“ mit der „Geisentreppe“, ein kleiner, aber durchaus anspruchsvoller Weg vom Tal auf die Höhe zum Brückstücksweg.

Der Pfad führt direkt durch das Weinbergsgelände. Den Winzern ist es zu danken, dass sie dies erlauben. Rücksichtnahme auf die Weinstöcke ist deshalb angebracht.

Hinweis: Der Pfad kann nur auf eigene Gefahr belaufen werden. Bei winterlichen Verhältnissen oder starken Regen ist der Aufstieg nicht zu empfehlen. Festes Schuhwerk ist in jedem Fall angebracht. Die Steine im Weinberg verlangen nach Trittfestigkeit.

Geisentreppe - Aufgang. Fotos: Lammai
Über die Treppe rechts geht es hoch hinaus. Foto: Lammai
Der Pfad führt durch die Weinberge. Foto: Lammai
"Schirmchen" gegen die Eulenfalter-Raupe. Foto: Lammai

Mundart: Su schwädzemer

Die Winninger Mundart 

von Gerhard Löwenstein ISBN 978-3-925 991-12-3 ist erhältlich im Rathaus der Gemeinde

Aus dem Vorwort:

Der allgemein festzustellende Verfall der regionalen und örtlichen Dialekte macht auch vor unserer Winningen Mundart nicht halt. Ja, man wird sogar sagen müssen, dass gerade sie besonders gefährdet ist.

Aufgrund einer Jahrhunderte langen weitgehenden Sonderstellung unseres Fleckens gegenüber den Nachbarorten – zunächst als einzelner Ort zur Grafschaft Sayn gehörend, dann ab 1247 als eine Exklave de Hinteren Grafschaft Sponheim und daraus folgende seit 1557 nach Einführung der Reformation vom katholischen Umfeld weitgehend isoliert – ist die eigenständige Entwicklung der Winningen Mundart erklärbar. Auffallend ist dabei, dass sich die Winningen Sprechweise zwar vom Dialekt der Nachbarorte stark unterscheidet, dabei aber deutliche Ihn lichteten mit der Sprache der Bewohner der früheren Grafschaft Sayn jenseits des Rheins aufweist, d.h. dass sich der Tonfall unserer Mundart über den Zeitraum von 800 Jahren tradiert hat.

Der Verfasser erhebt nicht den Anspruch auf eine vollständige Wiedergabe des Wortschatzes, sondern beschränkt sich in seinem Werk auf solche Begriffe, die in der Aussprache stark vom Hochdeutschen abweisen oder einem anderen Wortstamm entsprechen. Mehrere kommen auch aus dem Französischen, der offiziellen Amtssprache des Gebieters zu Beginn des 19. Jahrhunderts, einige aus dem Jiddischen, der Umgangssprache der Viehhändler. Einzelne, insbesondere aus dem Bereich des Weinbaus, sind aus dem Lateinischen und sogar Keltischen überliefert.

Wie im „Wortatlas der kontinentalgermanischen Winzerterminologie“, Hrsg. Prof. Wolfgang Kleiber, Tübingen, 1990, ausgeführt, sind moselfränkische Wörter vor allem in ehemals protestantischen Gemeinden (z.B. Traben-Trarbach, Winningen) über fast 2000 Jahre nachweisbar.

Noch eine kleine Kostprobe zu einem Starkregenereignis:

„Em Bröggschdögg härred wirrer schwäer geflüzzd.“

Oder auf Hochdeutsch:

„Im Brückstück gab es wieder starke Abschwemmungen.“

Alte Post

Während des „Dreißigjährigen Krieges“ (1618 bis 1648) erhielt Winningen im Jahre 1642 erstmals eine selbständige Postanstalt durch Alexandrine von Taxis. 1649 wurde sie wieder nach Koblenz verlegt und Winningen von dort aus postalisch betreut. Seit der Einrichtung der „Königlich-Preußischen Postexpedition“ am 1. Januar 1849 (in der heutigen Fährstraße 26) hat Winningen ohne Unterbrechung ein eigenes Postamt. Von 1880 bis 1903 ist die Poststelle in der Amtsstraße 6 untergebracht.

Im Ort ist die Post mehrfach umgezogen. So befand sie sich lange am heutigen Marktplatz/Ecke Bachstraße/Hahnenstraße. Später war dort die bevor dort die „Post-Drogerie“ . Lange Zeit war die Post auch am Weinhof präsent.

1903 residierte das Postamt im vom Winninger Architekten Bernhard gebauten Haus neben dem Rathaus in der heutigen August-Horch-Straße. Dort arbeitete eine zeitlang der berühmte Tenor Heinrich Schlusnus, bevor er die großen Bühnen der Welt betrat. Hören Sie hier das berühmte Lied von der „Loreley“: https://youtu.be/wgMs6esD7IY

 

Hinweis: Alexandrine von Taxis (gebürtig: de Rye, Comtesse de Varax, getauft 1. August 1589 in Brüssel; † 26. Dezember 1666)[1] war als Witwe Leonhards II. von Taxis in der Zeit von 1628 bis 1646 stellvertretend für ihren minderjährigen Sohn Lamoral Claudius Franz Generalpostmeisterin der Kaiserlichen Reichspost und Generalpostmeisterin in den Spanischen Niederlanden. (aus Wikipedia)

 

(Quellenauszüge: Winninger Hefte, Band 4, Krumme-Verlag, Winningen)

Ehemalige Post neben dem Rathaus
Heinrich Schlusnus

Winningen-Blick

Winningen ist eine sehr lebendige Gemeinde mit Lebensqualität. Viel ehrenamtliches Engagement ist Ausdruck einer intakten Dorfgemeinschaft. Winningen ist deshalb als Wohngemeinde im nahen Umfeld von Koblenz sehr begehrt. Der individuelle, dörfliche Charakter ist dennoch gewahrt, zumal der Weinbau durch junge, gut ausgebildete Winzer:innen der Kulturlandschaft eine Zukunft ermöglicht. Die weitere Entwicklung der Gemeinde soll im Einklang mit der Umwelt geschehen. Dies gilt auch für einen nachhaltigen Tourismus an der Terrassenmosel.

Winningen wurde beim Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – unser Dorf hat Zukunft“ mehrfach mit „Gold“ ausgezeichnet.

Weit über die Grenzen des Ortes hinaus sind Winninger Veranstaltungen bekannt: Darunter das „Moselfest- Ältestes Weinfest Deutschlands“ (letzte Woche im August), das „Steillagen-Weinfest“ im Brückstücksweg (Mitte Mai), „Winningen im Lichterglanz“ (1. Advent-Wochenende) und vor allem die „Kunsttage Winningen“ (alle zwei Jahre).

Das Motto der Gemeinde lautet: „Wein • Kultur • Lebensfreude“.

Eine Besonderheit sollten Sie sich nicht entgehen lassen: Mittags und am Abend gibt es im bundesweit einzigartigen Ortsrundfunk Hinweise und Nachrichtern aus der Gemeinde.

Weitere Informationen zur Gemeinde: http://www.winningen.de

Eröffnung Moselfest. Foto: Lammai
Lampionfest. Foto: Lammai
Kunstinstallation - Kunsttage Winningen. Foto: Lammai
Steillagenfest im Mai.
Lustiges Ostereierkibben an Ostersonntag am Weinhof. Foto: Lammai
Lichterglanz am Weinhof. Foto: Lammai

Der Uhlen – ein besondere Weinlage

Unabwägbares Mysterium.. Viele Autofahrer auf der Autobahn 61 schauen ins Tal hinunter, wenn sie die Mosel bei Koblenz passieren. Doch nur wenigen ist bewusst, dass der steile, terrassierte, nach Süden ausgerichtete Hang, flussaufwärts eine einzigartige Weinbergslage von großer Berühmtheit und Vergangenheit ist. Sie haben noch nie vom »Uhlen« gehört.

Uhlen: ein ebenso ausdrucksstarker wie rätselhafter Name für eine Weinbergslage. Entstammt er dem norddeutschen »Uhlen« für Eule? Doch was haben weise Eulen mit dem Weinbau zu tun? Vielleicht würde ihre Wahl auf einen Riesling aus dem Uhlen fallen, stellte man sie vor die Wahl. Dieser gehört auf alle Fälle zum ausdrucksstärksten, was Deutschland, die Welt, überhaupt an Weinen zu bieten hat. Für jene, die sich von den in aller Herren Länder produzierten, sich immer mehr ähnelnden Modeweinen gelangweilt fühlen, wäre dies eine weise Entscheidung.

Uhlen: eine ebenso ausdrucksstarke wie rätselhafte Landschaft. Von der Mosel lediglich durch Chaussee und Bahnlinie getrennt, stellt der Uhlen ein gewaltiges Terrassensystem dar, das vom Fuß aus gesehen den felsigen Hang mit unzähligen Stufen in den Himmel hinauf zu steigen scheint. Vom anderen Ufer aus wirkt der Uhlen eher wie die Fassade einer mächtigen gotischen Kathedrale. Diese optische Verwandtschaft ist den hier Ansässigen bereits vor langer Zeit aufgefallen; sie bezeichnen die Terrassen als »Chöre«. Es ist mehr als eine oberflächliche Ähnlichkeit, denn wie der Kölner Dom ist der Uhlen das Werk unzähliger Generationen und im 19. Jahrhundert vollendet worden.

Uhlen: Wie viele Generationen an diesem Kunstwerk mitgearbeitet haben, bleibt offen. Viele Weinbücher weisen darauf hin, dass an der Terrassenmosel im Gegensatz zum übrigen Mosel-Saar-Ruwer-Gebiet die Weinberge, wie es der Name andeutet, im allgemeinen terrassiert sind. Eine Erklärung dafür wird jedoch nicht versucht zu geben. Könnte es sein, dass die Weinberge an Mittelmosel, Saar und Ruwer zwar im dritten und vierten Jahrhundert nach Christus angelegt wurden, um den Durst der Stadt Trier zu stillen, damals die größte Stadt nördlich der Alpen, die der Terrassenmosel jedoch einer anderen Epoche entstammen? Ganz ohne Frage weisen sie auffallende Ähnlichkeit mit anderen Weinbergslagen auf, die im Hochmittelalter terrassiert wurden, zum Beispiel in der Wachau. Es gibt allerdings keinerlei schriftliche Beweisstücke, mit denen diese Annahme untermauert oder widerlegt werden könnte.

Uhlen: Wenn man sich mit dem Berg aus wissenschaftlicher Sicht genauer beschäftigt, ergibt sich ein verwirrendes Bild. Im Gegensatz zu vielen anderen Spitzen-Weinbergslagen in Deutschland und andernorts bildet er alles andere als eine geologische Einheit. Schon bevor die Grenzen nach dem Weingesetz von 1971 ausgeweitet wurden, setzte sich der Uhlen aus drei geologischen Formationen des Devon zusammen. Geschmacklich ist das Bild jedoch ziemlich klar. So gut wie alle Rieslinge aus dem Uhlen, denen diese Lage ihre Spitzenstellung an der Terrassenmosel verdankt, stammen entweder vollständig oder zu einem großen Teil aus der Urlage Roth Lay. Der Gegensatz zwischen Weinen aus dem traditionellen Bereich des Uhlen und denen aus Winningens zweiter Spitzenlage, dem Röttgen, könnte kaum ausgeprägter sein. Letztere tendieren zu Opulenz und Saftigkeit, so dass der Winzer Reinhard Löwenstein sie als »Mittagshitze über dem Obstmarkt« beschreibt, während er beim Uhlen von »Transzendenz« spricht.

(Quelle: Auszug aus „Erste Lage Uhlen“, von der Geologie zum Terroir, Weingut Heymann-Löwenstein)

 

Der Uhlen

Blaufüsser Lay: Keltisch, und damit wesentlich älter, ist der Begriff „Lay“. Er hat Römer und Franken überdauert und ist als Synonym für Schiefer vor allem in Orts- und Flurnamen überall an der Mosel präsent. Unser Weinberg liegt unterhalb des Felskopfes „Blumslay“. Eine Bezeichnung, die weniger den schönen Felsenblumen geschuldet ist, als dem Versuch, den Dialektausdruck Bloos-Lay (Blaue Lay) ins Hochdeutsche zu überführen. Blau grau ist der Schiefer in der Tat, und macht daher die Katasterbezeichnung „Unter der Blaufüßer Lay“ plausibel. Andererseits: Bis Ende des 19. Jahrhunderts war hier ein großer Hort seltener Fischadler. Und die hatten nachweislich ziemlich blaue Füße. Fakten: Geologische Definition: Devon, hier eine „geologische Störung“ in den jüngeren Laubach-Schichten mit blau-grauen, tonhaltigeren Schiefern.

Uhlen Laubach: Laubach. Der Bach an dem die Lohmühle stand. Um Rindsleder zu gerben, wurde hier Eichenrinde zu Lohe gemahlen. Was das mit dem Uhlen zu tun hat? Nichts. Aber am Laubach bei Koblenz entdeckte ein Geologe einen völlig untypischen, extrem kalkhaltigen Schiefer. Entsprechend geologischer Usancen wurde er mit dem Namen des Ortes seiner Entdeckung getauft und fand als „Laubach“ Einzug in die Fachliteratur. Und durch seine Präsenz im Uhlen nun auch in die Weinwelt. Fakten: Geologische Definition: Devon, Laubach-Schichten. Ein sandiger Schiefer, der durch seinen hohen Kalkanteil von bis zu 10% grau gefärbt ist. Viele Steine enthalten Fossilien aus Muscheln und Korallen, die sich im flachen Wasser mit ausreichend Sauerstoff optimal entwickeln konnten. Mit den Schichten der Laubach ist das Kapitel „Devon“ bei uns abgeschlossen: Das ehmals  über 10 km tiefe Meer war nun mit Sedimenten gefüllt.

Roth Lay: Den Felskopf, der als höchste Erhebung die Terrassen des Uhlen krönt, nennen wir im Dialekt die Roth Lay. Eine Lady! Nach hingebungsvollem Weingenuss – die Berichte häufen sich – inkarniert sie aus dem nebligen Schiefer als rotgelockte Felsenschönheit. Ocker, Rot, Violett. Je höher die Terrassen, um so farbenprächtiger illuminiert sie das Moseltal. Die Roth Lay ist umwoben von einer geheimnisvollen Aura. Im tropischen Rot leuchten uralte, im  Meer versunkene Inseln. Eisen und Mangan verästeln auf den Felswänden zu magischen Zeichen, und schwere, erzhaltige Steine nähren Spekulationen über des Einschlag eines Meteoriten. Fakten:Geologische Definition: Devon, Emsquarzit und Hohenrhein-Schichten. Die Farbe der Steine wechselt hangaufwärts von Grau zu verschiedenen Rottönen. Der Fels ist extrem hart, wird aber hie und da von einem weichen, tonhaltigen Band unterbrochen.

(Quelle: Auszug aus „Weine“ des VDP-Weinguts Heymann-Löwenstein)

Für junge Entdecker

https://www.lebendige-moselweinberge.de/doc/dlr_lmwkids.pdf

Der Steillagenweinbau

https://www.lebendige-moselweinberge.de/doc/dlr_steillagenweinbau.pdf

Wassersport auf der Mosel und die Steillagen des Uhlen. Foto: Lammai
Uhlen-Karte der Geschützen Ursprungsbezeichnung (GU)
Panoramaaufnahme Uhlen im Winter. Foto: Lammai
Uhlenterrassen. Foto: Lammai
Uhlen-Terrassen im Winter. Foto: Lammai
Junger Uhu
Weinlese um 1910 im "Uhlen". Foto: August Knebel
Versteinerungen aus dem Devon. Foto: Lammai
Kalkablagerungen im Gestein. Foto: Lammai
Tafelkoralle mit Schmarotzerwurm. Foto: Lammai
Versteinerung. Foto: Lammai

Die Schlickum-Apotheke

Die Winninger Apotheke besteht nunmehr seit mehr als 200 Jahren! Dabei sah es zunächst nicht danach aus, als ob Winningen eine solche überhaupt bekommen sollte. Denn: „So geht aus den angeführten Gründen unser Gutachten fest und bestimmt dahin, daß die Errichtung einer neuen Apotheke nicht gestattet werden kann.“ Mit diesen Worten lehnte das Medizinalkollegium in Koblenz im Oktober 1819 zunächst die Gründung einer Apotheke in Winningen ab.

Am 1. September 1820 erteilte das Ministerium in Berlin der Regierung Koblenz doch noch die Approbation für den Kandidaten der Pharmazie Josef Krahe als Apotheker in Winningen. Die hierüber ausgestellte Urkunde erhielt Krähe durch den Landrat von Koblenz gleichzeitig mit seiner Vereidigung am 2. Oktober 1820. Nach der ersten offiziellen Revision am 30. Oktober wurde Krahe am 11. November zur Eröffnung der Apotheke autorisiert. Neun Jahre hat Krahe in Winningen als Apotheker gelebt, am 18. Dez. 1829 starb er „nach langem Leiden an einer auszehrenden Krankheit“ in Winningen. 

Er hinterließ eine sieben Jahre alte Tochter aus seiner ersten Ehe. Bis Ostern 1830 wurde der Apothekergehülfe Gustav Ihl, der früher in Magdeburg gearbeitet hatte, mit der Verwaltung der Apotheke beauftragt.

Am 4. April 1834 reichte der in Düsseldorf wohnhafte Apotheker 1. Klasse Julius Schlickum der Regierung ein Gesuch um Verleihung der Konzession für die Winninger Apotheke ein. Schlickum war am 26. August 1804 in Elberfeld geboren und zunächst von 1820 bis 1823 bei dem Apotheker Johann Batz in Düsseldorf in die Lehre gegangen. Im Herbst 1829 legte er seine Staatsprüfung mit „vorzüglich gut“ in Berlin ab. Genau drei Wochen nach dem Antrag von Julius Schlickum auf Übertragung der Apotheke reichte die Witwe Berckling ein entsprechendes Gesuch an die Regierung ein, in dem sie verlauten ließ, ein Verkauf der Apotheke an Schlickum sei wegen ihrer inzwischen stattgefundenen Verlobung mit Schlickum nicht mehr erforderlich. Die Regierung machte daraufhin die Erteilung der Konzession von der vollzogenen Eheschließung abhängig und vereidigte Schlickum zunächst als Provisor. Als die Ehe zwischen der Witwe Berckling und Julius Schlickum am 30. Dezember 1834 geschlossen war, wurde dem Apotheker am 28. Januar 1835 die Konzession zur Führung der Apotheke in Winningen erteilt.

Die Stellung, die die Apotheke bis zum Eintritt Schlickums innegehabt hatte, unterschied sie kaum von derjenigen anderer Landapotheken. Der Inhaber schlug sich recht und schlecht durch. Mit dieser Situation mußte auch Schlickum fertig werden. Wenn ihm dies in besonderem Ausmaß gelang, so verdankte er es seiner hohen wissenschaftlichen und pädagogischen Begabung. Denn er baute die kleine Winninger Apotheke zu einer Ausbildungsstätte für junge Apothekerlehrlinge aus – angesichts des nicht sehr hohen Geschäftsumsatzes sicherlich eine willkommene kleine Nebeneinnahme. Obendrein war Julius Schlickum ein bedeutender Botaniker, der mit zahlreichen Fachgenossen einen lebhaften Austausch von Pflanzen aller Art pflegte und dadurch eine große Herbarien-Sammlung sein eigen nannte. Der Sohn von Julius Schlickum, Oskar, sollte später das Werk des Vaters fortsetzen und – vor allem in publizistischer Hinsicht – durch zahlreiche wissenschaftliche Bücher krönen. Damit schufen Vater und Sohn Schlickum in Winningen eine Unterrichtsanstalt, deren guter Ruf eine Generation junger Apotheker aus nah und fern in Winningen zusammenzog, wo sie auf ihr Lehrlingsexamen vorbereitet wurden. 

Von 1835 bis 1856 hat Julius Schlickum stets einen Apotheker, hin- und wieder auch gleichzeitig zwei, ausgebildet. Der letzte Lehrling, der in den Akten begegnet, ist 1856 Schlickums Sohn Carl Oskar gewesen. Im Jahre 1867 übertrug Julius Schlickum die Apotheke in Winningen seinem Sohn Oskar; er selbst zog sich ins Privatleben zurück, um sich nunmehr ausschließlich seinem Lieblingsgebiet, der Botanik, widmen zu können. Julius Schlickum ist am 17. Dezember 1884 in Winningen gestorben.

(Anmerkung: Julius Schlickum gehörte auch der „Junge akademische Gesellschaft“ in Winningen an, zu der  neben dem Theologen Albrecht Schöler der Arzt Dr. Carl Wilhelm Arnoldi, die Theologen Karl und Heinrich Bungeroth, der Naturwissenschaftler Philipp Wirtgen, der Winninger Lehrer und Botaniker Johann Rüdiger und Friedrich Wilhelm Raiffeisen angehörte)

1865 legte Oskar Schlickum in Bonn – ohne Universitätsstudium – sein Examen mit „sehr gut“ ab. Nach zwei weiteren Jahren übernahm er dann im Jahre 1867 die Apotheke seines Vaters, die er bis zu seinem Tod am 4. April 1889 innehatte. Oskar Schlickums Bedeutung für den Apothekerstand läßt sich unter zwei Gesichtspunkten zusammenfassen. Er setzte die Tradition seines Vaters fort und bildete zahlreiche Apotheker für ihr Examen aus. Allerdings verfolgte er diese Arbeit nicht mit derselben Intensität wie sein Vater, denn seine publizistische Tätigkeit, durch die Oskar Schlickum bis heute in Fachkreisen unvergessen ist, ließ seine pädagogischen Aufgaben etwas in den Hintergrund treten. Im August 1880 – bis zu jenem Zeitpunkt waren schon neun selbständige Bücher von Schlickum erschienen – reichte er der Regierung in Koblenz ein Gesuch ein mit der Bitte, eine Pharmazieschule in Winningen eröffnen zu dürfen. Er begründete seinen Antrag mit dem „Mangel an wissenschaftlicher Ausbildung sowie dem großen Mangel geeigneter resp. bereitwilliger Lehrprincipale“. Dazu ist es aber nie gekommen.

War Schlickum auch versagt, eine Apothekerschule zu gründen, so konnte er doch derselben Aufgabe, die ihm wie seinem Vater so sehr am Herzen lag, durch eine fruchtbare publizistische Tätigkeit dienen. Hier liegt die besondere Bedeutung Oskar Schlickums, durch die er seinen Vater Julius weit überragte. Das kleine Winningen gestattete ihm, diesen Neigungen  nachzugehen. Während seiner ersten Zeit in Neuwied und seines militärischen Dienstes in Rastatt – also schon vor seinem Gehilfenexamen – hatte Schlickum bereits drei Bücher geschrieben: Der junge Chemiker (1863); Der chemische Analytiker (1864); Taschenwörterbuch d. botanischen Kunstausdrücke (1864). Seit 1874 erschienen in kurzen Abständen weitere Bücher, die ein erstaunlich hohes Maß an geistiger Schaffenskraft und Energie bei Schlickum voraussetzen. Wie begehrt die Bücher damals waren, erhellt aus ihren oft hohen Auflagen; das wichtigste Buch, „Die wissenschaftliche Ausbildung des Apothekerlehrlings“, erschien 1932 in der 15. Auflage; es ist noch heute in Apothekerkreisen als „der Schlickum“ wohlbekannt. Im einzelnen handelt es sich um folgende Bücher, die Schlickum während seines Aufenthaltes in Winningen verfaßte: Taschenbuch der Rezeptur und Defektur (1874), Pharmazeutischer Atlas (1876), Die    wissenschaftliche    Ausbildung    des Apothekerlehrlings  /1877), Lateinisch-deutsches Spezialwörterbuch der pharmazeutischen Wissenschaften (1879), Exkursionsflora für Deutschland (1881), Apothekerkalender (1882 ff.), Kommentar   zur   zweiten   Auflage   der Pharmacopöe Germanica (1883), Bereitung und Prüfung der in der Pharmacopöe Germanica Ed. lla nicht enthaltenen Arzneimittel (1884).

Außerdem erschienen zahlreiche Aufsätze von Schlickum in der Pharmazeutischen Zeitung  und im Archiv der Pharmazie. Die außerordentliche und erstaunliche Produktivität Schlickums auf schriftstellerischem Gebiet ließ 1884 nach und wandte sich einem anderen Bereich wissenschaftlicher Tätigkeit zu: Schlickum wurde in diesem Jahr als Mitglied der Pharmakopöe-Kommission des Deutschen Apothekervereins auf der Generalversammlung des Vereins zu ihrem Schriftführer und bereits zu Beginn des nächsten Jahres zu ihrem Vorsitzenden ernannt. Selbstlos hatte er sich in den Dienst der Pharmazie und ihrer Hilfswissenschaften gestellt. Eine verdiente äußere Anerkennung wurde ihm ein Jahr vor seinem Tode 1888 durch die Verleihung des roten Adlerordens zuteil.

Quelle: Auszüge aus Engelbert, Günter: Die Schlickumsche Apotheke zu Winningen. In: Koblenzer Heimatkalender. 1956. S. 47-56.

1891 übernahm ein Sohn von Carl Oskar Schlickum, Ludwig Richard, die Apotheke. Er führte sie bis zum 26. Mai 1933. Nachfolger waren dann Apotheker Mengen, Oscar Schlickum (Sohn von Richard Schlickum) und Apothekerin Hiltrud Saas,

Hinweis: Eine detaillierte Abhandlung über die Winninger Apotheke ist erschienen in „Winninger Hefte“, Band 5. ISBN 3-925991.05-0, Krumme-Verlag Winningen

Apotheke im historischen Haus. Alle Fotos: Lammai
Historische Officine
Heute führt Thomas Schäfer die Schlickum-Apotheke, hier mit einem Blatt aus dem Schlickum-Herbarium
alte Schlickum-Bände
Standardwerke von Schlickum zur Ausbildung von Pharmazeuten
Dieser "Schlickum" erschien in der 14. Auflage im Jahre 1926

Fachwerk und Winninger Häuser

Im Ortskern haben sich – trotz mancherlei Brände – noch zahlreiche, schmucke Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert erhalten. Sie alle stehen heute unter Denkmalschutz. Um das kulturelle Erbe zu erhalten hat der Ortsgemeinderat schon früh rechtliche Vorgaben geschaffen. Mit einer Erhaltungs- und Gestaltungssatzung (durchaus kontrovers diskutiert) steckt Winningen den Rahmen für mögliche Veränderungen an historischen Gebäuden ab (eine Broschüre kann abgerufen werden unter: https://winningen.de/wp-content/uploads/2021/09/Erhaltungs-und-Gestaltungssatzung-Broschuere-klein.pdf)

Prof. Peter Lammert, Architekt und Städteplaner, hat in den Beiträgen zur Ortsgeschichte die Winninger Häuser wie folgt beschrieben:

Die Hausform ist in die moselfränkische Entwicklung einzuordnen. (Der Verfasser hatte ein besonderes Erlebnis, als er in Siebenbürgen die fast identischen Hausformen und Straßenansichten antraf – schließlich waren die Siebenbürger Sachsen vor 800 () Jahren eingewandert und zu einem guten Teil aus dem Moselfränkischen gekommen.) Das Prinzip hat sich über Jahrhunderte nicht geändert: zweigeschossiges Vorderhaus, mit Küche und Wohnstube im Erdgeschoss; die Schlafräume und dann auch die „Visite-Stub“ im Obergeschoss; unter dem Haus natürlich der Weinkeller. Zur Gasse hin eine Port, dahinter die Hofzufahrt mit dem seitlichen Hauseingang. Ein kleines Hinterhaus mit Stall und Scheune,® So langsam hat sich das Grundstück aufgefüllt: Die Hofeinfahrt wurde überbaut, die stattliche Port zur Straße mit Schlupftür ergab einen hermetischen Abschluss des Hofes. Vorder- und Hinterhaus wurden mit der Zeit baulich verbunden, es entstand das Zwischenhaus. Nach Aufgabe der Klein-Landwirtschaft und Konzentration auf den Weinbau wurde auch das Hinterhaus für Geräte, Maschinen und Lagerung genutzt, in einigen Fällen wurde noch der Hof unterkellert, um die Kapazität des Weinguts zu erhöhen. Und auch dann, wenn wie heute zunehmend die Weinbaunutzung entfällt, werden Hinter- und Zwischenhaus zur Wohnnutzung für die nächste (oder die ältere) Generation oder für Ferienwohnungen herangezogen. Diese ganzen Entwicklungsstufen und die Nutzungsvariat des Haustyps sprechen für ein leistungsfähiges Grundrissprinzip.

Die älteren Häuser sind in der Regel Fachwerkkonstruktionen oder einfache Steinhäuser, bei denen statt Kalkmörtel Lehm verwendet wurde. Bis auf wenige sind die meisten der älteren Häuser verputzt. Die sichtbaren Fachwerkhäuser (z.B. in der Herrengasse, der Fron-, Bach- oder der unteren Fährstraße) sind zwar auffallend im Ortsbild, bilden aber den geringsten Anteil aller Bauten. Bereits in der Marktstraße und der oberen Fährstraße dominiert die Steinbauweise, in den Erweiterungszonen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (Neustraße, obere Friedrichstraße, obere Wilhelmstraße) finden wir hingegen hochwertige Bruchsteinhäuser in Sichtmauerwerk, die dem Zeitgeschmack des 19. Jahrhunderts entsprechen.

Manche Besonderheiten sind sicher auch in anderen Orten und sogar anderen Regionen anzutreffen. Zum Beispiel die kleinen Dachgauben der Schieferdächer und auch die Zwerchhäuser zum Materialaufzug in den Dachspeicher. Oder die bemerkenswerte Methode, den gewölbten Weinkeller zu bauen: Der gewachsene Boden wurde, geformt, als Schalung benutzt; und erst nach Fertigstellung des Kellergewölbes wurde der Aushub in mühevoller Arbeit herausge-schafft. Zwischen den Häusern gibt es jeweils nur eine Trennwand, die zugleich Brandwand ist. Die kann natürlich nur einem der Hausnachbarn gehören: jeweils dem, auf dessen Seite im Keller eine Wandnische, die „Schorrb“, ausgespart ist. Damit die Eigentumsverhältnisse für alle Zeiten klar sind.

Der wesentliche Konsens ist der sparsame Umgang mit dem Bauland zugunsten der bewirtschafteten Landwirtschafts- und Weinbergsflächen. Dass die äußerste Dichte auch Auswirkungen auf soziale Strukturen hat oder – anders herum – Ausdruck der sozialen Struktur ist, steht auf einem andern Blatt. Die so genannte „soziale Kontrolle“ (hier ein wertfreier Begriff aus der Stadtsoziologie) in allen positiven (Anteilnahme, Hilfe) und negativen (Anteilnahme, Kritik) Auswirkungen ist über die Gassenbreite von gerade mal fünf oder fünfeinhalb Meter bis heute eine naheliegende Vermutung, die hin und wieder lebhaft bestätigt wird. Komplementär zu dieser Nähe kann die völlige Abgeschlossenheit der Höfe gesehen werden.

Die beiden Gegensätze „absolute Privatheit* und „Offentlichkeit/Nachbarschaft“ halten sich die Waage. Der Mensch braucht den Bezug zu Öffentlichkeit und Gemeinschaft genau so wie die Privatheit: Je mehr Öffentlichkeitsbezug, desto rigoroser das Bedürfnis nach dem Pendant.

Insoweit sind die moselfränkischen und damit die Winninger Hofhaus-Typen exemplarischeBeispiele für ein grundlegendes städtebauliches Prinzip, das in unterschiedlichsten Ausformungen bis heute gilt.

(Quelle – Auszüge – : Prof. Peter Lammert – Städtebauliche Entwicklung und architektonische Merkmale – Beiträge zur Ortsgeschichte)

Fachwerk 17. Jahrhundert in der Fährstraße. Alle Fotos: Brost
Herrenstraße
Ecke Bach-/Herrenstraße
Fachwerk untere Friedrichstraße am Horntor
Fachwerkhaus in der Bachstraße
Bachstraße/Winzerwirtschaft
Broschüre zur Erhaltungs- und Gestaltungssatzung

Nachbarn auf Sichtweise

Die Nachbarn auf Sichtweite

An diesem schönen Aussichtspunkt kann das Auge hinabschauen auf die Terrassenlagen des Röttgen, oder hinabblicken auf das andere Moselufer. Dort liegt der Ort Lay aus. Er ist ein Stadtteil von Koblenz und wurde 1970 eingemeindet. Der Name des Ortes kommt aus dem Keltischen und bedeutet Fels beziehungsweise Schiefer und bezieht sich auf den steilaufragenden Fels gegenüber. Trotz seiner Zugehörigkeit zur Großstadt hat sich Lay den Charakter eines typischen Weindorfes an der Mosel bewahrt. Die Weinlagen „Hamm“ und „Hubertusborn“ ziehen sich als schmale Streifen an der Mosel entlang und prägen die Ufer. Im historischen Ortskern dominiert der romanische Kirchturm neben einigen sehenswerten Winzerhäusern des 15. bis 18. Jahrhunderts. Wenn Koblenz am letzten Wochenende im September sein Weinfest feiert, dann natürlich im Stadtteil Lay: Die anheimelnden Gassen werden zur Genießermeile. 

Wer nach links schaut, erblickt den Koblenzer Stadtteil Karthause. Dort befand sich früher ein Flugfeld, das dann der Bebauung weichen musste. Die Flieger zogen auf die Moselhöhen um, wo der Flugplatz Koblenz-Winningen seit mehr als 50 Jahren in Betrieb ist. Die Hubschrauberstaffel der rheinland-pfälzischen Polizei ist hier stationiert. https://www.flugplatz-koblenz-winningen.de/index.php/de/

Über dem Wald ist die Spitze des Fernmeldeturms „Kühkopf“ im Koblenzer Stadtwald zu erkennen. Mit 260 Metern ist er das drittgrößte Bauwerk im Land. Er wurde 1974/75 von der Deutschen Bundespost gebaut. Früher in erster Linie im Richtfunkverkehr für Telefongespräche und Datenübertragung eingesetzt, kamen später weitere Funktionen, wie das Kabelfernsehen oder Senderstandort für Mobilfunknetze hinzu.

Der Blick nach rechts lässt am Fluß die Gemeinde Winningen erahnen, eingerahmt von den Weinlagen Röttgen und Brückstück mit ihren steilen Terrassen.

Ehemalige Layer Fähre. Foto: Lammai
Es war einmal. Foto: Lammai
Koblenz-Karthause im Nebel. Foto: Lammai
Carolaturm im Koblenzer Stadtwald.

L 125 (Röttgen Weinpfad)

Bitte passen Sie auf! 

Sie überqueren nun die viel befahrene August-Horch-Straße (L 125), die von der Mosel auf die Höhen in Richtung Flugplatz Koblenz-Winningen und zur Autobahn A61 führt. Da diese Stelle außerhalb der Ortslage liegt, ist die Geschwindigkeitsbeschränkung aufgehoben! Das heißt, Fahrzeuge dürfen hier bis zu 100 Stundenkilometer schnell fahren!

Bemühungen der Gemeinde, dies zu ändern, sind, wie auch am Parkplatz „Traumpfädchen“ etwas oberhalb, bislang gescheitert.

Seien Sie also vorsichtig.

Auf der anderen Straßenseite führt der Röttgen Weinpfad durch das „Hasborn Tal“ zum Abzweig „Vogelsang“. Die Strecke ist gut ausgeschildert.

Ihre Gemeinde Winningen

Kurfürst Balduin

Herrscher, Diplomat, Priester, Schöngeist – widersprüchliche Attribute, die doch alle auf einen Mann zutreffen: Balduin von Luxemburg, laut einhelliger Historikermeinung bedeutendster Kurfürst und Erzbischof in der Geschichte des Erzbistums Trier.

1285 geboren, war Balduin als jüngster Sohn des Grafen Heinrich VI. von Luxemburg für die Kirchenlaufbahn vorgesehen. Nach dem Studium der Theologie und des kanonischen Rechts in Paris wurde er bereits im Alter von 22 Jahren vom Trierer Domkapitel zum Erzbischof gewählt. 1308 weihte ihn Papst Clemens V. persönlich in Poitiers zum Bischof.

Der Erzbischof von Trier hatte im mittelalterlichen Deutschen Reich eine einflussreiche Stellung: Schließlich gehörte er zu dem erlesenen Kreis der sieben Kurfürsten, die den deutschen König wählten. Balduin wusste dies zu nutzen: Nicht zuletzt dank seiner klugen Politik und Diplomatie erreichte das Haus Luxemburg in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts den Zenit seiner Macht. Zwar strebte Balduin selbst nicht nach der höchsten Würde, doch verhalf er 1308 seinem Bruder Heinrich und 1346 seinem Großneffen Karl zur Wahl zum deutschen König. 1310 bis 1313 begleitete er Heinrich, der sich in Rom zum Kaiser krönen lassen wollte, auf seinem Zug nach Italien. Doch Heinrich überlebte die von ständigen Kämpfen geprägte Reise nicht. Jahre später ließ Balduin die gemeinsamen Erlebnisse in einer Bilderchronik mit 73 Miniaturen auf 37 Tafeln verewigen, laut „Lexikon des Mittelalters“ eine der „bedeutendsten Bilderhandschriften ihrer Zeit“.

Am meisten von Balduins politischen Fähigkeiten profitierte aber der Kurstaat Trier, der unter seiner Ägide erst eigentlich geformt wurde. Balduin rundete das bisher zerstückelte Territorium ab, schuf eine effektive Verwaltung und ließ viele neue Burgen errichten. Mit Balduin verbindet sich nicht nur der einzige Brückenbau über die Mosel während des Mittelalters (Balduinbrücke bei Koblenz), sondern auch die Wiederherrichtung der Trierer Römerbrücke. Nicht immer stieß Balduin mit seiner zum Teil expansiven Territorialpolitik auf Gegenliebe beim Landadel: So entführte ihn 1328 Loretta von Sponheim durch eine List auf die Starkenburg bei Traben-Trarbach und ließ ihn erst nach Zahlung eines Lösegelds und Zugeständnissen an ihre Familie wieder frei. Das der jungen Witwe angedichtete Liebesverhältnis zu Balduin gehört dagegen aller Wahrscheinlichkeit nach ins Reich der Legende.

Förderer der Kartäuser

Bei alldem war Balduin nach übereinstimmender Überlieferung ein frommer und asketischer Mensch, der sein Bischofsamt im Gegensatz zu vielen anderen Kirchenfürsten seines Zeitalters mindestens genauso ernst nahm wie seine Funktion als Landesherr. Seine besondere Förderung galt den Kartäusern, die Gründung ihrer Konvente in Koblenz und Trier geht auf seine Initiative zurück. In die Trierer Kartause zog sich Balduin gern zur Meditation zurück.

Kurz nach seiner Rückkehr vom Reichstag in Mainz starb Balduin am 21. Januar 1354 in Trier. Sein Sarkophag befindet sich im Westchor des Doms, obwohl er selbst – Sinnbild seiner Bescheidenheit in persönlichen Dingen – sich lieber eine Beisetzung in der Kartause gewünscht hätte.

{Quelle: Trierer Persönlichkeiten} 

https://www.trier.de/kultur-freizeit/geschichte/trierer-persoenlichkeiten/balduin-von-luxemburg/

Kurfürst Balduin
Balduinbrunnen in Trier
Koblenzer Balduinbrücke (1892) mit Mosel-Flößen

Der Marktplatz

Es führt kein Weg daran vorbei, die Platzierung des Marktplatzes im 20. Jahrhundert im Kontext des Zeitgeistes zu betrachten. Denn die historische Ortsstruktur hatte keine Platzbildung als Ortsmitte vorgesehen. Die Marktstraße, ursprünglich die „Markstraße“, wurde erst 1860, nach Abriss eines Hauses, von dem damaligen Schulneubau bis zur Bachstraße weitergeführt. Der Markt wurde schließlich seit alters her zwischen damaligem Moselufer und südlicher Bebauung (Fronhof, Krone, Horntor), zu späteren Zeiten auch unter dem Bahnviadukt, abgehalten.

Der heutige Marktplatz ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Mitte der 30er Jahre wurden nicht nur in großen und kleinen Städten, sondern in kleinsten Dörfern und Siedlungen Plätze und Bauten geplant und teilweise auch realisiert, um der nationalsozialistischen Gesellschaft eine funktionale, organisatorische und städtebauliche Grundlage zu verschaffen: Versammlungsplätze, Feierstätten, „Bauten der Gemeinschaft“ waren die liturgischen Räume.

Dieser Trend wurde übrigens auch von vielen Kommunen (und Planern) zum Anlass genommen, neue städtebauliche Strukturen zu schaffen. Der konkrete Anlass und die Motivation für das Winninger Marktplatz-Projekt ist eine eigene Recherche wert.

Vor diesem Hintergrund sind der 1937 erfolgte Ankauf und Abbruch mehrerer Häuser zwischen der „Kleinen Schule“ und der Ecke Marktstraße/Bachstraße durch die Gemeinde zu verstehen.

Rückwirkend gesehen, ein ungeheurer Eingriff, mutig und mutwillig zugleich, in die vorgegebene Ortsstruktur. Ein Glück, dass bis Kriegsende über die Freilegung hinaus keine Gestaltung erfolgte. 1951 legte die Gemeinde die Festspielbühne vor den stehen gebliebenen Seiten-/Hoffassaden der angrenzenden Häuser an. Außer einer Teerdecke gab es aber über Jahrzehnte keine Gestaltung. Der Platz musste bis in die 80er Jahre als Verkehrsfläche und Parkplatz für Autos und Busse herhalten.

Im Zuge der Dorfentwicklung hat die Gemeinde 1984 den Marktplatz umgestaltet (Planung 1982/83) Die Einweihung erfolgte am 26. November 1984. Das Projekt hat nicht unwesentlich zum Erfolg beim Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ 1985 beigetragen. 

Durch den neuen Platz wurde die ursprüngliche Dorfstruktur entscheidend umgepolt. Er wurde von den Architekten aber so konzipiert, dass er (nachträglich) wie selbstverständlich als Ortsmittelpunkt empfunden werden sollte – so als sei er schon immer da gewesen. Der Gemeinderat hat sich in vielen Sitzungen mit dem Projekt befasst und sich für die solide Version des natürlich aufwändigeren Basaltpflasters entschieden. Die „Bühnenfassade“, die in den 50er Jahren als aufgenageltes Scheinfachwerk dekoriert worden war, blieb lange unverändert.

 

Auszüge aus: Peter Lammert – Städtebauliche Entwicklung und architektonische Merkmale – Winningen – Beiträge zur Ortsgeschichte

Hinweis: Vor einiger Zeit wurde die Fassade an der Freilichtbühne neu gestaltet. Die Feuerwehr ist inzwischen in ein neues Domizil umgezogen.Die Häuser am Marktplatz gingen in Privatbesitz über und sollen Teil eines Projektes für „Betreutes Wohnen“ werden. Geplant sind auch ein „Dorfladen“ und ein Café „Zur alten Feuerwache“.

 

Wochenmarkt. Foto: Lammai
Konzert Moselmusikfestival zur Coronazeit. Foto: Lammai
Der Marktplatz
Hier war die Feuerwehr untergebracht. Foto: Lammai
Konzeptstudie Umgestaltung Marktplatz. Foto: Architekten von Canal
Helene Fischer im SWR "Fröhlicher Weinberg". Foto: Lammai
Festspiel zum Moselfest

August-Horch-Halle (A)

Man muss schon große Visionen haben, wenn man aus diesem Haus mit des Vaters Schmiede die Autowelt verändern will. „Ich baute Autos“ heißt das Buch, in dem August Horch sein Lebenswerk beschrieben hat. Als Autopionier der ersten Stunde hat er maßgeblich die Entwicklung der Automobilität beeinflusst.

August Horch war ein Automobilingenieur der ersten Stunde, der es verstand, bemerkenswerte technische Neuerungen entschlossen durchzusetzen. Er hat dabei dem Motorwagen auf dem Weg zum Automobil entscheidende Impulse mitgegeben. Horchs erste eigene Konstruktion war ein sogenannter „stoßfreier Motor“. Auf dem Feld des Antriebs war er einer der ersten, der die Kardanwelle zur Kraftübertragung nutzte. Außerdem wurden bei Horch-Fahrzeugen von Anfang an Kurbel- und Getriebegehäuse aus Leichtmetallguss und hochfeste Stähle für die Zahnräder verwendet. August Horch ging es immer um praktische Nachfolgeverbesserungen am Automobil. Er wollte bessere Gebrauchseigenschaften für seine Fahrzeuge umsetzen und das immer in der besten Qualität. Seinen Leitsatz, dass er „unter allen Umständen nur große, starke und gute Wagen bauen wolle“, hat Horch zielgerichtet verwirklicht.

August Horch kam am 12. Oktober 1868 in diesem Haus zur Welt. Er lernte zunächst den Beruf seines Vaters. Für das Schmiedehandwerk aber ungeeignet, begann er nach einigen Wanderjahren sein Studium am damals sehr bekannten Technikum Mittweida. Dort schloß er als Betriebsingenieur ab und arbeitete für verschiedene Konstruktionsbüros in Leipzig und Rostock. Sein besonderes Interesse galt dem mobilen Einsatz des Verbrennungsmotors, der damals noch eine unförmige Maschine war.

 

Museum Winningen: http://www.museum-winningen.de

Film über August Horch im SWR: https://www.youtube.com/watch?v=TCMH1wK9

Promis der Geschichte (MDR) August Horch erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=0L4nGfMhiOE

August Horch, Gründer von AUDI. Foto: Museum
Horch-Cabrio im Besitz der Horch-Familie. Foto: Brost
Ehgrenbürgerbrief für August Horch
Der AUDI A8 L Horch wird in Deutschland gebaut. Foto: AUDI
Mit dem Namen "Horch" verbindet AUDI höchste Qualität. Foto: AUDI
Der Name Horch steht wieder auf einem Auto: AUDI A8 L. Gebaut für den chinesischen Markt. Foto: AUDI

Griffplattendolch

Funde der frühen Bronzezeit sind im Moselmündungsgebiet rar. Diese Region lag offensichtlich nicht im direkten Einflussbereich der frühbronzezeitlichen Kulturzentren. Man muss wohl von einer dünnen Besiedlung der Mittelrheinregion in dieser Zeit ausgehen. Für die anschließende mittlere Bronzezeit ist das sich abzeichnende Bild etwas besser. Bis in den Beginn der mittel-rheinischen Hügelgräberbronzezeit waren die Landstriche an der unteren Mosel noch stark in spätneolithischen Traditionen verhaftet. Erst nach einem längeren Prozess wurden auch im Moselmündungsgebiet die Fortschritte und Veränderungen der neuen Zeit übernommen. Um so erfreulicher ist, dass einer der seltenen Bronzefunde dieser Zeitspanne in der Gemarkung von Winningen entdeckt wurde. 

1962 konnte bei Niedrigwasser am südwestlichen Uferrand der Moselinsel Ziehfurt eine bronzene Dolchklinge entdeckt werden. Es handelt sich um die leicht gebogene, lanzettförmige und 16,9 cm lange Klinge eines Griffplattendolches. Der an der leicht gebogenen Platte der Klinge einst angebrachte Griff ist nicht mehr erhalten.

Drei zu erkennende Nietlöcher zeigen aber, dass hier einst eine Handhabe vorhanden war. Die Fundstelle ist von Bedeutung, da die Insel Ziehfurt ,im unteren Moseltal die einzige günstige Überquerungsstelle bietet. Vermutlich ist dieses Objekt also mit dem Passieren der Mosel zu verbinden. Sollte hier durch die absichtliche Deponierung des Griffplattendolches und daher durch ein Opfer an die Götter eine sichere Überquerung erfleht werden? Oder trat ein zufälliger Verlust bei den Mühen des Flussüberganges ein? Letztlich wird diese Frage nicht mehr zu klären sein. Sicher ist aber, das die Klinge nach ihrer Formgebung in die Stufe C der Hügelgräberbronzezeit datiert und daher während des 14./13. Jahrhunderts v. Chr. hergestellt worden sein dürfte.

(Quelle: Auszug): Lutz Grunewald – Winningen in vor- und frühgeschichtlicher Zeit

Griffplattendolch, Bronze

Katholische Kapelle St. Martin

Das Jahr 1557 brachte für die Winninger Christen ein einschneidendes Erlebnis: Bis auf die Familie der Freiherrn von Heddesdorff, mussten sich alle Bürger auf Weisung der sponheimischen Obrigkeit zum protestantischen Glauben bekennen. Die im 13. Jahrhundert erbaute romanische Kirche St. Martin in der Ortsmitte wurde „evangelisch“. Bis ins 19. Jahrhundert mussten die Winninger Katholiken dann auf eine eigene Kapelle warten.

Die katholische Kapelle Sankt Martin wurde Mitte des 19. Jahrhunderts nach Plänen des Koblenzer Architekten Ferdinand Jacob Nebel (1782-1860) errichtet, zusammen mit den Winninger Maurermeistern Ludwig Kröber und Anton Mölich. Schlicht, in den bescheidenen Ausmaßen von 18×10 m, architektonisch bemerkenswert konsequent und stilsicher gebaut, steht sie für die zeitgenössische, edle Verbindung aus Neuromanik und Romantik: Denn so ohne weiteres darf man vom landläufig genannten „Rundbogenstil“ nicht gleich auf historisierende Romanik schließen, wenn zugleich die Vorliebe der Zeit und der rheinischen Region für Steinsichtigkeit (Bruchsteine und Basaltgewände) dominiert. Der (katholische) Amtsbürgermeister Johann Liedel hatte bald nach seiner Ernennung (1843) damit begonnen, Geld für eine katholische Kirche in Winningen zu sammeln und die kirchliche Betreuung durch die Nachbarpfarreien (erst Lay, später Güls) zu erwirken. Er fand insgesamt 1538 Geldgeber. Der Wetterhahn kam schon am 30. November aufs Dach. Trotzdem zogen sich Finanzierung und Ausbau länger hin, so dass die Einweihung erst am 30. Oktober 1856 erfolgte.

Diese erfolgte durch den späteren Kardinal Philipp Krementz, der als Sohn eines Metzgers in Koblenz geboren, unter anderem Dechant des Dekanates Koblenz und Erzbischof von Köln war.

Auszug aus: Peter Lammert, Städtebauliche Entwicklung und architektonische Merkmale – Beiträge zur Ortsgeschichte

Winningen gehört heute zur Katholischen Kirchengemeinde Koblenz Links der Mosel.

Eine detaillierte Abhandlung von Hedwig Herdes über die „Kleine Gemeinschaft der Winninger Katholiken“ finden Sie ebenfalls in den Beiträgen zur Ortsgeschichte. Die Chronik kann im Gemeindebüro (Ortsverwaltung) erworben werden.

Katholische Kapelle von Winningen. Alle Fotos: Brost
Das Innere der Kirche
Der steinerne Hochaltar ist ein Geschenk der Eheleute Philippus und Walburgis van der Bergh aus Koblenz
Die Orgel wurde 1897 angeschafft (Orgelbaumeister Gerhard aus Boppard)

Stolperstein Hermann Kröber

Hermann Kröber 1860–1941

Hermann Kröber wurde geboren am 3. September 1860 als Kind der Eheleute Carl Christian Kröber (1825–1897) und dessen Frau Elisabeth, geb. Hoffbauer (1828–1899). Er hatte acht Geschwister, von denen jedoch nur seine 1853 geborene Schwester Caroline, seit 1876 mit dem Winzer Albert Hoffbauer verheiratet, eine Familie gründete und ihre Linie in Winningen bis zum Tod ihres Urenkels Erich Albert Hoffbauer im Jahr 1982 fortsetzte.

Bei der Konfirmation am 17. Mai 1874 durch Pfarrer Adolf Müller wurde ihm der Denkspruch 2. Korinther 5, 17 „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ zugesprochen.

Am 29. Januar 1887 verheiratete sich Hermann Kröber, von Beruf Winzer, mit Caroline Dorothea Kröber (1861–1939). In ihrer Ehe wurden den Eheleuten Kröber sechs Kinder geboren, von denen vier früh verstorben sind. Tochter Auguste, geb. 1889, heiratete 1911 den Maurer Julius Sünner. Deren Sohn Ewald Sünner (1912–1942) verehelichte sich 1933 mit Irmgard Wilhelmine Saas. Mit dem Tod ihres kinderlosen Sohnes Eckard Ernst Julius Sünner 2003 endete dieser Familienzweig. 

Die Tochter Pauline (geb. 1897) heiratete 1921 Ewald Wingartz und starb 1953 in Düsseldorf-Benrath. Ob aus dieser Ehe Kinder hervorgegangen sind, ist nicht bekannt.

Die Familien Carl Christian Kröber und Hermann Kröber wohnten in der Wolfergasse, Haus-Nummer 268, der heutigen Bachstraße 62. Dort ist 1914 auch Hermann Kröbers Schwiegersohn Julius Sünner nachgewiesen.   Das Haus blieb bis zum Tod Eckard Sünners im Familienbesitz; danach wurde es verkauft. 

Offenkundig wurde Hermann Kröber psychisch krank, denn am 3. Dezember 1897 wurde er erstmals in eine „Irrenanstalt“ eingewiesen. Wie lange er dort blieb, lässt sich nicht feststellen. Jedoch kam er nach dem ersten Aufenthalt noch einmal nach Hause, denn 1899 wurde den Eheleuten Kröber das sechste Kind, Tochter Emilie (1899–1908) geboren. Im Jahr 1907 findet sich erneut der Eintrag „Irrenanstalt“, gefolgt vom Eintrag „1908 unheilbar in Andernach“. Laut einer Anzeige des Staatlichen Gesundheitsamtes des Stadt- und Landkreises Koblenz vom 31.03.1934 litt Hermann Kröber an Schizophrenie.

Am 7. Mai 1941 gelangte Hermann Kröber im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“   in einem Transport mit 87 weiteren Patientinnen und Patienten von Andernach nach Hadamar. Hadamar war eine von sechs „Euthanasie“-Tötungsanstalten der „Aktion T4“. In der Regel wurden die Ankommenden noch am Tag ihrer Ankunft in der im Keller der Anstalt befindlichen Gaskammer ermordet. Die Leichname wurden eingeäschert; Todesdatum und Todesursache wurden falsch angegeben, um Angehörige und Behörden zu täuschen. Insgesamt wurden von Januar bis August 1941 in Hadamar 10.113 Menschen ermordet.

Hermann Kröber ist eines der Opfer der beschönigend und verschleiernd „Euthanasie“ genannten Mordaktionen des NS-Unrechtsregimes. Seiner nun mit der Verlegung eines „Stolpersteins“ vor seinem seinerzeitigen Wohnhaus in der Bachstraße zu gedenken, ist ebenso historische und menschliche Pflicht wie Mahnung. 

Hinweis: Von Herrmann Kröber ist leider kein Foto überliefert.

(Quelle: Frank Hoffbauer)

Außenaufnahme der Gedenkstätte Hadamar bei Limburg. Foto: Gedenkstätte Hadamar
Historische Busgarage, in der 1941 die Patientinnen und Patienten angekommen sind und aus den „Grauen Bussen“ ins Hauptgebäude geführt wurden. (Foto: Gedenkstätte Hadamar/Valentin Pfleger)
Ausgrabungsstelle des ehemaligen Standorts des Verbrennungsofens der Leichname der Ermordeten. Fotos:„Gedenkstätte Hadamar“ 
Stolperstein für Hermann Kröber. Foto: Brost
Stolperstein für Hermann Kröber. Foto: Brost

Die Trockenmauer

Trockenmauern sind Kunstwerke. Die Winninger Weinbergterrassen sind einmalig. Am Beispiel des  „Uhlen“ wird die Dimension der Weinbergterrassen mit ihren Trockenmauern deutlich: Bis zu 29 übereinander geordnete Terrassen (Chüere = Chor im Sinne von Empore) gibt es hier. Die Trockenmauern haben eine Gesamtlänge von 17,4 Kilometern. Die Mauerhöhe beträgt durchschnittlich 2,50 Meter, die höchste ragt acht Meter in die Höhe.

Kein Wunder, dass es Bestrebungen gibt, die Terrassenmosel zum Weltkulturerbe anzumelden. Seit dem Mittelalter sind die Trockenmauern nachgewiesen, andere Stimmen sehen schon die Römer als die eigentlichen Baumeister. Nutzten doch römische Siedler die Südhänge der Flusstäler erstmals für den Weinbau. Sie begannen damit, die einzigartige Landschaft zu gestalten.

Die Terrassen mit ihren Trockenmauern sind ein ganz besonderes Kulturdenkmal.

Um die Weinberge vor Erosion und Erdrutschen zu schützen, wurden zwischen den einzelnen Flächen Mauern errichtet. Diese sogenannten Trockenmauern wurden mit genau aufeinander passenden Steinen ohne Mörtel gebaut. Durch die wärmespeichernden Steine entwickelt sich hier ein extremes Mikroklima. 

Auf der Mauerkrone und in den Fugen wachsen gut an Hitze und Trockenheit angepasste Pflanzenarten, wie zum Beispiel die Weiße Fetthenne oder Königskerzen. Auch für die Tierwelt ist der Lebensraum Trockenmauer von enormer Bedeutung. Die dort wachsenden Pflanzen sind wichtige Nahrungsquellen und Eiablageorte für viele Insekten wie den Mosel-Apollofalter. Die aufgewärmten Steine sind zudem wichtige Sonnenplätze für Reptilien, zum Beispiel die Mauer- oder Smaragdeidechsen.

Außerdem dienen die Trockenmauern den Reptilien als Versteck und sogar als Überwinterungsplatz, sofern die Mauern Erdanschluss haben.

https://www.lebendige-moselweinberge.de/doc/36_BITs_Bewohner_in_Trockenmauern.pdf

Sie wollen auch eine Trockenmauer bauen? Es gibt Kurse dafür!

https://www.faszinationmosel.info/aktuelles/projekte/trockenmauerbaukurs-fuer-mosel-winzer/

Terrassen mit Trockenmauern im Uhlen
Trockenmauern zu bauen ist eine Kunst
Bau einer Trockenmauer im Brückenstück
Das Prinzip: So wird sie gebaut

Stein der Mosel

Mit diesem Stein, der den Boden zahlreicher Weinberge bedeckt, wurden Weinbergstreppen, Trockenmauern, Steinbögen und vieles mehr gebaut: Man spricht von der Mosel-Grauwacke oder landläufig auch vom Bruchstein. Im alten Winninger Ortskern (vor allem in der Friedrichstraße) bilden Häuser aus „Bruchstein“ charakteristische Ensembles, die den Charme der Moselgemeinde ausmacht. Diese alten Winzerhäuser wurde aus dem, man sagt auch, „Stein der Mosel“, gebaut.

Moselgrauwacke

Im „Devon“, vor ca. 350–400 Millionen Jahren, unsere Erdoberfläche beginnt sich gerade zu ihrer endgültigen Form zu verändern, liegt die Entstehung der Mosel-Grauwacke. Riesige Urmeere hatten über Jahrmillionen Sand und Mineralien in feinen Schichten abgelagert, die sogenannten Sedimente.

Durch Herausheben gigantischer Platten, Schrägstellung und Auffaltung des bis dahin vorhandengewesenen Meeresbodens formierten sich die deutschen Mittelgebirge zu ihrer jetzigen Gestalt. Dieser nahezu 60 Millionen Jahre andauernde Prozess hinterließ uns eine Art von Gesteinsformation, die Mosel-Grauwacke.

Eine durch Sedimente geformte, natürlich, schichtartige Gesteinsform, welche sich in vielfältigen Varianten nutzen lässt. Ein natürliches Bau- und Gestaltungsmaterial, das sich harmonisch an seine Umgebung anpasst, in der es entstanden ist.

Die sehr unterschiedlichen Böden sind wie geschaffen für unterschiedliche Rebsorten, wobei der Riesling hier sein ganzes Potential ausspielt.

Kalksteine

Am oberen Lauf der Mosel gab es vor 243 Millionen Jahren ein flaches Meer. Aus muschelreichen Ablagerungen und dem von Flüssen eingetragenen Ton, Silt und Sand formten sich Dolomitbänke. Muschelkalk und Mergel haben einen großen Anteil an den kalkreichen Böden; wie geschaffen für Burgunder und Elbling – die regionale Spezialität.

Sandstein

Im Buntsandstein lagerten sich im Bereich der heutigen Trierer Bucht Fluss- und Windsedimente ab, die heute als rote Sandsteine in Erscheinung treten. Auf diesem an der Mosel seltenen Ausgangsgestein steht überwiegend Riesling.

Schiefer Die Hälfte der Weinbergsflächen liegt auf devonischem Schiefer, der in verschiedenen Farben vorkommt: blau, grau, braun und rötlich. Das 400 Millionen Jahre alte Gestein verwittert leicht. Auf Schieferböden gedeihen filigrane, feinfruchtige Rieslingweine. 

Grauwacke, Siltschiefer, Tonschiefer

Die Gesteine und Böden an der Terrassenmosel zwischen Zell und Koblenz waren einst Sandstrände und Wattbereiche des Urozeans. Quarzitische Sandsteine mit Silt- und Tonschiefer sind Ausgangsgestein für den größten Teil der Böden. Aufgrund der Terrassen mit ihrem warmen Mikroklima sind die Rieslingweine hier häufig üppiger in Frucht und Körper als in anderen Teilen des Moselgebietes.

Mauerbogen. Foto: Lammai
Wimper-Perlgras. Foto: Lammai
Uhlen-Terrassen im Winter. Foto: Lammai
Kalkablagerungen im Gestein. Foto: Lammai

Die Mosel

„Oh, du herrliche Mosel, felsgegürtet, weinumrankt, sieh, ich fand in deiner Nähe, was mein Herz verlangt.“

Strophe aus einem Lied von Ludolf Waldmann.

Die Mosel, von den Römern „Mosella“ genannt, muss schon damals eine besondere Anziehungskraft ausgeübt haben. Denn die Reisebeschreibung des Beamten und Dichters Ausonius um 370 nach Christus gilt als das einzige überlieferte antike Gedicht, das sich ausschließlich einem Fluss widmet (Wikipedia).

„…und des Bacchus Geschenk entfessle den unsteten Blick sich wo der Gipfel des Bergs zu endloser Höhe emporsteigt, und der Fels und die sonnige Höh´das Thal und der Abhang dicht von Reben bepflanzt ein herrlich Schauspiel uns zeigen. So bekleidet die Maurische Höh´ die rankende Rebe Rhodope auch und Pangaeus erblühn vom Sorgenbezwinger so in thracischer Fluth ergrünen des Ismarus Hügel. So malt der heimischen Rebe Gewächs die gelbe Garumna von der steilen Höhe herab zu der neige des Hügels…“

Der Name „Mosel“ entstand aus dem lateinischen Wort „Mosella“, ursprünglich keltisch „Mosea“; er bedeutet „der kleinere Fluss östlich der Maas“.

Die Mosel entspringt am Col de Bussang in den Vogesen 735 m über dem Meer. Sie ist der größte Nebenfluss des Rheins, in den sie nach einem Lauf von 544 km bei Koblenz (NN + 59 m) mündet. Von ihrer Quelle bis zum Grenzort Apach, auf einer Strecke von 302 km, fließt sie durch Frankreich. Dann bildet sie auf 36 km die gemeinschaftliche Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland (Kondominium). Unterhalb der Mündung der Sauer fließt sie bis Koblenz über 206 km auf deutschem Staatsgebiet. Die größten Nebenflüsse Saar und Sauer münden bei Konz oberhalb Trier in die Mosel. Unterhalb von Trier hat die Mosel nur noch kleinere Zuflüsse.

Ihr Einzugsgebiet umfasst bis zur Mündung 28.152 km², 6.616 km² liegen in Rheinland – Pfalz.

Die Wasserführung der Mosel schwankt in weiten Grenzen. Starke Regenfälle in Verbindung mit der Schneeschmelze führen oft zu einem plötzlichen Anschwellen des Flusses. Hochwasser treten vor allem im Winter und Frühjahr auf, ausgedehnte Trockenperioden im Sommer und Herbst.

Die Wasserführung der Mosel schwankt, bedingt durch die Mittelgebirgslage stark. Extreme Hochwasser können eine 200 mal höhere Wasserführung als die im Sommer auftretenden Niedrigwasserstände haben. Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Fließgeschwindigkeiten.

Das mittlere Sohlengefälle zwischen Trier und Koblenz beträgt über weite Strecken 1 : 3000, örtlich schwankt es aber stark. Die Geschiebeführung auf der deutschen Moselstrecke ist gering. Die Sohle besteht aus Kies und Geröll sowie streckenweise aus Fels (Grauwacke, Grauwackeschiefer, Buntsandstein sowie oberhalb von Trier Dolomit).

Die Mosel ist seit 1967 Schifffahrtsstraße mit 12 Schleusen zwischen Koblenz und der deutsch-französischen Grenze.

(Quelle: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz)

Moselquelle in Boussang. Foto: Lammai
Aus einem Rinnsal wird ein stolzer Fluss. Foto: Lammai
Mosel mit Marina und Campinginsel. Foto: Brost
Mosel-Kreuzfahrer von VIKING landen am neuen Steg in Winningen. Foto: Lammai
Nur aus der Luft zu sehen: Die Moselschleife bei Dieblich. Foto: Lammai
Darstellung auf dem Niederwald-Denkmal "Vater Rhein und Mutter Mosel".

Stolperstein Friedrich Schauss

Pfarrer Schauss wurde im September 1933 – mitten im beginnenden Kirchenkampf zwischen den Nationalsozialisten und ihren Deutschen Christen einerseits und ihren Gegnern, die sich schon bald in der Bekennenden Kirche organisierten, andererseits.

Schauss wurde 1891 in Linkenbach im Kreis Neuwied geboren, hatte in Gießen Abitur gemacht und dort auch studiert. Während des Ersten Weltkriegs war er zeitweise Soldat, legte sein Erstes und auch Zweites Theologisches Examen beim Evangelischen Konsistorium der Rheinprovinz in Koblenz ab. Nach seiner Ordination war er Pfarrer in Duisburg und Düsseldorf.

Mit Pfarrer Schauss entschied sich die Winninger Gemeinde für einen konservativen und national gesinnten Pfarrer, der eine feste religiöse Bindung hatte und sich in dem Kirchenkampf als bekenntnistreu erwies – was zwangsläufig zu einem Konflikt mit dem NS-Regime führen musste.

Das begann mit dem „Kampf um den Sonntag“. Streitpunkt war, dass die Hitler-Jugend (HJ) ihr „Antreten“, ihre Aufmärsche, Schulungen und sonstige Aktivitäten mit Vorliebe auf den Sonntagvormittag terminierte, um so ihre Mitglieder vom Gottesdienstbesuch abzuhalten.

Des Weiteren stritt man über den Religionsunterricht in der Winninger Schule. Immer wieder war Schauss bemüht, für die Kirche Raum zu schaffen und NS-Gedankengut fernzuhalten. Zur ersten größeren Kraftprobe mit den örtlichen Nazis, vor allem dem Ortsgruppenleiter Eduard Kröber, kam es im August 1935. Nachdem Schauss einen Pfarrer jüdischer Herkunft zu seiner Urlaubsvertretung bestellt und dieser auch schon die ersten Amtshandlungen vorgenommen hatte, polterte die NSDAP-Ortsgruppe: „Die SA werde die Kirche stürmen und den Pfarrer von de Kanzel holen.“ Die Situation rettete Pfarrer Wilhelm Krumme, indem er sich bereit erklärte, als Urlaubsvertretung tätig zu werden. Gleichwohl ließ der Ortsgruppenleiter nicht locker und beschwerte sich beim Konservatorium über Pfarrer Schauss und den „unbegreiflichen“ Tatbestand, „dass heute noch nicht-arische Personen eine Kanzel in einer evangelischen Gemeinde betreten dürfen“.

Schon wenige Monate später wurde Schauss vom Ortsgruppenleiter Kröber wegen angeblicher „staatsfeindlicher“ Äußerungen bei der Gestapo in Koblenz mit der Begründung angezeigt, die Erziehung der Jugend durch die Nazis entfremde die Kinder von ihrem Glauben. Das führte sogar zu einem Strafverfahren vor dem Sondergericht in Köln. Es verlief aber im Sand, weil man Pfarrer Schauss konkrete diesbezügliche Äußerungen nicht nachweisen konnte. Fortan stand Schauss unter eingehender Beobachtung mit anschließender Denunziation. So beschlagnahmte man bei ihm im Sommer 1937 eine Kollekte und machte man ihm wegen Verstoßes gegen den Kanzelparagrafen den Prozess vor dem Sondergericht in Köln. Auch dieses wie ein weiteres Verfahren wegen der Verteilung eines Flugblatts der „BekennendenKirche“ wurde nach einigerZ eit eingestellt. Es gab dann noch weitere Verfahren, die zwar vom Sondergericht Köln eingestelltworden waren, aber einen ganz erheblichen Druck ausübten. Bespitzelungen und Denunziationen begleiteten Pfarrer Schauss auch weiterhin. Es wurde immer schwieriger für ihn, einen möglichst geraden Weg zu gehen. Dabei konnte er sich längst nicht auf alle seine Gemeindemitglieder verlassen. Als er in einer Predigt einmal sagte: „Es gibt nur einen Führer, und der heißt Jesus Christus“, wurde er von Gemeindemitgliedern von der Kanzel heruntergeholt.

Im Frühjahr 1940 kam dann der Anfang von Pfarrer Schauss‘ Ende in Winningen. Als er die Kirchenglocken als „Metallspende des deutschen Volkes“ für die Rüstung abliefern sollte, veranstaltete er als Kritik an der Wegnahme des Geläuts eine „Glocken-Opfer-Feier“ in der Kirche. Ein Gedächtnisgottesdienst für Gefallene Ende Juni 1940 brachte dann das Ende. Zwei Monate später nahm ihn die Gestapo fest, weil er gesagt haben soll, wenn in Berichten der Kompanieführerüber die letzten Stunden von Gefallenen gesagt werde, sie hätten einen sanften Tod gehabt, so sei das meist gelogen. Schauss kam in „Schutzhaft“ im Koblenzer Gefängnis, auch sperrte man ihm den staatlichen Pfarrbesoldungszuschuss. Nach zweieinhalb Monaten kam erwieder frei. Gegen ihn erging aber ein Aufenthaltsverbot für zahlreiche Provinzen und Gebietesowie ein Redeverbot für das gesamte Reichsgebiet. Daraufhin verließ Pfarrer Schauss mit seiner Familie umgehend Winningen und zog nach Bad Kissingen. Das Konsistorium der Rheinprovinz sah darin eine „nicht geringe Entgleisung auf seelsorgerischem Gebiet“ und sprach ihm eine Missbilligung aus. Außerdem versetzte es ihn mit Wirkung von 1. Juni 1941 in den Wartestand – eine Art einstweiliger Ruhestand. Bis Kriegsende erhielt er keine Anstellung mehr. Es war eine schwere Zeit für ihn und seine Familie, seine Frau und seine fünf Kinder.

Nach der Befreiung vom Faschismus war Friedrich Schauss Pfarrer in der Nähe von Düsseldorf. 1965 starb Friedrich Schauss in Bad Münster am Stein.

(Quelle: Joachim Hennig)

Pfarrer Schauss
Verlegung der Stolpersteine vor dem Pfarrhaus. Foto: Lammai
Familie von Pfarrer Schauss

Villa Schwebel

Die Villa Schwebel

1830 kam Johann Heinrich Schwebel auf Einladung seines Onkels nach Winningen. Hier erlernte er das Küferhandwerk und heirate 1833 die Winzertochter Justine Moelich. Schwebel wurde Küfermeister und begann 1842 mit dem Weinhandel und später auch mit der Mostaufbereitung.

Es waren schlechte Zeiten an der Mosel, geprägt von Missernten und großer Not. Mit dem guten Jahrgang 1857 änderte es sich rasant. Die Weine von der Mosel entwickelten sich in den nächsten Jahren zu Spitzenprodukten, die ihre Käufer fanden. 1860 erwarb Heinrich Schwebel ein großes Grundstück in Winningen und baute dort die ersten eigenen Gebäude. Eine Veränderung im Weingeschäft vollzog sich. Die Weinhandlungen übernahmen von den kleinen Winzern die Kellertechnik. 

Schwebel kaufte von den Winzern der Region ihre Moste und Weine und wurde bald zum größten Unternehmer, Arbeitgeber und Steuerzahler der Gemeinde. Mit dem Bau der Eisenbahn konnte er weiter expandieren, die Frachtkosten sanken und neue Absatzgebiete erschließen. Sein Sohn, August, baute 1891 die zweistöckige Kellerei an der Südseite. Nun hatte die Weinhandlung ein Fassungsvermögen von 1,5 Millionen Liter. Die Weinhandlung Schwebel betrieb Handelsbeziehungen im gesamten Deutschen Reich, Europa und nach Übersee und galt bald als eine der bedeutendsten an der Mosel. Ihre Wirtschaftskraft ist gut an den Einkäufen von Mosten in dem Jahre 1898 erkennbar. Hier kaufte die Weinhandlung Schwebel 287 000 Liter Most zu einer Summe von 262 215 Goldmark. Dies entspricht einer heutigen Kaufkraft von ca. 2,6 Millionen Euro.

Anfang des 19. Jahrunderts wurden die Wirtschafts-und Wohngebäude nach dem neusten Stand der Technik vergrößert und erhielten ihr heutiges Aussehen. Es gab eine eigene Energieversorgung, eine ausgeklügelte Wassergewinnung, eine eigene Küferei und die Keltertechnik war fortschrittlich. Die dritte Generation übernahm die Geschäftsführung. Der Betrieb florierte und es gab Pläne, die Betriebsfläche um das doppelte zu erweitern.

Am Ende des zweiten Weltkrieg, wurde das Haus von den Amerikaner besetzt und später fünf Jahre als Sitz der französischen Präfektur genutzt. Danach konnte die Weinhandlung Schwebel nicht mehr wieder ihre einstige Bedeutung erlangen.

1958 versteigerte der damals 78jährige Bernhard Heinrich Schwebel die Betriebsausstattung und große Teile seines Weinbergsbesitzes. Die Kellerei wurde von der Koblenzer Sektkellerei Deinhard gepachtet. 

Nach dem Tode der Schwebels, Ende der siebziger Jahre, zog 1983 ein Enkel, Henning von Vangerow, mit dem Lift- Theater nach Winningen. 1986 gründete er den Verein Villa e.V. zur Förderung des kreativen Ausdruckes. Das Haus wurde nun Seminar- und Tagungsstätte. Es gab Konzerte. Im Keller wurde König Übü gespielt In den Seitengebäuden konnte man übernachten und Henning von Vangerow lehrte und tanzte TaKeTINa im großen Speisesaal. 

1990 errichtete der Fotograf Martin Wolf sein Atelier in der Villa. Das Haus wurde zum Fotomodell. Viele Werbeaufnahmen im Auftrag renommierter Kunden wurden seit dem hier realisiert. 1999 verkauften die fünf Erben der Familie Schwebel das Anwesen an Martin Wolf. Seitdem wurden umfangreiche Renovierungs- und Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt und die beiden leerstehenden Seitenflügel zu hochwertigem Wohnraum ausgebaut.

Die Villa Schwebel - Ansicht aus Schulstraße gesehen. Foto: Mahlow
Heinrich Schwebel
1,5 Millionen Liter Wein konnten in den Keller gelagert werden.
Arbeiten im Fasskeller
Kellermeister Hermann Knebel beim Verladen von Fässern
Titel der Preisliste von Schwebel 1914
Flaschenpreisliste von 1914

August-Horch-Halle

Das sogenannte „Dorfgemeinschaftshaus“ trägt den Namen des Autopioniers und Winninger Ehrenbürgers August Horch, der in der Gemeinde geboren wurde und auf dem Friedhof seine letzte Ruhestätte fand.

Die „August-Horch-Halle“ ist als Mehrzweckgebäude konzipiert und beinhaltet neben dem großen Sportbereich auch weitere Räume, die heute u.a. als Mensa für die Grundschule genutzt werden. Die Halle ist der größte Raum in der Gemeinde für Veranstaltungen jedweder Art. Die sportlichen Aktivitäten des Winninger Turnvereins (WTV) finden vor allem über die Woche statt. An den Wochenenden ist meist „feiern“ angesagt. Diese reichen von der Prunksitzung des örtlichen Karnevalsvereins, über den „Altentag“ bis zur „Zinntafel“ zur Eröffnung des „Moselfestes“, des ältesten Winzerfestes Deutschlands, immer am Freitag der letzten August-Woche. Zur „Zinntafel“, werden BürgerInnen eingeladen, die sich um Winningen verdient gemacht haben. Außerdem wird ein neues Mitglied in die Winninger Weingilde aufgenommen. Ehrenwinzerinnen oder Ehrenwinzer sind u.a. die Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel, Kurt Beck und Malu Dreyer oder der Weinkritiker Stuart Pigott

Lange Zeit fanden hier auch der „Weinmarkt“ zum Moselfest statt (heute im Garten des evangelischen Gemeindezentrums), sowie die große Frühjahrsweinprobe der Jungwinzer- und Schröterzunft.

August Horch, Gründer von AUDI. Foto: Museum
Zinngeschirr und Insignien der Ehrenwinzer (Foto: Brost)
Winninger Winzertanzgruppe und Malu Dreyer
Ehrenwinzer Stuart Pigott (Foto: Lammai)
Zinntafel
Serviert wird das "Winninger Hochzeitsessen" (Markklößchensuppe und Rindfleisch mit Meerrettich)

Insel Ziehfurt

Bis ins 19. Jahrhundert war die Insel von zwei Flussarmen umschlossen. Begehbar war die Insel nur von der Winninger Seite.  Schiffbar war damals wie heute nur die rechte Moselseite.  Bei Schiffern  und Halfen galt der Bereich vor der Insel wegen der starken Strömung als besonders gefährlich. Nur mit enormer Zugkraft der Halfer-Pferde konnte  die Stelle überwunden werden, was zum Namen „Ziehfurt“ führte.  Viele Menschen verloren hier beim Kentern ihrer Schiffe ihr Leben.  Die schlimmste Havarie ereignet sich im Jahr 1817 und riss 16 Menschen in den Tod.

Seit Inbetriebnahme der Mosel-Staustufe in Koblenz-Moselweiß im Jahre 1949 staut sich die Mosel bis in den Bereich der Insel Ziehfurt. Die einstmals so gefährliche Stelle war entschärft und ist heute ein idealer Ort für Wassersportler.

Früher gehörte die Insel je zur Hälfte den Gemeinde Dieblich und Winningen. Streitigkeiten über die Nutzung sind schon 1616 bezeugt. 1933 übernahm die Gemeinde Winningen den Dieblicher Anteil, auch, um die Insel touristisch zu nutzen. „Das allererste Festspiel zum Moselfest fand 1933 statt – damals allerdings nicht auf der Freilichtbühne am Marktplatz, die erst 1951 errichtet wurde, sondern auf einer Freilichtbühne auf der Insel Ziehfurt. Mehr als 100 Mitwirkende führten „Der Mosel Edelstein“ auf, ein Stück von Karl Seekatz in der Inszenierung von Carl Wallenda.“ 

Die politischen Verhältnisse im Vorfeld des 2. Weltkrieges und der Krieg selbst brachten derlei Aktivitäten weitestgehend zum Ruhen.

Die ZIEHFURT diente deshalb, zusammen mit der Fläche „Auf der Statt“ (Uferbereich neben der heutigen B 416) weiter der Futtergewinnung für die heimische Tierwirtschaft. Insbesondere die zum Aufgabenbereich der Gemeinde gehörende Vatertierhaltung (2 Stiere, 1 Ziegenbock) hatten ihre besonderen Anteile am Graswerth. Weitere Teile der Wiesenflächen wurden per Los an Tierhalter ohne Weidegrund verpachtet. 

Nach dem Kriege ging die Tierhaltung zurück und mutige Planer aus Gemeinde und Verkehrs- und Verschönerungsverein befassten sich erneut mit dem Gedanken einer künftigen Inselnutzung für den Fremdenverkehr. 

Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die maßgeblich von der Gastronomen-Familie Eduard Lange (damals Weinhaus „Hoffnung“) geprägt wurde. Mehr als 70 Jahre lang war sie Pächter der Campinginsel und machte sie zu einem Anziehungspunkt für Gäste aus aller Welt. Seit 2022 wird die „Ferieninsel Winningen“ von der S&B Freizeit GmbH betrieben.

1933: Dieblich und Winningen einigen sich
Das erste Moselfest-Spiel fand 1933 auf der Insel statt.
Die Insel um 1955
wie es begann 1953
Internationale Gäste schon in den 60er Jahren
Insel, Marina und Moseltalbrücke. Foto: Mahlow
Zimmer gefällig? Im Fass ist eines frei. Foto: Lammai
Fasszimmer mit Moselaussicht. Foto: Lammai
Schwanenfamilie. Foto: Brost
Nilgans. Foto: Brost
Nutria. Foto: Brost
Graureiher. Foto: Brost
Nilgans mit Nachwuchs. Foto: Brost
Baumallee auf der Insel. Foto: Lammai
Beheiztes Schwimmbad. Foto: Mahlow

Der Schneckenkönig

Nein, diese wildlebende Weinbergschnecken gehören nicht auf den Speiseplan. Sie sind vom Washingtoner Artenschutzabkommen international geschützt. Die für den Verzehr auserkorenen Tiere stammen allesamt aus großen Schneckenzuchten. Einst in Südosteuropa verbreitet, findet man die Weinbergschnecke (helix pomatia) heute überall. Nicht ganz schuldlos sind daran die Römer, die die Weichtiere als Nahrungsmittel (Roman Snail) auf ihren Feldzügen als Proviant mitnahmen. Bis zu 10 Zentimeter werden die Schnecken lang. Die Lebenserwartung kann bis zu 20 Jahre betragen. Für ihren Lebensraum sind kalkreiche Böden erforderlich, da die Tiere Kalk für ihr Gehäuse und den Kalkdeckel benötigen. Im Winter verharren die Schnecken oft in Kaltstarte, im Sommer in Trockenstarre. Dann verschließen sie ihr Gehäuse mit dem Kalkdeckel.

Schnecken (Gastropoda) gehören zum Stamm der Weichtiere (Mollusca). Schätzungen gehen von 43.000 bis 100.000 Arten aus. Auch andere Helix-Arten sind hier  – wenn auch selten – anzutreffen: Die gestreifte Weinbergschnecke und die gefleckte Weinbergschnecke. 

Wie gesagt: Wenn Sie der wilddiebenden Weinbergschnecke begegnen lohnt der in jedem Falle der Blick: Dreht sie rechts oder gar links? Die Zeit zur Beobachtung bleibt jedenfalls, denn auch wenn es schön und feucht-warm ist, bringen es die Schnecken nur auf rund 0,4 Stundenkilometer.

 

(Quelle u.a.: Aus Fauna im Weinberg, Dr. Norman Wagner, Universität Trier)

Ist es Ihnen aufgefallen? Das eine Haus dreht links (König/in), das andere rechts. Foto: Bio-Weingut "Die Traubenhüter", Hatzenport/Mosel, Thomas u. Magdalena Ibald,
Weinbergschnecke.
Weinbergschnecke. Foto: Lammai
Das "MUSS-Buch" von Casten Ness und Theo Haart - natürlich mit der Schnecke

Stolperstein Elisabeth Müller

Elisabeth Müller war eine Ur-Winningerin, geboren 1875 als ältestes von sieben Kindern des hiesigen Pfarrers Adolph Müller und seiner Ehefrau Caroline. Nach dem Besuch der Volksschule hier und der Evangelischen Höheren Mädchenschule in Koblenz, das sie  mit dem Lehrerinnenexamen für Höhere Schulen abschloss, war sie kurze Zeit Volksschullehrerin in Winningen. Bald zog sie zu ihrer reichen verwitweten Patentante nach Köln. Nach dem Tod der Tante im Jahr 1909 fiel ihre eine große Erbschaft zu. Daraufhin begab sie sich auf eine Weltreise. Als das Geld zur Neige ging, wurde sie Lehrerin an der Oberrealschule in Gießen. Elisabeth Müller war eine begeisterte Bergsteigerin. Bei einer Bergtour mit ihrem Bruder am Großvenediger im Jahr 1920 stürzte sie ab und verletzte sich schwer. Die Genesung gestaltete sich langwierig. Anfang der 1930er Jahre kehrte sie nach Winningen zurück. Hier lebte sie zurückgezogen, gab in geringerem Umfang Nachhilfestunden und war im Frauen- und Jungfrauenverein aktiv.

Politisch war Elisabeth Müller sehr wach und ausgesprochen regimekritisch eingestellt. Noch 1938 bezog sie englische Zeitungen und sprach mit Bekannten und Nachbarn über Zeitungsartikel, die kritisch über Deutschland berichteten. Das weckte den Argwohn der Gestapo Koblenz und auch von Nazi-Anhängern im Ort. So fiel auf, dass sie bei der „Volksabstimmung“ und „Wahl“ des Großdeutschen Reichstages am 10. April 1938 mit „Nein“ stimmte. Das war in den Augen der Winninger Verrat, hatte doch der Gemeinderat in seinem Aufruf dazu beschlossen: „Winningen als nationalsozialistische Hochburg erwartet (…) von jedem Wahlberechtigten ein rückhaltloses Bekenntnis, ein 100%iges Ja!“. Als die Wahlentscheidung Elisabeth Müllers bekannt
wurde – und sie wurde bekannt, weil es keine Geheimhaltung gab – schrie eines Nachts ein SA-Mann vor ihrem Haus: „Hier wohnt das Nein-Schwein!“ Das Kesseltreiben begann. Man verbot ihr, Nachhilfestunden zu erteilen und sammelte gegen sie eifrig Beweismaterial. Elisabeth Müller ließ sich aber nicht einschüchtern, tat weiterhin ihre Meinung zu den Dingen kund und pflegte einen regen Briefverkehr mit Gleichgesinnten. Dies, insbesondere ihre lebhafte Auslandskorrespondenz, führte zur Kontrolle ihrer Post. Dabei fielen der Gestapo Formulierungen auf, die sie als „erhebliche staatabträgliche Äußerungen“ ansah, wie etwa die: „In Köln waren ja Hungerrevolten. Es gab Erschießungen und Verhaftungen“. Daraufhin nahm die Gestapo Elisabeth Müller in „Schutzhaft“ in Koblenz. Ein Verfahren gegen sie wegen Vorbereitung zum Hochverrat vor dem Volksgerichtshof wurde erwogen, dann aber verworfen. Es gab „nur“ eine Anklage vor dem Sondergericht Koblenz wegen Verbrechens gegen das „Heimtückegesetz“. Das Gericht gab sich dabei Mühe, für sie Entlastendes zusammenzutragen und brachte ihr insbesondere den schweren Bergunfall und dessen Folgen zu Gute. Das Urteil von Mai 1942 lautete dementsprechend vergleichsweise milde auf acht Monate Gefängnis. Dabei wurde ihr die erlittene Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet, so dass sie „nur“ noch für einen Monat in das Gefängnis Köln Klingelpütz musste.

Damit gab sich die Gestapo aber nicht zufrieden. Vielmehr sann sie – was damals zur „Korrektur“
ihrer Meinung nach falscher Urteile möglich war – auf eine „Nachhaft“. So kam Elisabeth Müller nach der Strafverbüßung im Klingelpütz nicht frei, sondern wurde der Gestapo überstellt. Sodann beantragte die Gestapo Koblenz beim Reichssicherheitshauptamt in Berlin, sie in ein Konzentrationslager zu überweisen. Tatsächlich wurde sie aufgrund eines Erlasses des Reichssicherheitshauptamts am 8. September 1942 – damals war sie 67 Jahre alt – ins Frauen-
Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt. Während Elisabeth Müller dort unter unwürdigsten und schwierigsten Bedingungen um ihr Überleben kämpfte, erregte ihr „Fall“ hier die Gemüter. So wurde am 1. Mai 1943 am Maibaum eine Strohpuppe, die sie darstellte, aufgehängt und verbrannt. Zugleich war an der gegenüberliegenden Hauswand ein Plakat mit einem gehässigen Text in der Art einer Todesanzeige angebracht. Anfang Februar 1944 wurde sie im Frauen-KZ Ravensbrück selektiert und mit 1.000 anderen Häftlingen weiter in das Konzentrationslager Lublin verschleppt. Von dort transportierte man sie mit den Überlebenden weiter ins KZ Auschwitz. Von dort erhielt die Familie von ihr am 17. September 1944 eine letzte Nachricht. Am 27. Januar 1945 wurde Elisabeth Müller mit einigen tausend Häftlingen im KZ
Auschwitz von der Roten Armee befreit. Durch die jahrelange Haft waren ihre Kräfte aber so aufgezehrt, dass sie nicht mehr gesunden konnte. Zwei Monate später, am 25. März 1945, starb Elisabeth Müller in Auschwitz

(Quelle: Joachim Hennig)

Elisabeth Müller um 1900
Letztes Foto von Müller
Gedenkstein in der evangelischen Kirche. Foto: Lammai
Sterbeurkunde Müller, ausgestellt in Auschwitz.
Veröffentlichung von Elisabeth Müller
"Die Frau", in der Elisabeth Müller veröffentlichte
Stimmzettel, bei dem Elisabeth Müller das "Nein" ankreuzte
Verlegung der Stolpersteine vor dem Pfarrhaus. Foto: Lammai

Von Lurchen und Schlangen

In den Winninger Weinlagen sind hier und da Amphibien anzutreffen. Dazu zählt vor allem ein Schwanzlurch, besser bekannt unter dem Namen Feuersalamander. In beschatteten, feuchten Trockenmauern können die gestreifte und die gefleckte Art vorkommen. Viel häufiger haben jedoch Reptilien die Weinbergslandschaft zu ihrem Revier erkoren. Bei den Echsen können die Zauneidechse, die Mauereidechse und die westliche Smaragdeidechse (äußerst selten)  entdeckt werden. Dazu zählt auch die Blindschleiche, die keine Schlange ist. Blind ist sie auch nicht. Der Name stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „blendender oder blinkender Schleicher“. Doch auch „richtige“ Schlangen sind in Winninger Fluren keine Seltenheit. Kreuzotter, Ringelnatter, Würfelnatter und vor allem die Schlingnatter gehen im Weinberg und der Umgebung auf Jagd. 

Entdeckertipp: Die gefährdete und streng geschützte Schlingnatter oder Glattnatter (Coronella austriaca) findet man zwischen Mai und September eigentlich nur mit Glück und zumeist beim Sonnen an Weinbergsmauern. Im Frühjahr am ehesten vormittags an besonnten Mauern, im Sommer an bewölkten, wechselhaften, nicht zu heißen Tagen. Um einer Verwechslung mit der Kreuzotter vorzubeugen, heißt es: »Schau mir in die Augen, Kleines«, Die Schlingnatter hat runde Pupillen, bei der Kreuzotter sind sie viperntypisch senkrecht geschlitzt. Zudem ist ihr Kopf vom Körper kaum abgesetzt, und ihre Schuppen sind ungekielt, was ihr den Zweitnamen Glattnatter eingebracht hat. 

(Quelle: 111 Tiere und Pflanzen an der Mosel die man kennen muss, Emons: Verlag)

Doch keine Sorge: Alle diese Schlangenarten sind nicht giftig und sehr scheu. Die Tiere stehen unter strengem Schutz.

Zwei Schlingnattern bei der Paarung. Foto: Lammai
Mauereidechse. Foto: Lammai
Die sehr seltene Smaragdeidechse. Foto: Kaszmarek
Maureidechse. Foto: Lammai

Das Horntor

Die Winninger Ortsbefestigung

– Versuch einer Rekonstruktion – Auszüge „Ortsbild und Infrastruktur“ – Beiträge zur Ortsgeschichte

von Rainer Garbe

Wie die Stadt mit einer Mauer, so war das Dorf in früheren Zeiten sehr oft mit einem Zaun umgeben und dadurch als Friedens- und Rechtsbereich abgegrenzt. Hauptzweck der Umzäunung waren jedoch das Bedürfnis und die Notwendigkeit, sich gegen äußere Feinde – Menschen oder wilde Tiere – zu schützen, diesen den Zugang in den Ort zu versperren und zugleich das Auslaufen des eigenen Viehes in die Flur zu verhindern, es „im Zaun zu halten“.1

Aus einem alten Weinregister des Winninger Fronhofes ist uns bekannt, dass der Ort bereits im Jahre 1384 durch einen (Palisaden-) Zaun umgeben war. Im Jahre 1402 waren wohl aufwendige Reparaturarbeiten notwendig, als die Einwohner damit begannen „blancken zu machen umb ihr dorff, datz sie menten, datz inen zu der zyt not wer“.

Diese Umzäunung war 1433 durch einen „gemeinen grave“ 3 verstärkt.  Ein „Valdor“ gewährte den Bewohnern einen Ausgang in Richtung „Arstorp“ (Oberdort), wo der Aachener Zehnthof lag.  Unter einem Falltor ist ein Zauntor über Fahrwege oder ein Grenztor zwischen Dorfbezirk und Feldgemarkung zu verstehen, das so aufgehängt war, daß es von selbst zufiel, und das nur vom Innenraum her aufgedrückt werden konnte.  Nachts wurde es mit Querbalken verriegelt,. 1433 wird auch die“wolverportz“ (Wolferpforte) erstmals erwähnt, aus dem Jahre 1570 ist uns noch die „Greinges Pfortten“  – das frühere Falltor – als Tor des Palisadenzauns bekannt.

Der Mangel an Holz veranlaßte die Winninger 1568 zu einer Eingabe an die Landesherrschaft. Da zur „Befriedung des Fleckens zu viel Holz verbraucht würde und die Gemeinde nur über wenig Wald verfüge, baten sie darum, „daß Ihnen eine Ringmauer um den Flecken zu fahren gestattet werden möge“.

Dieses Gesuch wurde im Jahre 1570 nochmals wiederholt, da Herzog Wolfgang, dieser Bitte 1568 nicht entsprochen hatte.  Am 21.  August 1571 erklärten sich dann beide Landesherren einverstanden und „sollen sie solche (Ring-)Mauer dermaßen uffuhren, daß sie bestendig sei, wie ihnen dann darüber wie dick, breid und hoch sie sein soll, wann sie zum bawen gefast sonderlich Anweisung geschehen soll‘,-.  Bis 1513 hatte man wegen der jetzt … teuere(n) Jare“ mit dem Bau noch nicht begonnen, doch sollte man die Mauer „zu ehesten Gelegenheit ins werckh ziehen““.  

Das Geld war auch in den nächsten Jahren knapp, denn 1575 wurde verordnet, dass der Bürgermeister in Zukunft die Einnahmen „aus Ungeld und Acceis… zu keiner anderen Ausgabe, denn zum Pforten und anderes des Fleckens nothwendig bawen“- verwenden soll.  Nach einem Befehl von 1577 sollte die Mauer 13 Schuh hoch und 3 Schuh breit sein (entspricht einer Höhe von 3,78m und einer Breite von 87cm).  Der Vogt sollte darauf achten, daß es „ohne Zögern ins werck gesetzt werde“-. 1579 war ein Teil hergestellt, doch ungleichmäßig, was gerügt wurde. 1581 wurde auf den Abschluß der Arbeiten gedrängt, es fehlte noch die Mauer an der Moselseite, die“gleich wie sonst durch die erben, denen es zu thun gepurtt aufgefuiret werden“ sollte. 1583 wird noch angeordnet, daß die nunmehr bestehende Mauer überall gleich hoch gemacht und „mit Kalck fleißig beworffen werde“ .  Auch die Pforte beim Haus des Schiffer Jakob war noch zu errichten und die „Ruhel“ (schmaler Gang) „an der bach underm Fronhoff“ zuzumauem. 1585 wurde dieser Befehl unter Androhung von Strafe wiederholt“.

Da dies die letzte Nachricht über den Mauerbau ist, kann man mit Recht annehmen, daß die Ringmauer im Jahre 1585 fertiggestellt war.  Allerdings ist zu bezweifeln, daß die „ruhel am Fronhof’ jemals zugemauert wurde, da sich an dieser Stelle die 1634 und 1646 erwähnte Bachpforte, befand, eine schmale Pforte, die zumindest Fußgängern einen Zugang zur Mosel ermöglichte.

Auch die Ringmauer war durch einen Graben verstärkt.  Der Winninger Heimatforscher Dr. Richard Arnoldi hat festgestellt, daß der Weilsbom „den nassen Graben der Ostfront der Ringmauer“ , gebildet hat.  Ein weiterer Beweis ist das heute noch auf der Westseite des alten Fleckens verlaufende Grabenpfädchen.  Neben der bereits erwähnten Bachpforte gab es noch weitere neun größere oder kleinere Tore: die Oberwasserpforte (1634), später Hompforte (1779) genannt; die 1634 erwähnte sogenannte“andere Pforte“, 1732 Mauspforte genannt; das Kreynische Tor (1612),1634 Neupforte, Mitte des 19.  Jahrhunderts irrtümlich auch Mauspforte genannt; die Flurpforte (1626); die Wolferpforte (1587); Schnütts Pforten“ (1634) später Hahnenpforte (1779) genannt; die Fronpforte (1634); die Lenningspforte (1634) und ein Türchen beim Kratzenhof (vgl.  Karte).

Spätestens 1779 war die Wolferpforte mit einem Aufbau, dem Gemeindehirtenhaus, versehen; eine zweistöckige Wohnung „ohne Stall und Kelter“.  Dieses Haus brannte am 1. November 1811 mit drei anderen Häusern ab.

Zwischen Wolferpforte und Schtnitts Pforten (Hahnenpforte) befand sich der „Meußthurm“,-, ein weiteres „Thürmgen“, zwischen Hahnenpforte und Bachpforte.  Als man 1925 das sogenannte Eck zur heutigen August-HorchStraße (damals Kaiserstraße) verlängerte, nannte man diese Straße „Türmchenstraße“, da dieser Wachturrn in der Nähe gelegen hatte.

Der sogenannte Kratzenhof in der Nähe des Homtores war kein integrierter Bestandteil der Ortsbefestigung, wie Amoldi angenommen hat-.  Der Winninger Vogt Georg Gustav Zeiß berichtet am 3. August 1629, daß der Kratzenhof außerhalb des Fleckens liege.  Allerdings sei „in selbigem Hoff ein Loch oder T’hürlein, so durch die Ringmauer in Flecken gehet, welches man in der noth wan die Mussel (Mosel) groß ist, gebraucht wird“.

Das einzig noch erhaltene Tor ist das Homtor mit dem Schlußstein von 1750 (wohl damals renoviert). 1968 wurde dieses Tor wiederum renoviert und mit einem Turmaufsatz versehen. 

Neben dem Homtor dürften auch die zur Moselfront gelegenen Mauern Teile der ehemaligen Ringmauer sein.  Dies gilt mit Sicherheit für die innere Mauer des 1732 neu angelegten Friedhofs, welcher“entlang der Ringmauer angelegt wurde“.  Die obere Hälfte der Mauer hatte man damals abgetragen, um mit diesen Steinen die äußere Mauer des Friedhofs zu errichtend.

Gut erhaltene Teile der Mauer sind in den Höfen der Häuser Ecke Neustraße/ Bachstraße, hier sogar mit Schießscharten, sowie ober- und unterhalb der Hahnenstraße vorhanden.  Für Bewachung und Instandhaltung der Mauern und Tore waren die Winninger Bürger verantwortlich.  Bestimmte in der Nähe der Tore wohnende Einwohner hatten die Schlüsselgewalt.  Sie hatten die Tore morgens aufzuschließen und abends mit einem Klauster (Schloß) zu versehen.  In Friedenszeiten gingen zwei Nachtwächter durch den Flecken und wachten über den Schlaf der Winninger.

In Kriegszeiten wurden die Wachen verstärkt. 1634 war die Winninger Bürgerschaft in Rotten eingeteilt worden, welche unter Führung eines“Rottmeisters‘ die Tore und bestimmte Abschnitte der Mauer zu bewachen hatten-.  Wachvergehen wurden streng bestraft.

Auch die Instandhaltung und Reparatur der Mauer lag in den Händen der Einwohnerschaft.  Auf dem herrschaftlichen Baugeding des Jahres 1655 beklagte sich die Gemeinde über den Junker Boos, der die Ortsringmauer an seinem Garten machen lassen sollte, „wie andere Bürger schuldig seien“.

Heute stehen auf der Ostseite des Ortes von der Ringmauer nur noch spärliche Reste.

Blick zum Horntor aus der Friedrichstraße um 1900
Die Winninger Ringmauer
Horntor um 1955

Horch-Geburtshaus

Hier wurde August Horch geboren, hier stand dereinst die Schmiede seines Vaters, hier machte August Horch seine Lehre und von hier aus wurde „AUDI“ zur Weltmarke.

„Ich baute Autos“ heißt das Buch, in dem August Horch sein Lebenswerk beschrieben hat. Als Autopionier der ersten Stunde hat er maßgeblich die Entwicklung der weltweiten Automobilität beeinflusst.

August Horch war ein Automobilingenieur der ersten Stunde, der es verstand, bemerkenswerte technische Neuerungen entschlossen durchzusetzen. Er hat dabei dem Motorwagen auf dem Weg zum Automobil entscheidende Impulse mitgegeben. Horchs erste eigene Konstruktion war ein sogenannter „stoßfreier Motor“. Auf dem Feld des Antriebs war er einer der ersten, der die Kardanwelle zur Kraftübertragung nutzte. Außerdem wurden bei Horch-Fahrzeugen von Anfang an Kurbel- und Getriebegehäuse aus Leichtmetallguss und hochfeste Stähle für die Zahnräder verwendet. August Horch ging es immer um praktische Nachfolgeverbesserungen am Automobil. Er wollte bessere Gebrauchseigenschaften für seine Fahrzeuge umsetzen und das immer in der besten Qualität. Seinen Leitsatz, dass er „unter allen Umständen nur große, starke und gute Wagen bauen wolle“, hat Horch zielgerichtet verwirklicht.

August Horch kam am 12. Oktober 1868 in diesem Haus zur Welt. Er lernte zunächst den Beruf seines Vaters. Für das Schmiedehandwerk aber ungeeignet, begann er nach einigen Wanderjahren sein Studium am damals sehr bekannten Technikum Mittweida. Dort schloß er als Betriebsingenieur ab und arbeitete für verschiedene Konstruktionsbüros in Leipzig und Rostock. Sein besonderes Interesse galt dem mobilen Einsatz des Verbrennungsmotors, der damals noch eine unförmige Maschine war.

Museum Winningen: http://www.museum-winningen.de

Film über August Horch im SWR: https://www.youtube.com/watch?v=TCMH1wK9

Promis der Geschichte (MDR) August Horch erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=0L4nGfMhiOE

August Horch, Gründer von AUDI. Foto: Museum
Sieger Alpenfahrt 1914 (Foto: Museum Winningen)
Alpenfahrt 1914 mit August Horch am Steuer (Foto: Museum Winningen)
August Horch wäre sicher stolz auf dieses Luxusgefährt. Foto: AUDI
Der Name Horch steht wieder auf einem Auto: AUDI A8 L. Gebaut für den chinesischen Markt. Foto: AUDI
Mit dem Namen "Horch" verbindet AUDI höchste Qualität. Foto: AUDI
Der AUDI A8 L Horch wird in Deutschland gebaut. Foto: AUDI

Der Fronhof

Als 989 der so genannte Fronhof mit Äckern und Weinbergen vom Kölner Erzbischof Everger an die Abtei Groß Sankt Martin zu Köln verschenkt wurde, bestand er sicherlich schon einige hundert Jahre. Ursprünglich war er im Besitz des Viktorklosters zu Xanten.

Die Besitzer des Fronhofes waren nicht nur die größten Grundbesitzer in der Gemarkung, sondern besaßen auch „grundherrliche Rechte* über die Gesamtgemeinde, was sich in Auseinandersetzungen der Abtei Sankt Martin bzw. (seit ihrem Verkauf 1562) des Erzbischofs von Trier mit den Grafen von Sponheim widerspiegelt. Bis Ende des 18. Jahrhunderts versuchte Kurtier immer wieder, landesherrliche Rechte aus dem Besitz des Hofes abzuleiten, was jedoch von den Landesherren erfolgreich abgewehrt wurde.

Als zentraler Ort in alter Zeit wurden auf dem Hof nicht nur das einmal im Jahr auf „Dienstag nach Johannis Baptiste“ stattfindende Hof- oder Baugeding unter Vorsitz des Hofschultheißen abgehalten, sondern auch das ebenfalls einmal im Jahr abgehaltene „herrschaftliche“ Baugeding unter Vorsitz des Winninger Vogtes bzw. der Amtmänner und Oberamtmänner zu Kastellaun und Trarbach.

Diese besondere Stellung des Hofes schlägt sich auch in den Hofweistümern nieder, in denen die allgemeinen Rechte und Privilegien wie auch die Pflichten der „Höfer“ festgehalten waren. Von den alten Rechten, die Kurtrier nach dem Ankauf von 1562 in die Neuzeit retten konnte, ist das sogenannte „ius asyli“ zu nennen. Jeder Verfolgte konnte sich aufgrund dieses Rechtes in den Hof begeben und war damit der landesherrlichen Jurisdiktion zunächst entzogen. Damit dies auch bei geschlossenem Tor erfolgen konnte, war unten am Tor eine Klappe angebracht, durch welche man auf dem Bauch kriechend hinein gelangen konnte.

Ein kurtrierischer Beamter berichtet dazu im Jahre 1765: „Der Hof zu Winningen ist ein Freihof. Dies beweist das auf dem äußeren Tor angeschlagene Wappen und darunter verzeichnete „SA[L]VAE garde“ (und] das an diesem Tor stets aufbleibende kleine Türchen, wo einer durchschlüpfen kann.

Wenn der eine oder andere Bürger zu Winningen das Leben verwirkt und sich bei Tag oder Nacht in den Hof flüchtet, so ist solcher frei und darf von dem Vogt nicht mit Gewalt hinausgeführt werden, es sei denn, daß er ausgeliefert würde. Dieser Fall hat sich aber bis dato, soviel ich mich erinnern kann, nicht zugetragen. 

Was der Winninger Amtmann davon hielt, zeigt eine Episode aus dem Jahre 1756. Er entfernte kurzerhand das unter dem kurtierischen Wappen an der Fronhofpforte angebrachte Blech mit der Aufschrift „Salve guarde“ und hatte stattdessen ein Blech mit der Aufschrift „Zoll- und Wegegeld“ angebracht, wie es an Zollstellen üblich war. Nach kurtrierischem Protest musste das alte Blech jedoch wieder angeschlagen werden. Als um 1780 ein neues Tor angefertigt wurde, nutzte Amtsverwalter Kröber die Gelegenheit. Auf seine Veranlassung musste die Klappe an dem neuen Tor „weggelassen“ werden.

Neben diesen Besonderheiten war der Fronhof ein Wirtschaftshof wie die anderen Weinhöfe auch. Die zum Hof gehörenden Ländereien und Weingärten wurden verpachtet. An der Spitze der Pächter stand der Fronhofschultheiß, der im Hof wohnte und als oberster Verwaltungsbeamter für den Gesamtablauf verantwortlich war. Beginnend mit einem „Conradus“ aus dem Jahr 1149 über Hermann Daun im Jahre 1562 sind seit Beginn des 17. Jahrhundert Cornelius Sturm bzw. dessen Nachfahren mit dem Amt betraut. Im 18. Jahrhundert sind es Mitglieder der

Familie Saas. Bei Einberufung eines Hofgedings waren neben einem kurtrierischen Beamten (oft Kellner genannt) der Hofschultheiß und die Hofschöffen geladen, welche dann die Weinberge besichtigten. Danach kehrte man in den Hof zurück, wo alle Höfer erscheinen mussten. Es wurden alle namentlich aufgerufen; wer fehlte, wurde bestraft. Auch „diejenigen, die ihre Weinberge nicht in gutem Bau halten, werden dreimal ermahnt, ist dann der Mißstand nicht abgeschafft, so wird demjenigen der Weinberg abgenommen und einem anderen übertragen.“

1657 wird die Gesamtfläche an Weingärten mit 58 Morgen angegeben, daneben fallen auf den Fronhof 5 Fuder 5 Ohm an ständigen Weingefällen sowie Teile des Zehnten (Fronhofszehnt). 1776 sind die Weingärten an 155 Pächter (Höfer) verlehnt, die überwiegend ein Drittel der gelesenen Trauben an den Hof abliefern mussten. Die Verwaltung und das Hofgericht wird neben dem Hofschultheißen Georg Peter Saas von sieben Hofschöffen übernommen.

Die Familie Saas übernahm den Hof beim Verkauf bzw. der Versteigerung durch die französische Domänenverwaltung im Jahre 1803. Bei der Versteigerung des kurtrierischen Fronhofs mit Hof und Zubehör, einem Kelterhaus und einem Garten von 2 Ar 16 Centiar Größe“ hielt der bisherige Pächter und Winzer Johann Peter Saas für 6.100 Francs den Zuschlag. Das direkt neben dem Wohnhaus gelegene riesige Kelterhaus wurde um 1895 abgerissen und an dessen Stelle eine Weinkellerei eingerichtet. 1965 heißt es: „Der Fronhof befindet sich im Besitz der Familien Eduard Hautt und Gottfried Kröber. Im Fronhof wurde eine historische Weinstube eingerichtet unter der Firmierung „Hexenkeller’. Zum Moselfest ist es die gute Stube des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Spitzenweine werden kredenzt. Gemeindekörperschaften halten turnusmäßig ihre Sitzungen im Fronhof Hexenkeller ab.“ Im Wohngebäude befinden sich heute die Gaststätte „Klein´s Fronhof“ und daneben der „Winninger Weinkeller“. Der „Hexenkeller“ am Weinbrunnen öffnet seine Pforten anlässlich des Winningen Moselfestes.

Quelle: Rainer Garbe „Beiträger zur Ortsgeschichte“ von den Ursprüngen bis in die Gegenwart. Die Chronik kann in der Gemeindeverwaltung oder beim Siglinde Krumme-Verlag erworben werden.

Fronhof im Lichterglanz. Foto: Lammai
Wappen über Toreinfahrt am Fronhof. Foto: Lammai

St. Florin

Die erste Nachricht über Güterankäufe des Stifts Sankt Florin zu Koblenz geht zurück auf das Jahr 1320. Am 12. April 1320 verkauften der „Wepeling“ (=niederadlige Knappe, Edelmann) Everkard von Lahnstein und dessen Ehefrau Heylewig, beide in Winningen wohnhaft, dem Kapitel des Stifts drei Weingärten für den Kaufpreis von 18 Mark. Gleichzeitig erhielten sie diese gegen Zahlung einer jährlichen Pachtsumme von 18 Solidi als erbliches Lehen zurück. 

Drei Jahre später erwarb das Kapitel von den Winninger Eheleuten Sibert und Grete einen auf einer Wohnung und zwei Gärten liegenden Zins von jährlich 27 Solidi für 22 Mark und 6 Solidi. Im Jahre 1332 wurde vom Winninger Schöffengericht bestätigt, dass ein dem Johann von Trier, einem Wepeling“ von Dieblich, verkaufter Wingert in der Winninger Gemarkung (wohl einer der beiden oben erwähnten Weingärten) dem Kapitel mit einem Jahreszins von 18 Solidi verpflichtet sei. Diese Urkunde ist darüber hinaus von Interesse, da sie „ante portam curtis“, d. h. vor dem Tor des Hofs, bezeugt worden ist. Daraus darf man schließen, dass Sankt Florin bereits 1332 einen Hof in Winningen besaß.

In der Folgezeit wurde weiterer Grundbesitz erworben. 1487 nannte das Stift 13 Weingärten sein eigen. Weinzinsen wurden dem Stift aus einem Weinberg im „Seifen“ geliefert, Geldzinsen erhielt es von 13 Winninger Bürgern, die auch die dem Stift gehörenden Weingärten bebauten. Eine Aufstellung aus dem Jahre 1527 über die Einkünfte aus dem Grundbesitz des zum Stift gehörenden und von ihm verwalteten Winninger Kelterhauses bestätigt den Ertrag von 13 Weingärten sowie Weinzinsen von einem Weinberg. Geldzinsen erhielt das Stift nun lediglich von vier Weingärten und einem Obstgarten. 

St. Florin hat auch in den nächsten Jahrhunderten weiteren Grundbesitz erworben, der zum Teil mit dem Hofgut, zum Teil auch an verschiedene Bauleute verlehnt wurden. Nach einer Aufstellung der Stiftsgüter zu Winningen vom Ende des 18. Jahrhunderts gehörten zum Besitz neben Haus, Hof und Garten 27 Wingerte mit 12.115 Weinstöcken, darunter zwei von zusammen 2 Morgen Fläche ohne Angabe der Stockzahl. Wenn man pro Morgen 4.000 Stöcke rechnet, hat die Gesamtstockzahl 20.115 betragen. Im Jahre 1795 wird diese mit 22.490 und im Jahre 1802 mit 24.900 angegeben. Der Reinertrag des Stiftes aus diesem Besitz belief sich im Jahre 1590, einem guten Weinjahr, auf ein Fuder Weißwein, im 18. Jahrhundert „in guten Jahren“ auf 2,5 Fuder. 1733 betrug der Reinertrag 1,5 Fuder.

Von der Verpachtung des Hofs zusammen mit fünf Weingärten erfahren wir das erste Mal genaueres im Jahre 1546. „Uff montagh nach dem heiligen Palmtag“ verlehnten Dechant und Kapitel des Stifts St. Florin ,,den ehrbaren Leuten Johan Crovern und Trinen seiner ehelichen Hausfrawen, ihren Erben und Nachkommen Haus, Hof, Kelterhaus, Scheuer und Garten daran zu dem Dorf Winningen, darzu etliche Wingarten in dem Bezwanck und Marken“. Die Eheleute verpflichteten sich, das Anwesen „an Dachen Fachen und Gemathen“ in Ordnung zu halten und dem Stift „alle und iegliches Jars“ den dritten Teil des „Gewächses* abzuliefern. Auch versprachen sie, die Lesezeit rechtzeitig anzuzeigen, damit das Stift auf eigene Kosten einen Windelboten bestellen und durch diesen „Weinmann“ die Ernte vor der Kelter oder gleich in den Weingärten aufgeteilt werden konnte. Auch behielt sich das Stift zur Herbstzeit ein Wohn-und Nutzungsrecht im Hof vor, woraus den Lehnsleuten jedoch kein finanzieller Schaden entstehen sollte. Die Weingärten waren „in gutem Bau“ zu halten, „als mit roden, setzen, proffen und ander gewonlicher arbeit. Alle zwölf Jahre war einer der Wingerte mit Wissen des Stifts zu misten. Falls dies vor dem St. Johannistag geschah, sollte die gesamte Ernte des betreffenden Weingartens den Eheleuten verbleiben. 1546 wurden auch die übrigen elf Weingärten desStifts an die Winninger Eheleute Thoniges und Trine Sael sowie Friederich und Gutgen von „Wiriges“ verlehnt. 

In der beschriebenen Art und Weise ist das Hofgut auch in den nächsten Jahrhunderten verpachtet worden. Man sollte annehmen, dass auch der Florinshof – wie alle anderen geistlichen Güter – von den französischen Verwaltungsbehörden eingezogen und öffentlich an den Meistbietenden versteigert worden ist. Die Verkaufsprotokolle geben darüber jedoch keine Auskunft. 1817 sind Philipp Karl Hauths Witwe Caroline (geb. Mölich) und Christian Hauth (*1785), ein lediger Bruder Philipp Karls, als Eigentümer nachgewiesen.

Von den alten Gebäuden sind noch Teile des ursprünglichen Mauerwerks und des Dachstuhls vorhanden.1679 war der Hof „in ziemblich bauw“. 1779 wird er als ein zweistöckiges Wohnhaus nebst daran und darunter gebautem Kelterhaus und Stallung“ beschrieben. Nach der damaligen Schätzung des Gebäudekomplexes auf 800 Florin muss es ein recht ansehnliches Anwesen gewesen sein.

(Quellenauszüge: Rainer Garbe: Winningen –  „Beiträge zur Ortsgeschichte“)

Anmerkungen: 1834 teilte die Witwe Carolina Catharina Huth das Anwesen für ihre beiden Töchter, die gleichzeitig geheiratet haben, in den oberen Teil (Osterstraße 6) und den unteren Teil, Fronstraße 3. Das alte Hofgebäude in der Osterstraße 6 wurde in den 1920er Jahren größtenteils abgerissen und durch einen Neubau für eine Bäckerei ersetzt. 2005 wurde das Haus grundlegend umgebaut.

Die ehemaligen Wirtschaftsräume in der Fronstraße 3 wurden 1836 zum Wohnhaus umgebaut und bis zum Anfang des 20. Jahrunderts als Weingut genutzt.

 

Urkunde über eine Verpachtung aus dem Jahre 1564
Ehemaliger Florinshof um 1900
Bäckerei Brost. Quelle: "Darf es etwas mehr sein", von Martina Kröber, Vinothek Winningen
Entwurf vom Winninger Architekten Bernhard zum Neubau der Bäckerei. Quelle: "Darf es etwas mehr sein", von Martina Kröber, Vinothek Winningen

Der Zehnthof

1174 wird anlässlich der Übertragung des Einsetzungsrechtes der Hofschultheißen auf den Stiftshöfen Traben und Kesselheim erstmals Besitz des Marienstifts Aachen in Winningen genannt (pactum vero de Keszelheim et eius appenditio Winningen“). Die Winninger Besitztümer sind wohl damals von Kesselheim aus verwaltet worden. Doch schon 1180 können die „fratres Aquanes“ (Brüder des Marienstiftes Aachen) ihren Besitz erweitern, als sie nach einem Güterstreit mit den Augustinerchorherren zu Lonnig durch Vermittlung des Trierer Erzbischofes Arnoldus I. (1169-1183) einen Hof mit einem Weingarten erhalten. Es ist anzunehmen, dass dieser Hof gleichbedeutend mit dem Zehnhof ist.

Neben dem Eigenbesitz von Hof und zwei Morgen Weingärten stand dem Marienstift der sogenannte Zehnte zu, d.h. der zehnte Teil der gelesenen Trauben bzw. Feldfrüche. Diese waren auf dem Zehnthof abzuliefern. Möglicherweise geht der Besitz und das Recht, den Zehnten einzuziehen, auf eine Schenkung König Zwentibolds (895-900) zurück. So ist es zumindest einer Bestätigungsurkunde aus dem Jahre 1226 zu entnehmen. Ein Großteil des Ertrages wendete das Stift als Patronatsherr der Kirche zur Unterhaltung der Gebäude wie auch zur Bezahlung der Pfarrer auf. Diese Pflichten hatte man als Zehntherr auch nach Einführung der Reformation im Jahre 1557 weiterhin zu tragen.

Der im „Orsdorff“ gelegene Hof war, wie allgemein üblich, an so genannte Hofpächter oder Hofmänner verpachtet, die gegenseitigen Rechte und Verpflichtungen in Verträgen genau festgelegt. So wissen wir von Peter „Uoeff“ (oder „Vorff“), der 1475 auf 12 Jahre mit dem Hofgut belehnt wurde, dass er jedes Jahr im Herbst den Herren „ziemliche Bettung und Hausrat“ geben soll, darüber hinaus das Haus instandhalten und zwar „soviel ein Mann in 2 Tagen machen kann“. Die den Herren eigenen Weingärten soll er auf eigene Kosten bebauen und ihnen jährlich 5 Ohm von den besten Weinen liefern. Auch soll er von dem „auf dem Berg fallenden Früchtezehnten“, der dem Stift zur Hälfte zusteht, 4 Malter Korn und 3 Malter Hafer „zu Sankt Remeygnisse“ liefern. Hält der Hofmann alles „getreulich“ ein, erhält er vom Stift jährlich „5 Ellen Tuch zu einem Rock“.

 

In ähnlicher Form sind 1546 Thiel Reuter, 1549 Johann Mulner, 1672 Hans David Hofbauer,1688 Jeremias Hofbauer und 1758 Philipp Anton Gail mit dem Hofgut belehnt worden. Die Belehnungsurkunden weisen eine Besonderheit auf. Als Zehntherr hatte man gegenüber der gesamten Gemeinde die Verpflichtung, einen Stier zu halten. Diese Verpflichtung war dem Hofpächter übertragen worden.

Bereits seit 1549 findet sich in den Belehnungsurkunden der Passus, dass der Pächter auch einen Stier „wie von alters“ her gebräuchlich zu stellen, „unnd denselben auff Seine Kosten halten“ solle. Im Herbst hatte er den Stier zu schlachten und die Zehntträger damit zu verköstigen. Sollte er von der Gemeinde gezwungen werden, noch einen zweiten „Ochsen zu behoeft dess Viehes zu heuren (hier im Sinne von: unterstellen], so solle er beständig solchen Ochsenheur verrechnen, unnd ein Mitr. [Malter] haber (Hafer] jährlichs zu Unterhaltung des Ochsens geniessen“.

Dass die Zehntträger und alle sonst Beteiligten nach der Weinlese nicht nur anständig gegessen, sondern auch getrunken haben, ersieht man aus einer Notiz des Jahres 1787, als 9 Zehntträger in gut 10 Tagen 9 Ohm Wein (1.440 Liter) vertranken. Bei dieser Menge sind sie wohl von vielen Winningern „unterstützt“ worden. 

Der „Aachener Zehnthof* wird im Jahre 1779 als ein zweistöckiges Wohnhaus mit Kelterhaus und Stallung beschrieben. Um 1796 ist Christian Müden Pächter. Im Zuge der Versteigerung durch die französische Domänenverwaltung im Jahre 1805 kommt der Hof in Besitz von Winninger Bürgern. Anfang der 1960er Jahre drohte der Abriss des ruinösen Anwesens. Durch eine grundlegende Renovierung konnte dies abgewendet werden, so dass der „Zehnthof auch heute noch als das älteste Wohngebäude Winningens gilt.

Mit den wenigen verbliebenen Doppelarkaden-Fenstern ist er ein wertvolles Zeugnis der spätromanischen Architektur.

Der ehemalige Zehnthof befindet sich heute in Privatbesitz.

Quellenauszüge: Rainer Garbe – Winningen – Beiträge zur Ortsgeschichte

Grundriss Zehnthof

Wie alles begann

Die geologische Geschichte der Felsen, die sich heute so imposant über die Mosel erheben und denen die Rieslingweine ihren einzigartigen Charakter verdanken, beginnt im Zeitalter des Devon. Vor 400 Millionen Jahren, also noch 150 Millionen Jahre vor dem Zeitalter der Dinosaurier, lag unser heutiges Europa innerhalb der tropischen Klimazone im Bereich des 25. Längengrads südlich des Äquators. Das eigentliche Leben dieser Zeit spielte sich im Meer ab, auf dem Land lebten nur insektenartige Wesen und erst ganz langsam begannen Pflanzen das Land zu erobern. Die im Uhlen heute schräg aufgerichteten Schieferformationen waren der Boden eines tropischen, nun lang vergangenen Meers. Aber nicht nur der Uhlen, das gesamte Rheinische Schiefergebirge ist aus diesem Meer entstanden, das sich seinerzeit so weit nach Osten und Westen erstreckte, dass wir seine Ablagerungen heute von Polen bis Portugal nachweisen können.

Jedes Meer hat eine Küste. »Unsere« Küste lag im Norden, etwa auf der Linie Aachen-Köln. Von hier aus erstreckte sich nach Norden ein Kontinent, der aufgrund seiner roten Gesteine dem Geologen als »Old-Red« bekannt ist, der »alte rote Kontinent«. In dieser gebirgigen Landschaft herrschten vorwiegend wüstenartige Bedingungen. Die Berge hoben sich durch tektonische Kräfte und wurden im Laufe der Jahrmillionen durch Wind und Wetter abgetragen. Es existierte ein großes Flusssystem, das Sand und Schlamm des verwitternden Kontinents über ein riesiges Delta, vergleichbar dem heutigen Nil-Delta, in unser Meer, den sogenannten »Rheinischen Trog« schüttete. Dieser senkte sich über die Jahrmillionen immer weiter ab und nahm einen Sedimentstapel auf, der bis zu 14 Kilometer mächtig ist. Die Südgrenze des Rheinischen Troges bildete ein vulkanischer Inselbogen, die »Mitteldeutsche Schwelle«. Sie liegt südlich vom heutigen Hunsrück und Taunus, ist allerdings nicht mehr sichtbar, da sie unter den weitaus jüngeren Schichten des Saar-Nahe-Gebietes und des Mainzer Beckens begraben liegt.

Von den mächtigen Sedimenten sind am Uhlen gerade mal 750 m »aufgeschlossen«, wie der Geologe sagt, d.h. für den Beobachter zugänglich. Eingebracht in die geologische Zeitordnung gehören sie in das System Devon, und hier in die Serie Unterdevon. Das Unterdevon begann vor ca. 410.000.000 Jahren und endete vor 392.000.000 Jahren. Die Zeit kurz vor Ende des Unterdevon wird das Emsium genannt. In dieser Zeit wurden im Rheinischen Trog diejenigen Sedimente abgelagert, die, zu festem Stein geworden, heute aus der Mosel aufragen….

Mit Hilfe von Fossilien lässt sich das Emsium weiter unterteilen. Auch der Werdegang des Meeres bzw. des Ablagerungsraumes lässt sich heute relativ genau rekonstruieren. Untenstehende Tabelle gibt eine Übersicht über die einzelnen Sedimente auf der Zeitschiene. Durch die Kontinentaldrift war die Erdkruste ständig im Wandel und in Bewegung. Im Karbon vor ca. 325.000.000 Jahren, kollidierten schließlich zwei große Kontinentalplatten. Aus Laurussia, dem »Old-Red-Kontinent« und dem südlichen Gondwana bildete · sich der Super kontinent Pangea. Die beiden Küsten„nseres“ Meeres wurden dabei zusammengepresst, so dass ein breiter Falten- und Überschiebungsgürtel entstand. Durch die gewaltigen Drucke wurde aus den Meeressedimenten der Fels des Rheinischen Schiefergebirges „geschiefert“. Dabei wurden die einst horizontal auf dem Meeresboden abgelagerten Kieselgallen-Schiefer Schichten teilweise völlig aus ihrer Unterstufe ursprünglichen Lage herausgedreht. Im Bereich des Uhlen verzeichnen wir eine quasi „über Kopf“- Rotation von 135° in Richtung Süd-Osten. Bei den so schräg anstehenden Schiefern liegen daher heute die älteren Schichten oben auf. Im Laufe der Jahrmillionen wurde das Rheinische Schiefergebirge gehoben und zum Teil auch wieder abgetragen, so wie es einst dem Old-Red geschehen war. Vor 800.000 Jahren begannen schließlich die Flüsse Rhein und Mosel sich in ihre heutigen Täler einzuschneiden. In diese Zeit datiert auch der Beginn des Eifel-Vulkanismus, der erst vor 13.000 Jahren mit einer gewaltigen Eruption des Laacher-See- Vulkans zum erliegen kam. Im Bereich der heutigen Weinbergslage Uhlen ist die gesamte Schichtenfolge von den Rittersturz-Schichten bis zu den Flaserschiefern durchgehend erhalten. Wandert man den Weinberg entlang, so fasziniert der Wechsel der Gesteine von harten, rötlichen Quarziten am Belltal über fossilhaltige, graue Steine zu weichen, dunkleren Tonschiefern kurz vor der Autobahnbrücke. Die mikroklimatischen Verhältnisse in den verschiedenen Bereichen des Uhlen sind relativ gleich. 

Der terrassierte Steilhang bildet ein gigantisches Amphitheater mit einer Hangausrichtung von Süd-Westen nach Süd-Osten. Abgesehen von einer kleinen Störung im Bereich der Mündung des Belltals sind die Weinberge von herab fallenden kalten Winden durch einen Waldgürtel geschützt, der durch seine Pufferwirkung auch eine wichtige Funktion für die Wasserversorgung innehat. Die hohen Weinbergsmauern und die bodenbedeckende Schotterschicht, der Kummer, schützen optimal vor Erosion. Sie sorgen auf der anderen Seite durch ihre Fähigkeit, die tagsüber akkumulierte Sonnenenergie in der Nacht wieder langsam abzugeben, für extrem hohe Temperaturen in Boden und Pflanzen. Die so entstehenden „heißen“ Böden bewirken einen früheren Austrieb der Reben mit einer entsprechend längeren Vegetationsperiode, die eine optimale physiologische Reife der Trauben ermöglicht. Wissenschaftliche

Untersuchungen bescheinigen denn auch dem Uhlen die höchste Assimilationsleistung der gesamten Mosel. Die knapp 600 mm an Niederschlägen – davon ca. 250 mm während der Vegetationsperiode – sind ein guter Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Rebe nach optimalen Wachstumsbedingungen und dem Wunsch der Weinliebhaber nach einem expressiven Terroirgeschmack. Denn nur wenn die Pflanze auf der Suche nach Wasser gezwungen ist, tief in den Schiefer zu wurzeln, wird aus den Felspalten ausreichend „Terroir“ in die Trauben transportiert. Daher ist auch der Winzer ein wesentliches Element dieses Systems: Er muss dafür Sorge tragen, dass sich die Reben aus den Schiefern und nicht aus zugegebenen Düngern ernähren. Und durch seine Antwort auf die Fragen nach Art, Erziehung und Alter der Reben, nach der Anzahl der Rebstöcke pro Flächeneinheit, der Erntemenge und schließlich der Vinifikation entscheidet es sich, ob die Rieslinge aus dem Uhlen letztendlich dazu in der Lage sind, das faszinierende Geschmackspektrum der 400 Millionen Jahre alten Meeresböden für unsere Sinne erfahrbar zu machen.

Auszug aus „Erste Lage Uhlen“ – von der Geologie zum Terroir von Dr. Ralf Kröll und Reinhard Löwenstein, VDP-Weingut Heymann-Löwenstein (www.heymann-loewenstein.com)

Panoramaaufnahme Uhlen im Winter. Foto: Lammai
Tafelkoralle mit Schmarotzerwurm. Foto: Lammai
Kalkablagerungen von Meerestieren
Schieferformation

Rommersdorfer Hof

Die Abtei Rommersdorf wurde von ihren mutmaßlichen Stiftern, den Herrn von Isenburg, die als Untervögte der Pfalzgrafen und auch als Vögte des Erzstiftes Trier in fast allen linksrheinischen Orten um Koblenz erscheinen, mit reichem Landbesitz ausgestattet.

Für das Jahr 1204 ist solcher auch in Winningen erstmals bezeugt. Bereits im Jahre 1221 befreite Graf Heinrich von Sayn die in der Gemarkung Winningens liegenden Güter der Abtei von den Abgaben (Weinbede), welche die Einwohner sonst zu bezahlen hatten. Im Jahre 1257 bestätigte Papst Clemens IV. der Abtei die Besitzungen und Rechte in der Gemeinde.

Einen im „Horsdorph“ gelegenen Hof, auf den die Abtei bei dem Kardener Scholaster Ludwig von Schubach (1251-1272) eine Hypothek von 100 Denaren aufgenommen hatte, überließen die Prämonstratenser im Jahre 1282 dem Stift Karden, weil sie eine jährliche Rente von 10 Mark wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht aufbringen konnten. Das Stift leistete bei der Übernahme des Hofes eine Zahlung von 20 Mark. 618 Jahre später scheinen diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht mehr bestanden zu haben, denn im Jahre 1300 erwarb die Abtei für die Kaufsumme von 40 Mark, die jedoch in einen Zins von 4 Mark (jährlich?) umgewandelt wurden, von Paulina von Winningen, der Witwe des Ritters Heinrich, genannt „,Hunschewin“ von Lahnstein, deren ebenfalls „zu Horsdorf“ gelegene Hofstatt, die Gobelinus, genannt „Horschebeur“ bewohnte. Zu dem Hof gehörten ein Garten, von dem ein jährlicher Zins von 12 Solidi und 3 Gänsen zu zahlen war, ferner 4 Weingärten in den Distrikten „maior Reupzeche, minor Reupzeche, Helde (und] am Herweche“. Der Hof mit dem Garten und den vier Weingärten sowie einem weiteren „anme camero“ (Kammert) gelegen, wurde im Jahre 1331 dem Werner, genannt „Wenze“, einem Knappen von Steverin, für den genannten Zins erblich verpachtet. Danach wird dieser Hof in den vorhandenen Urkunden nicht mehr erwähnt.

In den Urkunden des 15. Jahrhunderts werden lediglich Weingärten verlehnt. So belehnten Abt und Konvent der Abtei im Jahre 1467 den Bürger Peter Wirich und dessen Ehefrau Crissaem mit Weingärten im Kamerait, in den Awen, im Sand, in dem Muregen [Mäuerchen und im Profigin“ mit einer Gesamtfläche von 1 Morgen sowie 3 Stücken Land. In den nächsten Jahren konnte das Kloster seinen Winninger Grundbesitz. durch Ankäufe und Überschreibungen erweitern, der größte Zuwachs fiel ihm jedoch auf dem Wege der Erbschaft zu.

Der Grundbesitz der Abtei, der sich durch die Erbschaft des Abtes Thomas von Dieblich von ehemals 5 Weingärten und „3 Stücken Land“ erheblich vergrößert hatte, wird 1612 mit einer Gesamtgröße von 4 Morgen 2 Viertel Weingärten, 4 Morgen Hecken, Wiesen und „einem Stück Garten* angegeben. Der reine Ertrag, den die Hofleute der Abtei ablieferten, belief sich im Jahre 1689 auf 3 ½ Ohm Rot- und 8 ½ Ohm Weißwein (1 Ohm hatte zwischen 130 und 170 Liter). 1741 wird die „Crescentia“ mit 3 Fuder ( 1 Fuder sind etwa 1000 Liter) Weiß- und 2 Ohm Rotwein angegeben.

Wie alles klösterliche Eigentum sollte der Grundbesitz zusammen mit dem Hof von der napoleonischen Departementverwaltung versteigert werden. Zu einer Versteigerung des Grundbesitzes, der in den französischen Akten mit einer Gesamtgröße von 1,7438 Hektar, dabei 11.270 Weinstöcke, angegeben wird, kam es am 6. Oktober des Jahres 1804. Die bisherigen Pächter Bartholomäus Brost und Nikolaus Löwenstein ersteigerten die auf 3.500 Franes geschätzten Güter für 6.025 Francs. Die Gebäude, die zum Teil noch heute erhalten sind, tragen in einer ersten Häuseraufnahme aus dem Jahr 1779 die Hausnummern 114 (Rommersdorfer Hof) und 115 (aus des Bartholomäus Brost). Diese alten Hausnummern entsprechen den heutigen Hausnummern 6-8, 10-12 und 14 in der Bachstraße.  Nachdem das Haus einmal geteilt und mit den Hausnummern 6 und 8 versehen worden war, bildet es heute unter der Anschrift Bachgasse 6 wieder einen Komplex.

Seit 1963 gibt es in dem ehemaligen Kelterhaus der Abtei Rommersdorf das Speise- und Weinlokal „Brunnenklause“. Bei den Umbauarbeiten wurden zahlreiche Weinkrüge aus dem 14. und 15. Jahrhundert gefunden.

(Auszüge aus: Rainer Garbe, Klöster und Adel als Grundbesitzer – Historische Weinhöfe und ihre Pächter – Beiträge zur Ortsgeschichte)

Heute Gaststätte, damals Kelterhaus. Foto: Lammai
Beim Umbau 1963 gefunden. Weinkrüge aus dem 14./15. Jahrhundert. Foto: Lammai
Weinkrüge aus dem 14./15. Jahrhundert. Foto: Lammai

St. Peterhof

Im März 1250 verkauft Werner, Sohn des Schultheißen von Soest, dem Domkapitel zu Köln seine Besitzungen zu Winningen. Dies wird in einer weiteren Urkunde von Graf Adolf von Berg und seiner Gemahlin Margarethe bestätigt, indem sie ein Besitztum des Ritters Werner von Soest zu Winningen aus dem Lehnsverbande entlassen, um es frei an das Domstift zu übertragen. 1570 heißt es: Ein Hof, außerhalb des Fleckens Winningen, genannt „Orßberch“, liegt auf der Gassen und wird Sankt Peter Hof von Köln genannt. Zum Hof gehören ein Kelterhaus mit zwei großen Keltern mit ihren Schiffen und „büdden“ und ein Weinhaus. Haus und Hof sind noch in gutem baulichen Zustand, jedoch muss das Dach des Kelterhauses der „Weinschop mit seinen anhengen und Stellen“ bald repariert werden. Der Hofschultheiß achtet auf die zum Hof gehörenden Weingärten und Gerechtigkeiten, keltert die Trauben und bringt den Wein in die Fässer. Dafür hat er freie Wohnung und jährlich „ein Kleidung“. Das Domstift muss den Hof im Bau halten und die Unkosten im Herbst tragen. Das Hofschulteißenamt haben 1570 die Witwe Peter Polchers und deren Sohn Peter inne (wohl vom verstorbenen Hofschultheißen Peter Polcher übernommen). Alle diejenigen, die Weingärten samt den Pachtweingärten inne-haben, sind „Huever“ (Höfer) des Hofs und verpflichtet, auf Sankt Peter und Paul zusammen mit dem Hofschultheißen das Hofgeding abzuhalten. Schlecht bebaute Weingärten können dem Lehnsmann von der Höferschaft entzogen werden. 

Wer vor „Johannis Baptiste“ [=24. Juni] seinen Weingarten mistet, darf für dieses Jahr das [sonst] abzugebende Drittel der Ernte behalten.Auf dem Hofgeding des Jahres 1664 beschwerte sich der Vertreter des Domstifts, Peter Holt, dass die Höfer ohne Wissen des Domstifts die Weingärten „verhandeln und verkaufen“ oder an andere übertragen. Er versuchte aufgrund eines alten Registers des Jahres 1564 den Nachweis zu führen, dass die Weingärten Pachtgut seien. Die Höfer dagegen glaubten, dass es eine Erblehnung wäre und begehrten, dass es dabei bleibe.“ Im Jahre 1766 sind neben dem Hofschultheißen 46 „Bauleute* genannt, die Weingärten gegen Abgabe des dritten Teils der Ernte be-bauen. Zusätzlich sind von 42 Zinsleuten Abgaben auf den Hof zu liefern.Des öfteren kam es zwischen dem Domkapitel zu Köln und der Gemeinde zu Streitigkeiten.

So verkaufte die Gemeinde 1739 den Weg, der entlang des Kölnischen Hofes führte, an Zacharias Kröber und versperrte dem Hof somit den Zufahrtsweg. Der Kölnische Domhof (Domstift Sankt Peter in Köln), damals auch Petershof oder der unterste Zehnthof genannt, wird 1779 als ein zweistöckiges Wohnhaus mit eingebauter Scheuer und zwei Keltern beschrieben. Auch ein Viehstall ist vorhanden. Dazu gehörten ein kleiner Garten sowie „7.500 Stöcken Weinberg“. Das sind noch keine 2 Morgen. 1656 hatte der Besitz „Dhumbsherren“ zu Köln neben 4 Ohm Wein ständigen Zins noch 9 ½ Morgen Weingärten betragen.1802 stellte Jean Jacques Sünner ein Gesuch an den Präfekten des Rhein-Mosel-Departements, den Hof nicht zu versteigern, da er seit unerdenklichen Zeiten im Besitz der Familie seiner Frau als Erbpächter gewesen sei. Das Gesuch wurde abgelehnt. Im Jahre 1805 war es dennoch Johann Jakob Sünner, der den Hof für 1.900 Francs ersteigern konnte. Mitte des 19. Jahrhunderts kam Friedrich Ludwig Horch durch seine Frau Regina, eine Tochter Sünners, in den Besitz des Hofes.

Der St. Petershof des Domstifts Köln wurde im laufe der Jahrhunderte völlig umgebaut und ist nur noch archäologisch zu identifizieren.

Historische Weinhöfe

Ein Großteil des Grundbesitzes war in alter Zeit im Besitz von Klöstern und Adeligen, die zur Verwaltung ihrer Ländereien wie auch zur Kelterung und Lagerung der Weine meist auch ein Anwesen im Ort besaßen. Schon im Mittelalter wurden Höfe und Grundbesitz verpachtet, zunächst gegen eine festgesetzte Rente (Geldzinsen), seit dem 15. und 16. Jahrhundert gegen Abgabe eines Drittels oder der Hälfte des Ertrages (Naturalabgaben). 

Über die erbrachte Arbeit im Weinberg und andere den Hof betreffende Angelegenheiten wurden einmal im Jahr zu einem festgelegten Termin so genannte Hofgedinge abgehalten, öffentliche Verhandlungen, zu denen alle Pächter (Höfer) erscheinen und unter Vorsitz eines Hofschultheißen Rechenschaft ablegen mussten.

Der gesamte geistliche Besitz wurde in den Jahren 1803-1806 durch die französische Präfekturverwaltung versteigert, während sich die Adligen in ihrem Besitz behaupteten. Bis auf die Familie der Freiherren von Heddesdorff, deren Nachkommen noch heute ein Weingut in Winningen betreiben, verkauften die übrigen Adeligen ihren Besitz in der ersten Hälfte des 19 Jahrhunderts. Oft waren Winninger Bürger die Käufer, die dadurch erstmals Eigentum erwarben oder ihren eigenen Weinbergsbesitz vergrößerten.

Nach einer Aufstellung aus dem Jahre 1795 hatten die auswärtigen Grundeigentümer insgesamt 386.263 Weinstöcke in Besitz. Im einzelnen werden genannt: Kaiserliches Krönungsstift (Marienstift) Aachen (Zehnthof) 8.006, Domstift Sankt Peter Köln (Petershof) 32.298, Grafen von Hatzfeld 28.000, Herr von Bürresheim zu Koblenz 18.515, Herr von Heddesdorf(f) „allda“ 37.950, Jesuitengüterverwaltung 13.850, Grafen von Elz-Kempenich zu Koblenz 22.246, Kloster Maria Roth 23.980, Kloster Marienstädt 2.300, Abtei Siegburg 1.500, Stift Sankt Florin zu Koblenz 22.490, Kloster Maria Lach 20.250, Dechant Remmelt zu Koblenz bzw. dessen Erben 7.000, Kloster Rommersdorf 21.830, Kurtrier (Fronhof) 12.1048, Kartaus zu Trier 1.000, Kloster Wallersheim 4.000 Weinstöcke.!

(Auszüge aus: Rainer Garbe, Klöster und Adel als Grundbesitzer – Historische Weinhöfe und ihre Pächter – Beiträge zur Ortsgeschichte)

Freiherr von Heddesdorff

Die adelige Familie von Heddesdorff mit den drei Muscheln übereinander im Querband des Wappenschildes ist seit dem frühen 15. Jahrhundert in Winningen ansässig und hat seitdem die Geschichte des Ortes mitgeprägt. Nach den überkommenen Ahnentafeln dürften bereits Gerlach von Heddesdorff (kommt vor 1370-1400) wie auch dessen Bruder „Yffard“(Eberhard 1371 der Junge, 1401 der Alte genannt) Güter in Winningen besessen haben. 1433 sind in einem Weinabgabenregister „Junker Jan Meffartz Erben“ als Weinbergsbesitzer genannt. 

Am 6. Dezember 1480 verkauften drei Geschwister der Familie von Limbach ihren gegenüber dem Backhaus gelegenen Hof zu Winningen mit zugehörigem Grundbesitz den Eheleuten Johann Meffart von Heddesdorff (ein Urenkel Yffards, kommt vor 1458-1503, + 1509) und Margarethe Breder von Hohenstein (kommt vor 1480-1496) für 200 rheinische Gulden. 

Am 16. April 1563 verkaufen Arnold Gram, Michel von Ley und dessen Ehefrau Grete den Eheleuten Wilhelm von Heddesdorff und Margrete, geborene von Eltz, ihr Haus, Hof, Kelterhaus, Ställe und Garten zu Winningen, oben an den Pfarr- und Kirchhof, unten an den Gemeindeweg anstoßend, für 90 Gulden. 

Um 1618 besitzt die Familie von Heddesdorff die heutigen Häuser Amtstraße 6 und Kirch-Straße 8 (nach dem Allianzwappen über dem Toreingang). Möglicherweise handelt es sich dabei um folgende ins „Gerichtsprotokoll* eingetragene Ankäufe der Jahre 1616 bis 1638: Am 10. Januar 1616 ,,erkaufte Amalia von Heddesdorf von Peter Mertzen Erben einen Bauplatz und ließ den Kauf ins Gerichtsprotokoll eintragen.* Am 21. September 1633 „erkaufte Junker Damian Ludwig von Heddesdorf ein Haus und Bauplatz von Peter Merzen Erben und ließ den Kaufbrief vom Gerichtsschreiber fertigen.“ Am 19./29. (alter bzw. neuer Zeitrechnung) März 1638 berichten Vogt und Gericht zu Winningen an das Amt Kastellaun, „die von Heddesdorf hätten bisher mehrere bürgerliche Häuser an sich gebracht und wollten noch eins von Georg Laux erkaufen, welches demnach mit Vorbehalt der Schatzung bewilligt werden mögte. Auf der Stelle dieses Hauses steht das jetzige von heddesdorfsche Haus, das also bürgerlich ist.“ 

Ab 1661 wohnten die Winninger Vögte Ludwig Casimir Storck und sein Sohn und Nachfolger im Amt, Karl Otto Storck, im Haus zur Miete, bis Karl Otto Storck im Jahre 1692 das Haus von Johann Lothar von Heddesdorff für 1.350 Reichstaler erwarb.

Über Rechte und Pflichten der Pächter gibt ein Vertrag von 1733 Auskunft. Winninger Bürger, u.a. Jonas Fischbach, Michel Friedrich und Christian Traus, verpflichten sich darin gegenüber Lothar von Heddesdorff, die „Weinberge zu gehöriger Zeit mit schneiden, stücken, gurten, graben, röhren, wintergräben, roden und einlegen, wohl (zu] unterhalten“, auch darauf zu achten, dass die Weinberge mit dem „Rübsaamen“ nicht überhäuft und auch durch Einpflanzung zu vieler Bohnen oder Kürbisse nicht geschädigt werden. Auch sollen sie in schlechten Jahren wenigstens 200, in guten Jahren aber 300 „guthe röselstöck* (Rieslingstöcke) setzen. Für jedes Hundert gesetzte Stöcke erhalten sie zwei Sümmer Korn. 500 Weinstöcke sind im Jahr zu misten und zwar in den Bergen zu Winterzeit, in den Marken (Ebene) aber im Sommer 14 Tage vOr oder nach Johannis Baptiste Tag. Dafür dürfen sie die „schaar“ (Ernte) in dem Jahr behalten. Verfallene Mauern werden auf Kosten des Lehnsherrn repariert. Zur Herbstzeit müssen die Bauleute die Fässer herbeischaffen, diese beizen, die Bütten wässern, die Kelter zurichten, auch diese auf eigene Kosten reparieren, den Most in die Fässer bringen; auch haben sie den ,Zum Empfang des halben Trauben abgesandten Windelboten“ zu beköstigen. 

Möglicherweise um alte Schulden einzutreiben, sollte 1802 der Besitz der Erben des Emmerich von Heddesdorff versteigert werden. Neben Landbesitz (insbesondere Weinberge) werden genannt: ein Haus, begrenzt durch Jerome Traus und Antoine Kröber. Das Haus hat 12 Fenster, ist 15 m 384 mm lang und 10 m 120 mm tief. Weiter soll verkauft werden: ein altes Haus mit einer Küche und einem Zimmer. Das Haus hat eine Länge von 8 m 769 mm und eine Tiefe von 11 m 688 mm. Hinzu kommen ein Hof und ein Stall (wo vier Kühe untergebracht werden können), ein Gemüsegarten und ein Obstgarten. Zur Versteigerung kam es jedoch damals nicht. Aber 1823 wurden neben Weingärten, Wiesen und Hecken auch „das Haus, Garten hinter dem Haus und der Hof zur Hälfte“ für 833 Taler 10 Silbergroschen (= 1.000 Reichstaler) versteigert. Hinzu kam noch ein Kleines Gebäude und der „neue Bau“, der den Ein- und Ausgang nach der Horngasse hat, sowie der Garten am „Junger Gäßchen“, alles zusammen für 17.104 Taler 25 Silbergroschen. Ansteigerer der Gebäude war Carl von Heddesdorff (* 1800 † 1875), Sohn des Franz von Heddesdorff. 

Über Carl von Heddesdorff und seine Tochter Angelika von Heddesdorff (* 1829 †1903), Karl Peters (*1833 †1920), der 1858 Hyazinthe (*1832 †1916), eine Schwester von Angelika heiratete, und sich seit 1902 von Heddesdorff nannte (durch Adoption der Angelika von Heddesdorff), sowie über dessen Tochter Maria Albertina Hyazinthe (*1893 †1983), die sich 1916 mit Erich Gilbert Anton von Canal verehelichte, ist der Hof bis heute in Familienbesitz. Derzeitige Besitzer des Weingutes Freiherr von Heddesdorff sind Andreas und Irmgard von Canal.

Auszüge aus: Rainer Garbe Winningen – „Beiträge zur Ortsgeschichte“

SIEGER DER EDITION AUGUST HORCH 2022

Der 2021er Uhlen Baron aus der Winninger Spitzenlage Uhlen Roth Lay ist der Sieger der 2022er Edition August Horch. August Horch (1868 – 1951), Dr. Ing. h.c. und Ehrenbürger Winningens ist einer der großen Pioniere des Automobilbaus.  Die Edition knüpft an die Meisterleistungen Horchs an und stellt jährlich einen hochrangigen trockenen Riesling besonders heraus. Der 2021er Uhlen Baron hat sich in einer strengen Blindverkostung gegen neun weitere Winninger Spitzenweine aus Terrassenlagen durchgesetzt. Das Weingut bewirtschaftet heute in Winningen etwa 6 Hektar Weinberge, vor allem Riesling und Spätburgunder.

 

Edition Verleihung mit Ministerin Schmidt (3.v.r.)

Gemeindebackhaus

Bereits in einer Urkunde aus dem Jahr 1387 wird in Winningen ein Backhaus genannt. Bei dem am 29. Juni 1424 abgehaltenen Vogtgeding wurde angeordnet, dass jedermann verpflichtet sei, in dem für die Allgemeinheit errichteten Backhaus zu backen. Um 1560 wird auch der Gefängnisturm (damals „Stock“ genannt, welcher sich bis dahin im Fronhof befand) auf dem Backhausgelände neu errichtet.Neben dem Gemeinderathaus dürfte das Gemeindebackhaus über viele Jahrhunderte der zentrale Ort im Flecken Winningen gewesen sein. Dies spiegelt sich unter anderem wider in einem Bericht aus dem Jahr 1562, als beim Verkauf des Fronhofes an den Kurfürsten und Erzbischof von Trier den „Untertanen“, insbesondere den sieben Schöffen, von den sponheimischen Räte „Ungehorsam“ vorgeworfen wurde, da sie nicht gemäß dem sponheimischen Weistum handelten. 

Seit 1568 ist bekannt, dass die Backwaren durch einen angestellten Bäcker gefertigt wurden, der eine Art Monopolstellung besaß, da die Einkünfte in die Kassen der Landesherren flossen.

Aus dem Jahr 1571 ist ein „Gemeindebäcker Philip“ bekannt. Erst als sich die Gemeinde im Jahre 1663 zur Instandhaltung des Backhauses verpflichtete, fiel ihr die Hälfte der Einnahmen zu. Aus einem Bericht des damaligen Vogtes Storck an den Amtmann von Kastellaun, Georg Friedrich von Wolframbsdorf, aus dem Jahr 1681 erfahren wir näheres zur Instandhaltung des Gemeinde-Backhauses und den „Verpflichtungen“ des Gemeindebäckers. Im Flecken Winningen gäbe es seit unerdenklichen Jahren ein gemeines Bannbackhaus. Dieses werde von der Gemeinde im Bau erhalten, zuweilen werde aber von der Herrschaft zu den Baukosten etwas zugeschossen. Dagegen erhalte die Herrschaft jahrlich 7 Rädergulden Backhauszins. In späteren Jahren sei dieser Zins zu 9 Gulden 8 Albus kurrenter Moselwährung reduziert worden. Der Bäcker habe von jedem Malter Mehl, das er zu Brot verbacke, „ein genanntes von dem in das Backhaus gebrachten Teig abgewogen“, davon bekomme er für seine Mühe zwei Drittel und ein herrschaftlicher Vogt wöchentlich ein Drittel an Brot. Dagegen ziehe der Vogt die genannten 7 Rädergulden für die Herrschaft ein (die Geldbesoldung für einen Vogt betrug ebenfalls nicht mehr als jährlich 7 Rädergulden). Darüber hinaus gebe der Bäcker dem Vogt für einen Albus Wecke. Ihm selbst sei erlaubt, neben dem Roggenbrot auch Wecke oder Weißbrot, „und zwar so viel wie er will“, zu backen. 

Auch sei er von allen herrschaftlichen und bürgerlichen Fronden befreit. Im Jahre 1663 habe sich die Herrschaft mit der Gemeinde in einem Vertrag verglichen, wonach die Gemeinde in Zukunft das Backhaus alleine instand zu halten habe, dafür aber auch die sieben Rüdergulden oder neun Gulden 8 Albus kurrenter Moselwährung Backhauszins erhalte. Vor fünf oder sechs Jahren habe nun der Winninger Bürger Johann David Hoffbauer einen eigenen Backofen errichtet und nicht nur sein Roggenbrot darin gebacken, sondern auch dem damals „ledigen Gesellen und eines Winninger Bürgerskind‘ namens Martin Müden erlaubt, sein Brot darin zu backen. Dagegen habe sich der damalige „Bannbäcker“ beschwert. Daraufhin sei dem Martin Müden lediglich erlaubt worden, Weißbrote zu backen.

Nachdem das Backhaus schon einmal abgebrannt und wieder aufgebaut worden war, befindet sich 1752 die zum Backhaus gehörende Wohnung in einem so schlechten Zustand, dass „man das Haus nur noch unter Lebensgefahr betreten kann.“ Der Neubau eines „Wohnhauses von zwei Stockwerken excl. Dach und Speicher“ wird vertraglich beschlossen.

Nach einer Beschreibung aus dem Jahre 1779 handelt es sich bei dem Gebäudekomplex in der Backhausgasse (heute Fronstraße 28) um ein zweistöckiges Wohnhaus, zu dem das eigentliche Backhaus und ein Viehstall nebst Turm (Gefängnis) gehörten. 

Im 19. Jahrhundert wurde die Nutzung des Gemeindebackhauses an den Meistbietenden versteigert. Seitdem gehörte es zu den Pflichten des Gemeindebäckers, einen oder zwei Stiere (als Zuchttiere) gegen eine entsprechende Entschädigung seitens der Gemeinde zu halten.

1811, als auch Winningen zur Frankreich gehörte, wurde die „Boulangerie Communale de Winningen“ (=Gemeindebäckerei) an Johann Georg Brost für 80 Francs jährlich verpachtet, auch 1817 hieß der Gemeindebäcker Johann Georg Brost. Dem Bäcker Konrad Haensel wird das Gemeindebackhaus 1891 unter der Bedingung, ein Stück Rindvieh (Zuchtstier) zu halten, weiterhin verpachtet. Für die Haltung eines Stieres erhält er jährlich 125 Mark, bei Haltung von „2 Stück Rindvieh“ 185 Mark. Nach Eduard Gail führten Hermann Kröber bzw. Otto Steinhauer bis in die 1920er Jahre die Bäckerei weiter. Danach befand sich die „Stierhaltung“ noch bis Anfang der 1930er Jahre in der Neu-Straße „neben dem heutigen „Knaudthaus“. Anlässlich des Neubaus des Backhauses im Jahre 1861 wurde der (Gefängnis-)Turm am 1. Mai abgebrochen.

Bereits 1862 wurde im Gemeindebackhaus „ein großes Zimmer zum Gemeindesaal bestimmt“ und am 15. Dezember 1862 eröffnet. 1891 nutzte man das Zimmer zur Aufbewahrung von Gemeindesachen. Nachdem am 27. September 1879 Feuer im Heuspeicher über dem Stierstall ausgebrochen war, wodurch Stallung, das neue Backhaus, Gemeindesaal und einige Nachbarhäuser abbrannten, erfolgte ein Neubau des Wohnhauses am Backhaus. Der Gebäudekomplex wurde bis in die 1920er Jahre noch als Gemeindebäckerei genutzt, danach diente das Haus noch viele Jahre als Gemeindebüro. 

Um 1965 erfolgte der Verkauf an die Besitzer des Gasthauses „Goldene Traube“. Das gesamte Anwesen wurde abgerissen. In den folgenden Jahren wurden eine Kegelbahn und im hinteren Bereich, dort wo der alte Gefängnisturm lag, ein Wohnhaus errichtet (heute Fronstraße 28).

(Quellenauszüge: Rainer Garbe, „Ortsbild und Infrastruktur“ – Beiträge zur Ortsgeschichte)

Heute wieder Gasthaus - früher standen hier Backhaus, der Gefängnisturm und ein Viehstall...

Weinbau in alten Bildern

Der Blick zurück in alte Winzerzeiten ist auch eine Rückschau auf einen Beruf, der mühsam und entbehrungsreich war. Der harte Alltag im Weinberg hinterließ seine Spuren. So diente als Dünger und Humuslieferant ausschließlich Stallmist, der mit einer Kiepe (Botte) – siehe Foto – die steilen Hänge hinauf getragen werden musste. Bei der Lese mussten kräftige Männer (Träger),  die Trauben mit der Traubenbotte auf meist sehr felsigem Grund zu Tal tragen. Danach folgte die Kelterung, die auch wieder kräftige Muskeln verlangte, um den Saft aus den Beeren zu pressen. Der Wein wurde in Eichenfässern gelagert, die im Keller gereinigt und gepflegt werden mussten. War das nicht möglich, wurden die etwa drei Zentner schweren Fuderfässer (etwa 1000 Liter), die Kellertreppe hinauf und wieder hinab getragen.

Reichtümer waren mit der Bewirtschaftung der meist kleinen Parzellen nicht zu erwirtschaften. Da der Wein zum Lebensunterhalt verkauft werden musste, war es ab Ende des 19. Jh. auch üblich, aus den ausgepreßten Trauben (Treber) einen Haustrunk zu bereiten. Die Treber ließ man unter Zusatz von Zucker und Wasser in einer Bütte durchgären und kelterte sie nochmals ab. Der so gewonnene Tresterwein (Flubbes oder Bubbes) war alkohol- und bukettarm und wegen der aus den Trebern entzogenen Gerbstoffe geschmacklich oft nur bedingt befriedigend, genügte dem Winzer aber als Durstlöscher bei der Wingertsarbeit und als Abendschoppen (Kräusje). Die Herstellung von Treberwein verlor sich wieder in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg und bleibt damit eine Episode der 1. Hälfte dieses Jahrhunderts.

(Quelle – Auszüge und Zeichnungen: Gerhard Löwenstein – Der Weinbau in Winningen, herausgegeben vom Museumsverein Winningen. Dort kann die Broschüre auch erworben werden.)

Weinlese um 1915. Alle alten Fotos: August Knebel ("Aafmöhler")
Weinlese im Uhlen mit dem Ochsengespann.
Weinlese im Steillagen ist Handarbeit
Imme die Hoffnung auf einen guten Jahrgang.
Weinleser 1902
Die Weinbergstreppen hoch, die Mistkiepe auf dem Rücken
Ein Fass wird aus dem Keller getragen

Das "Armenhaus"

Das sogenannte „Armenhaus“ war 1844/45 von den Winninger Eheleuten Johann Anton und Wilhelmina Elisabeth Knaudt erbaut und der evangelischen Gemeinde gestiftet worden. „Den 15. Juni (1845) wurde das Armenhaus eingewiehen“, steht in einem zeitgenössischen Manual. Die Konzeption bestand aus sechs Kleinwohnungen, diese hatten jeweils ein Zimmer und eine vorgelagerte Küche, die zugleich Eingangsraum war. Die Wohnungen waren an einem Hofgang aufgereiht, auf der gegenüberliegenden Seite hatte jede Wohnung einen , rauhen Raum“ als Abstellraum, vor allem zur Aufbewahrung des Brennholzes, zuweilen auch als Ziegenstall benutzt. Ein gemeinsamer Abort lag am Hofeingang.

Dies Armenhaus“ ist vielleicht das originellste Projekt in der Winninger Gemeindegeschichte. Der Nutzungszweck ist in der ausführlichen Stiftungsurkunde’7 vom 14. Juni 1845 formuliert: „Da uns nun Gott nicht mit Kindern, aber doch mit zeitlichem Vermögen gesegnet hat, so haben wir uns entschlossen, eine Stiftung für hiesige evangelische Hausarmen zu begründen“ („… so schenken wir hiermit das von uns erbaute, am Herrenweg gelegene,“ (…) unter dem Nmen Armenhaus dem Almosenfonds der hiesigen evangelischen Pfarrgemeinde zu bleiben dem unveräußerlichem Eigentum, und haben gegenwärtige für alle Zeiten gültige Urkunde über se unsere Stiftung ausgestellt und unterschrieben.“  Und weiter heißt es: „Es sollen darin bedürftige evangelische Familien freie Wohnung erhalten, (…) Die Freiwohnungen sind zunächst für Familien bestimmt, sollten aber […) noch Wohnungen leer stehen, so sind auch ledige Personen aufzunehmen, die sich aber gefallen lassen müssen, je zwei und zwei in einem Zimmer zu wohnen“.

Bereits kurz nach der Einweihung wurden sechs Wohnungen von sieben Mitbürgern bezogen. Zugleich war dies ein intelligentes, sich selbst tragendes Projekt: Eine Sandwich-Konzeption um das Erdgeschoß mit den sechs kleinen Wohnungen. Mit dem darunter liegenden Weinkeller, damals dem größten in Winningen, und dem darüber liegenden Speicher, als Strohlager für die Landwirte, wurden genügend Pachteinnahmen erwirtschaftet, um die Folgekosten und das mietfreie Wohnen des Sozialprojekts dauerhaft zu finanzieren. Johann Anton Knaudt war selbst Presbyter. Er hat über der Kellertür neben seinen Initialen die Bibelstelle einmeißeln lassen, die für die Motivation des Stifterpaares steht: Jes. 58,7 („Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend sind, führe ins Haus“).

Die Architektursprache kann als äußerst sachliche Verwendung Klassizistischer und historisierender Elemente verstanden werden. Sechs Rundbogenfenster mit Basaltgewände in ebenfalls rundbogigen, bis zum Sockel durchgehenden Mauernischen und entsprechende kleine rundbogige Kellerluken. Ein ganz rationaler Formenkanon mit hohem ästhetischem Anspruch, der zur Rationalität des Grundrisses passt, bildet die Hauptfassade zur heutigen Fährstraße hin.

Auch wenn mangels Aktennachweis der Architekt nicht bekannt ist, kann nach Zeit(geist) und Gestaltungsdetails auf Einflüsse durch die Lassaulx’sche Architektur geschlossen werden.

Im Jahre 1929 entschloss man sich, anstelle der Schreinerwerkstatt einen größeren Gemeinderaum einzurichten. Dieses „Sälchen“ entsprach einem dringenden Bedarf der Gemeinde, nachdem der Plan, neben dem ersten Pfarrhaus einen Saal zu platzieren, aus finanziellen Gründen aufgegeben worden war. Zur besseren Belichtung wurde zur Straße hin ein breites Rundbogenfenster und zum westlichen Nachbargrundstück hin ein Oberlicht eingebaut. Das Sälchen wurde Jahrzehnte lang von den verschiedenen Jugendgruppen, der Evangelischen Frauenhilfe, dem Kirchenchor und für den Katechumenen- und Konfirmandenunterricht genutzt.

Nachdem 1953 das große Gemeindehaus in der oberen Fährstraße gebaut war, wurde das Armenhaus-Sälchen nicht mehr gebraucht und (1964) zu einer zusätzlichen Wohnung gemacht.Bei dieser Gelegenheit fand eine erste Renovierung des Armenhauses statt. Unter anderem bekam jede Wohnung einen eigenen Wasseranschluss mit Spülbecken und Abfluss. Bis dahin gab es für alle Hausbewohner nur einen einzigen Wasserhahn neben der Pforte. Und in das Nebengebäude im Hof wurden separate Toiletten für jede Wohnung eingebaut. Anfang der 1980er Jahre stand das Armenhaus nahezu leer, die Wohnverhältnisse waren hinter der Zeit zurückgeblieben. Zuschnitt, Größe und Ausstattung der Wohnungen waren nicht mehr akzeptabel. Erste Testentwürfe für einen Umbau zu zeitgemäßen Altenwohnungen entstanden im Wintersemester 1981/82. Studenten der Koblenzer Fachhochschule machten eine präzise Bauaufnahme und entwickelten erste Ideenkonzepte. Die Kirchengemeinde beschloss daraufhin die Erhaltung und Modernisierung; nicht zuletzt, um dem eindeutigen Stiftungszweck weiterhin Rechnung zu tragen. Die Konzeption wurde 1983 von dem Architekten Friedrich Hinzmann konkretisiert, in liebevoller Weise umgesetzt und 1984 fertiggestellt.

Inzwischen ist das Anwesen in Privatbesitz übergegangen.

(Quelle – Auszüge- aus: Peter Lammert – Städtebauliche Entwicklung und architektonische Merkmale -Winningen -Beiträge zur Ortsgeschichte)

Von Winninger Bürger gestiftet: Das "Armenhaus". Foto: Brost
Stifterin Wilhelmina Elisabeth Knaudt
Stifter Johann Anton Knaudt

Bamberger Hof

Die seit 1042 im Besitz der Bamberger Dompröpste befindlichen Weinberge und Güter zu Winningen haben ihren Ursprung in einer 888 ausgestellten Urkunde, mit welcher König Arnulf auf Bitten des Grafen Megingoz das Dorf Rübenach im Gau Maifeld („Meinifeld“) in dessen Grafschaft namentlich mit der Fischerei („venna*) in Winninger („Windiga“) Gemarkung und dem Wald am Kondbach an die Abtei Sankt Maximin bei Trier verschenkt 18 1035 vertauscht Abt Johann von Sankt Maximin bei Trier Besitzungen an den Abt Poppo von Malmedy-Stablo, u.a. auch Besitz, zu „Wendenges und Rinmago“ (Winningen und Remagen), bis diese um 1042 an den Bamberger Domprobst fallen. Dessen Nachfolger belehnen damit ab 1425 die Burggrafen von Rheineck. So heißt es 1428, dass Heinrich von Rheineck den Hof zu Winningen behalten soll. 1538 kam das Lehen durch Kauf an Graf Johann von Sayn. Diese belehnen im Jahre 1554 ihren Schultheißen zu Hachenburg Jakob Brender mit dem Hof zu Winningen samt den dazugehörenden Gütern und Hofgerechtigkeiten, welchen sie selbst vom Dompropst zu Bamberg zu Lehen empfangen haben (Hofgut zu Winningen, welches er .in Grund und Boden gangen“ vorgefunden und mit vielen Unkosten wieder hochgebracht hat). 

1598 und 1606 werden die Kinder Heinrich Brenders (Jakob und Johann Brender sowie die „Tochtermänner“ Valentin Diltri und Nikolaus Imich von Mayen) mit dem Hof zu Winningen belehnt. Zu Streitigkeiten zwischen den Familien Brender und Kratz von Scharfenstein kam es in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts. Während 1604 Wolfgang Albrecht von Würzburg, Dompropst zu Bamberg, Anton Kratz von Scharfenstein, Kurfürstlich-Trierischen Rat und Amtmann zu Koblenz, mit dem Bamberger Hof zu Winningen belehnt, erhält 1611 Johann Brender, Bürger zu Koblenz, Sohn des Heinrich Brender, wiederum das Winninger Hofgut.

Dies gipfelte im Jahre 1627 damit, dass Johann Philipp Kratz von Scharfenstein mit Hilfe seines Hauptmanns Hans Georg von Breitbach sowie etlicher Soldaten den Winninger Hof mit Gewalt einnahm“. 1629 berichtet der Winninger Vogt, dass Johann Brender von Koblenz in den Bambergischen Hof eingedrungen sei, den „unlängst“ der Obrist Kratz in Besitz habe nehmen lassen. Der Hofmann hatte dem Vogt berichtet, dass Brender zunächst sein Wappen an die Haustür schlagen wollte, es dann aber bleiben ließ. Der Hofmann solle aber alles für den Herbst herrichten. Nach dem Tod des Johann Brender (1636) zog der Probst das Lehen ein und belehnte die Grafen Melchior und Hermann von Hatzfeld. Um 1660 erhob auch die Witwe Anna Maria von der Leyen-Saffig Ansprüche auf den Hof, doch behaupteten sich die Grafen von Hatzfeld in ihrem Besitz.

Das Hofgut und die dazugehörigen Weingärten bebauten die Lehnsträger auch hier nicht selbst, sondern vergaben sie an Hofschultheiße und „Bauleute“, auch „Höfer“ genannt. 1627 ist Peter Pfeiffer Hofmann (in einem Notariats-instrument einmal „Vopf“ genannt), in den folgenden Jahrzehnten Veit Gail (1638-1646), Hans Jakob Bormer (1646-1657),20 Andreas Mor (Oktober 1657-1667) und Wilhelm Hill (18. Juni 1667-1693). Seit 1693 ist Anton Wilhelm Mölich Hofschultheiß. Dessen Nachkommen bekleiden auch im 18. Jahrhundert das Amt des Hofschultheißen.

Neben dem Hofschultheißen gab es auch hier sieben Hofschöffen, die sich um die Verwaltung des Hofes kümmerten und an Johannis Abend das Hofgeding abhielten. Wer von den Höfern nicht erschien, hatte fünf Heller, ein Hofschöffe gar zehn Heller Strafe zu zahlen. Die Hofgüter selbst waren überwiegend in Erbpacht vergebene „Drittelweingüter“, also Weinberge, die gegen die Abgabe des dritten Teils der Trauben verpachtet waren. Um 1740 sind hier 40 Höfer genannt, die eine Gesamtfläche von über 6 Morgen zu bewirtschaften hatten. Die Erbpächter waren berechtigt, von ihnen gepachtete Weingärten frei zu verkaufen, falls der Hofschultheiß und nach ihm die Hofschöffen das Gut nicht übernehmen wollten. 

Vor der Weinlese mussten die Höfer dem Hofschultheißen anzeigen, welchen Weinberg sie lesen wollten, damit dieser den dritten Teil der Trauben selbst einsammelte oder diesen Anteil von den Höfern in den Hof auf die Kelter oder in die büdt* tragen ließ.

Von dem an „Greinges Pforten“ (1612 „Kreynisches Tor“, die spätere Neupforte) gelegenen Hof ist 1659 ist nur noch der Bauplatz und der „,gewölbte* Keller vorhanden. 1695 erlaubt Graf Bastian zu Gleichen und Hatzfeld seinem Hofschultheißen Anton Mölich auf dem Bauplatz im Kriege „verwüsteten“ Bamberger Hofs ein Kelter- und Wohnhaus zu errichten. Dies wird 1696 fertiggestellt. Nach der „Baubeschreibung* aus dem Jahre 1779 handelte es sich um „ein 2-stöckiges Wohnhaus nebst Kelter, Scheuer und Stallung, alles zusammenhängend.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verkauften die Grafen von Hatzfeld das Hofgut an den bisherigen Pächter Mölich, während die sogenannten „,Drittelweingärten“ erst 1833 an verschiedene Winninger Bürger für die Summe von 1.300 Taler Preußisch Courant verkauft wurden. Der 1695 erbaute Hof brannte neben anderen Nachbargebäuden im Jahre 1894 ab. Später wurde von Winzermeister Ludwig Traus, der auch weiterhin dort Weinbau und Landwirtschaft betrieb, ein Neubau errichtet.

(Auszüge aus: Rainer Garbe, Klöster und Adel als Grundbesitzer – Historische Weinhöfe und ihre Pächter – Beiträge zur Ortsgeschichte)

Ehemaliger Standort Bamberger Hof Blick Schulstraße. Foto:Lammai

Die Flurbereinigung

Infolge der altüberlieferten Realteilunsgpraxis bei Erbgängen wurde die Weinbergsflur im Laufe der Zeit stark zersplittert. Parzellengrößen unter zwei Ar (100 Quadratmeter) waren keine Seltenheit. Die meisten Weinberge erreichte man nur durch Fußpfade, manche sogar nur mit einem „Gewohnheits-Durchgangsrecht“ über Nachbargrundstücke.

Um diesen unter heutigen arbeitstechnischen Gesichtspunkten untragbaren Zustand zu beheben, wurde in Winningen Ende der 60er Jahre eine auf gesetzlicher Grundlage beruhende, mit öffentlichen Mitteln geförderte Boden-Neuordnungsmaßnahme durchgeführt (Flurbereinigung).

Durch die Erschließung des Weinbergsareals mittels quer verlaufender Gürtelwege und durch die Zusammenlegung der Kleinparzellen zu vernünftigen wirtschaftlichen Einheiten konnte die Grundlage für einen zukunftsorientierten Weinbau gelegt werden.

Das Verfahren zog sich über mehrere Jahre hin und erstreckte sich über 110 ha Weinbergs- und Wegeflächen. Insgesamt wurden 24,8 km neue Wege mit 29.000 cbm Stützmauerwerk gebaut.

Die extrem steilen Terrassenlagen Uhlen, Hamm, Brückstück und Röttgen mußten aus Kostengründen von dieser Maßnahme ausgeschlossen bleiben.

Das Transportproblem wird dort heute weitgehend durch den Betrieb von leichten Seil- oder Schienenbahnen gelöst.

(Quelle: Auszüge aus „Der Weinbau in Winningen“, Gerhard Löwenstein 

Tafel zur Flurbereinigung im Brückstücksweg. Foto: Lammai
Weinberge im Domgarten. Foto: Lammai
Domgarten mit Blick auf Winningen. Foto: Lammai
Flurbereinigung Brückstück. Foto: Lammai

Badisches Haus

Winningen war dereinst der nördlichste Außenposten der Markgrafen von Baden-Durlach. Der Ort an der Mosel war vor allem wegen seiner wirtschaftlichen Bedeutung von Interesse.

Die Vögte (seit dem 18. Jahrhundert Amtmänner oder Amtsverwalter genannt) wohnten und residierten in eigenen Wohnhäusern, weniger bemittelten blieb nichts anderes übrig, als sich einzumieten. Die älteste bekannte Dienstwohnung der Vögte ist das noch heute in der Fährstraße 7 erhaltene Haus, welches wohl Vogt Ruprecht Boos von Waldeck (1568 bis 1596 Vogt in Winningen) im Jahre 1569 errichten ließ. Neben der Jahreszahl sind im Schlussstein über der Eingangstür der Renaissancewappenschild der Markgrafen von Baden und die Buchstaben M. B. (Markgrafschaft Baden) eingemeißelt. Auch Vogt Johannes Kröber (1601-1611) diente dieses Haus als Amtssitz. 

Die badisch-pfälzische Landesherschaft bildete 1557 die rechtliche Grundlage für die Einführung der Reformation in Winningen. Der Augsburger Religionsfrieden des Jahres 1555 hatte das ius reformandi. den Religionsbann der Landesherren nach dem Grundsatz „cuius regio, eius religio“ bestätigt. Markgraf Karl II. von Baden war bald nach dem Augsburger Frieden zum lutherischen Bekenntnis übergetreten, und Pfalzgraf Friedrich III. hatte sich 1557 vom Calvinismus ab- und dem Luthertum zugewandt. Dass nun beide Kondominialherren der gleichen Konfession zuge-hörten, bedeutete für ihre Untertanen, darunter auch die sponheimischen Untertanen in Winningen, dass sie den alten Glauben abzulegen und den neuen anzunehmen hatten oder auswandern mussten. 

Unter der Herrschaft der Kondominialherren Pfalz-Simmern bzw. Pfalz-Zweibricken und Baden gewann die Gemeinde Winningen weiter an kommunaler Geschlossenheit. Als besonders eindrucksvolle Belege dafür mögen die Errichtung einer Steinmauer im Jahre 1571 und der gemeinschaftliche Freikauf der Winninger Bürger im Jahre 1579 gewertet werden. Da der Gemeindewald ganz offensichtlich nicht genug Holz erbrachte, um die hölzerne Umfriedung des Dorfes dauerhaft in Stand halten zu können, entschlossen die Winninger sich, die Erlaubnis zur Errichtung einer Steinmauer zu erbitten, die ihnen am 21 .August 1571 auch erteilt wurde.

Der Hintergrund dieser kostspieligen Maßnahme dürfte in den zahlreichen größeren und kleineren kriegerischen Auseinandersetzungen im Zeichen der konfessionellen Spaltung zu suchen sein, insbesondere da Winningen seit 1557 eine protestantische Enklave in einem weithin geschlossenen katholischen Gebiet darstellte. Den Schlusspunkt kommunaler Verselbstständigung stellte 1579 die Ablösung der Leibeigenschaft durch Zahlung einer außerordentlichen Steuer dar.  Pfalzgraf Johann und Markgraf Philipp von Baden entließen die Winninger Bürger am 29. Sept. 1579 ohne Ausnahme gegen Zahlung einer zwölfjährigen Sondersteuer aus der Leibeigenschaft, verbunden mit der Erlaubnis, sich frei an jedem anderen Ort der Grafschaft Sponheim niederlassen zu können. Der Wegzug in das Territorium eines anderen Landesherrn sollte jedoch mit der Zahlung des „zehenden Pfennig“ verbunden sein, d.h. ein Auswanderer hatte vor seinem Wegzug eine 10-prozentige Steuer auf seinen gesamten Besitz zu entrichten. 

Im Gegenzug war es den Winningern nicht erlaubt, den Zuzug von Neubürgern zu akzeptieren, wenn diese sich nicht zuvor ihrerseits von allen leibherrlichen Bindungen befreit haben würden. Sicherlich stellte die Leibeigenschaft im 16. Jahrhundert keine so drückende persönliche Beschränkung mehr dar wie in den früheren Jahrhunderten, und der Freibrief von 1579 bedeutete nicht den Wegfall aller Rechte der Landesherren an ihren Winninger Untertanen. Dennoch offenbart der Vorgang das besondere, auf der Wirtschaftskraft der Gemeinde beruhende Selbstbewusstsein der Winninger, das durch den Mauerbau, vor allem aber durch die konfessionelle Sonderstellung an der Untermosel nochmals erheblich bestärkt worden sein mag.

Quelle/Auszug: Michael Hoffman – Winningen im Mittelalter – Beiträge zur Ortsgeschichte – Krumme-Verlag

Durch die freiwillige Verpflichtung zur Zahlung einer zwölfjährigen außerordentlichen Steuer von dem Zwange der Leibeigenschaft befreiten, so verschaffte ihnen dies zwar mancherlei Erleichterungen, doch wurde in der Praxis das alte Untertanenverhältnis nicht allzusehr davon berührt. So mußten z. B. jedesmal, wenn in einem der beiden Herrschaftshäuser ein neuer Landesherr zur Regierung gelangte, die Einwohner sämtlicher Ortschaften des Landes an einem bestimmten Tag und an einem bestimmten Ort zur öffentlichen Huldigung vor dem Landesherrn zusammenkommen. Für Winningen, das abseits des Sponheimer Kernlandes gelegen und ringsum von kurtrierischem Gebiet umschlossen war, war dies die Hunsrückstadt Kastellaun, der Hauptort des gleichnamigen sponheimischen Amtes.

Hier mußte jedes Mitglied der Bürgerschaft, wofern es nicht durch Krankheit oder hohes Alter als entschuldigt galt, vor dem Landesherrn oder seinem Stellvertreter persönlich erscheinen, um den Eid der Huldigung abzulegen. So begab sich z. B. am 25. April 1670 die gesamte Bürgerschaft Winningens nach Kastellaun, um dem damals zur Regierung gekommenen Pfalzgrafen Carl Otto zu huldigen.

250 Jahre nach der letzten „Huldigung“ ließen einige Winninger diese „Verpflichtung“ noch einmal aufleben und reisten nach Salem am Bodensee, um dem heutigen Markgrafen von Baden, Bernhard Prinz von Baden, ihre Aufwartung zu machen. Eine Einladung nach Winningen hat „Seine königliche Hoheit  Bernhard Prinz von Baden“ angenommen und die Verbindung des Hauses Baden mit Winningen bestärkt. Im Museum besichtigte er die Original Huldigungsfahne und in der evangelischen Kirche jene Urkunde, die den Winningen die Befreiung von der Leibeigenschaft bestätigte.

Bernhard Prinz von Baden (2.v.r.) vor dem "Badenhaus" in Winningen. Alle Fotos: Lammai
Winninger Weinversteigerung des Marktgrafen 1788. Foto: Lammai
Karte mit der "Hinteren Grafschaft Sponheim"
Empfang bei der "Huldigungsfahrt" durch Bernhard Prinz von Baden in Salem.
Museum: Originalfahne der letzten "Huldigung"
Urkunde: Befreiung von der Leibeigenschaft
Münze mit Friedrich, Markgraf von Baden
Badischer Reisepass für einen Winninger Bürger

Hof Kloster Maria Laach

Den ersten konkreten Nachweis über Besitz der 1093 von Pfalzgraf Heinrich gegründeten Abtei Maria Laach überliefert eine Urkunde, die man in die Zeit zwischen 1127 und 1152 datieren muss. Mit Ausstellung dieses Dokumentes schenken „Wescelo“ von Winningen und dessen Ehefrau Ruzela dem Kloster einen Weinbergsanteil am „Benstal“ (Bingstel). 

Das Kloster besaß bereits im Jahre 1138 mehrere Weingärten auf Winninger Gemarkung, denn damals wurden dessen Besitzungen, darunter „vinea in Winningen“, von Papst Innocenz 11. bestätigt. Neun Jahre später erfolgte eine erneute Bestätigung durch Papst Eugen III. 

1232 verzichtete Heinrich Graf zu Sayn zu Blankenberg auf alle Abgaben und Rechte, welche ihm aufgrund der Vogtei und der noch älteren Pfalzgrafenrechte an den Gütern des Klosters Laach zu Winningen zustanden. Gut zwei Jahrzehnte später genossen die Laacher Benediktinermönche noch den Winninger Wein, ehe sie ihren gesamten Winninger Besitz (einen Hof, Zinsen, Felder, Weingärten und alle übrigen Güter“) 1256 an die Benediktinerabtei Groß Sankt Martin zu Köln für 107 „Kölner Mark“ verkauften. 

Erst 445 Jahre später erwarb das Kloster erneut Grundeigentum in Winningen, obwohl es nun eigentlich verboten war, Güter an Auswärtige zu verkaufen. Dennoch verkauften die Winninger Eheleute Hugo und Margaretha Claas dem „Gotteshaus zum Laach“ 1701 ein neu erbautes Haus in der Wolfergasse, gleich neben dem gemeinen Thor, die Wolferpforte genannt. Mit dem Kauf übernahm das Kloster auch einen jährlichen Hauszins von 27 ½ Albus, der an die Almosenkasse zu zahlen war. 

Die zum Besitz gehörenden Weingärten lagen in den Distrikten „im Taubesberg“, „im Rosenberg“, „über dem Zweig“, auf dem „Destental“ und im „Göttgenberg“. Die dazugehörenden Felder lagen „aufm Acker, aufm Schangert [Schaubert] und in den Auen“. In den nächsten Jahren kaufte das Kloster weitere Weingärten, so 1703 den vierten Teil eines Wingerts „in Hinterstalls Graben“ und 1707 einen Wingert „im Geißen“ mit 3.600 Stöcken für 450 Reichstaler.

Großen Ärger bekam das Kloster mit dem damaligen Winninger Amtsverwalter Gerstlacher in den Jahren 1774/75. Gerstlacher hatte sich die alten Kaufbriefe genauer angesehen und war zu der Auffassung gelangt, dass diese keine Gültigkeit besäßen, da nach den landesherrlichen Verordnungen Verkäufe an Auswärtige verboten seien, Darauf bot das Kloster an, die Güter der Landesherrschaft gegen Erstattung des Kaufpreises „und anderer Unkosten“ zu überlasen. 

Die Laacher Güter wurden daher von zwei Winninger Schöffen eingeschätzt und beurteilt. Man bezifferte den Gesamtwert auf 2.051 Reichstaler, Darüber hinaus wären jedoch noch 1,700 Reichstaler zu investieren, um die Weinberge in einen guten Zustand zu bringen. Obwohl die Weingarten in guten Jahren einen Ertrag von über sieben Fuder Wein abwerfen sollten, konnte man sich nicht zum Kauf entschließen. 

30 Jahre später war es dann doch soweit. Mit der Auflösung der Klöster durch die französische Regierung wurde auch der Besitz des Klosters Maria Laach versteigert. Am 6. Oktober 1803 ersteigerte der bisherige Pächter Philipp Anton Schüler im Auftrag des Koblenzer Kaufmanns Jakob Kahn den Hof in der Wolfergasse, 21.

Philipp Anton Schüler war der letzte in der Reihe der Hofpächter, die die Laacher Güter gegen eine jährliche Abgabe der Hälfte der Trauben bebauten. Vor ihm werden sein Vater Christian und sein Großvater Jakob als Pächter genannt. Der letztgenannte erschien den Lacher Mönchen untauglich und man wollte ihn 1760 absetzen lassen. Doch hatten weder der Winninger Amtmann noch die Regierung zu Trarbach auf die Eingaben des Abtes geantwortet. Auch auf die Intervention der badischen Regierung zu Rastatt, dem Abt „die gottgefällige Justiz“ nicht weiter zu versagen, scheint nichts geschehen zu sein.

Das alte Hofhaus wird im Jahre 1779 als ein Wohnhaus „mit daran und darunter gebauter Scheuer mit Kelter und Stallung“ beschrieben. Im 19. Jahrhundert wohnten darin zeitweise zwei Familien. Das heutige Wohnhaus in der Bachstraße 51 stammt aus neuerer Zeit. Die mit ihrem Dach auf der (an dieser Stelle noch sehr gut erhaltenen) alten Ortsringmauer liegende alte Scheune dürfte jedoch zu dem um 1700 erbauten Anwesen gehören.

(Auszüge aus: Rainer Garbe, Klöster und Adel als Grundbesitzer – Historische Weinhöfe und ihre Pächter – Beiträge zur Ortsgeschichte)

Schießscharte der Ringmauer im Hinterhaus des ehemaligen Hofgutes Maria Laach. Foto: Lammai
alte Treppe im alten Gutshof. Foto: Lammai
Maria Laach Kennzeichen im alten Balken. Foto: Lammai

Bruchstein – Winninger Häuser

In der Friedrichstraße präsentiert sich ein ganz besonderes Ensemble mit Häusern aus Bruchstein.

Die Hausform ist in die moselfränkische Entwicklung einzuordnen.

Das Prinzip hat sich über Jahrhunderte nicht geändert: zweigeschossiges Vorderhaus, mit Küche und Wohnstube im Erdgeschoss; die Schlafräume und dann auch die „Visite-Stub“ im Obergeschoss; unter dem Haus natürlich der Weinkeller. Zur Gasse hin eine Port, dahinter die Hofzufahrt mit dem seitlichen Hauseingang. Ein kleines Hinterhaus mit Stall und Scheune. So langsam hat sich das Grundstück aufgefüllt: Die Hofeinfahrt wurde überbaut, die stattliche Port zur Straße mit Schlupftür ergab einen hermetischen Abschluss des Hofes. Vorder- und Hinterhaus wurden mit der Zeit baulich verbunden, es entstand das Zwischenhaus. 

Nach Aufgabe der Klein-Landwirtschaft und Konzentration auf den Weinbau wurde auch das Hinterhaus für Geräte, Maschinen und Lagerung genutzt, in einigen Fällen wurde noch der Hof unterkellert, um die Kapazität des Weinguts zu erhöhen. Und auch dann, wenn wie heute zunehmend die Weinbaunutzung entfällt, werden Hinter- und Zwischenhaus zur Wohnnutzung für die nächste (oder die ältere) Generation oder für Ferienwohnungen herangezogen. 

Diese ganzen Entwicklungsstufen und die Nutzungsvariabilität des Haustyps sprechen für ein leistungsfähiges Grundrissprinzip.Die älteren Häuser in Winningen sind in der Regel Fachwerkkonstruktionen oder einfache Steinhäuser, bei denen statt Kalkmörtel Lehm verwendet wurde. Bis auf wenige sind die meisten der älteren Häuser verputzt. Die sichtbaren Fachwerkhäuser (z.B. in der Herrengasse, der Fron-, Bach- oder der unteren Fährstraße) sind zwar auffallend im Ortsbild, bilden aber den geringsten Anteil aller Bauten. 

Bereits in der Marktstraße und der oberen Fährstraße dominiert die Steinbauweise, in den Erweiterungszonen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (Neustraße, obere Friedrichstraße, obere Wilhelmstraße) finden wir hingegen hochwertige Bruchsteinhäuser in Sichtmauerwerk, die dem Zeitgeschmack des 19. Jahrhunderts entsprechen. Manche Besonderheiten sind sicher auch in anderen Orten und sogar anderen Regionen anzutreffen. Zum Beispiel die kleinen Dachgauben der Schieferdächer und auch die Zwerchhäuser zum Materialaufzug in den Dachspeicher. Oder die bemerkenswerte Methode, den gewölbten Weinkeller zu bauen: Der gewachsene Boden wurde, geformt, als Schalung benutzt; und erst nach Fertigstellung des Kellergewölbes wurde der Aushub in mühevoller Arbeit herausgeschafft. Zwischen den Häusern gibt es jeweils nur eine Trennwand, die zugleich Brandwand ist.

Die kann natürlich nur einem der Hausnachbarn gehören: jeweils dem, auf dessen Seite im Keller eine Wandnische, die „Schorrb“, ausgespart ist. Damit die Eigentumsverhältnisse für alle Zeiten klar sind.

Der wesentliche Konsens ist der sparsame Umgang mit dem Bauland zugunsten der bewirtschafteten Landwirtschafts- und Weinbergsflächen. Dass die äußerste Dichte auch Auswirkungen auf soziale Strukturen hat oder – anders herum – Ausdruck der sozialen Struktur ist, steh auf einem andern Blatt. 

Die so genannte ,soziale Kontrolle“ (hier ein wertfreier Begriff aus der Stadtsoziologie) in allen positiven (Anteilnahme, Hilfe) und negativen (Anteilnahme, Kritik Auswirkungen ist über die Gassenbreite von gerade mal fünf oder fünfeinhalb Meter bis heute eine naheliegende Vermutung, die hin und wieder lebhaft bestätigt wird. Komplementär zu dieser Nähe kann die völlige Abgeschlossenheit der Höfe gesehen werden.

Die beiden Gegensätze „absolute Privatheit“ und „Offentlichkeit/Nachbarschaft* halten sich die Waage. Der Mensch braucht den Bezug zu Öffentlichkeit und Gemeinschaft genau so wie die Privatheit: Je mehr Öffentlichkeitsbezug, desto rigoroser das Bedürfnis nach dem Pendant. Insoweit sind die moselfränkischen und damit die Winninger Hofhaus-Typen exemplarische Beispiele für ein grundlegendes städtebauliches Prinzip, das in unterschiedlichsten Ausformungen bis heute gilt. Es sei schon an dieser Stelle erwähnt, dass der Plan für das Wohngebiet Winningen-Ost sich mit diesem Thema in moderner(er) Form auseinandergesetzt hat.

Auszüge aus: Peter Lammert – Städtebauliche Entwicklung und architektonische Merkmale. Winningen – Beiträge zur Ortsgeschichte

Friedrichstraße beim Moselfest. Foto: Lammai

Die evangelische Kirche

Die evangelische Kirche

eine Kurzfassung-

Nach der Gründung des fränkischen Reiches durch den sich zum Christentum bekennenden König Chlodwig kam es im 6. Jh. verstärkt zu Gemeindegründungen und zum Bau von Landkirchen. Diese waren überwiegend dem damals in hoher Verehrung stehenden hl. Martin von Tours geweiht. Uralte Mauerreste unter unserer heutigen Kirche werden einer solchen Martinskirche zugeschrieben.

Um das Jahr 895 erhielt das Aachener Domstift das Patronat über die Winninger Kirche. Im Jahr 1264 kam Winningen an die Grafschaft Sponheim. Als einziger Ort an der unteren Mosel, mitten im Erzbistum Trier gelegen, gehörte Winningen nun zu dieser Grafschaft, in der im Jahre 1557 die Reformation eingeführt wurde.

Bereits im 12. Jh. kommt es zum Bau einer neuen, größeren Kirche. Sie wird als dreischiffige Basilika errichtet, wobei die Grundmauern der alten Vorgängerkirche als Fundament für die Pfeiler dienen, die mit ihren aufliegenden Scheidbögen das Mittelschiff von den Seitenschiffen trennen. Auch der Turm bis zur Höhe der Glockenstube, und damit der im Turm liegende Chorraum stammen noch von diesem Bauwerk. Ebenso das südliche Seitenchörchen, das wohl der Standort eines der Nebenaltäre gewesen sein wird, die die Kirche im Mittelalter besaß. Mehrfach nachgewiesen sind ein Marien-, ein Katharinen-, ein Nikolaus- und Michaelsaltar.

Der Ort wurde zunehmend größer und mit dem Ansteigen der Einwohnerzahlen musste auch jeweils die Kirche „mitwachsen“. So kam es im Laufe der Zeit zu mehreren An- und Ausbaumaßnahmen. Nach einer ersten baulichen Veränderung im Jahre  1618 erfolgte um 1685 ein großer Erweiterungsbau. Der dreischiffige Baukörper erfuhr eine Verlängerung nach Westen und erhielt damit eine neue Fassade mit Rosettenfenster und Portal. Im Innern wurde eine dreiseitige Empore eingebaut, die bis heute in ihrer schönen barocken Gestaltung den Gesamteindruck des Kirchenraumes bestimmt. Doch schon bald war die Kirche wieder zu klein geworden. Um zusätzlichen Platz im Schiff und auf den Emporen zu gewinnen, wurden im Jahre 1718 die beiden polygonalen Querschiffe angebaut.

Neben dem gemauerten Altar stammt auch der romanische Taufstein aus der Erbauungszeit der Kirche. Sein großes Fassungsvermögen lässt darauf schließen, dass man im Mittelalter die Täuflinge ganz untergetaucht hat. Die Fresken im alten Seitenchörchen stammen aus der Zeit um 1230. Man erkennt in der Darstellung die alten Symbole der vier Evangelisten: Mensch, Löwe, Stier und Adler als geflügelte Wesen.

Die Orgel hatte verschiedene Vorgängerinstrumente. Sie wurde im Jahre 2000 generalüberholt und etwas umgebaut.

Das Geläut der Winninger Kirche besteht aus vier Bronzeglocken in der Stimmung c, f, äs, b. Sie stammen aus den Jahren 1507, 1422, 1957, 1507.

Ihre Beschreibung, wie auch die aller übrigen Ausstattungsstücke, sowie eine ausführliche Baugeschichte der Kirche, liegen vor.

(Quelle (Auszüge): Gerhard Löwenstein, HANDREICHUNG ZUR BESICHTIGUNG). 

Hinweis: Das Buch, „Die Winninger Kirche – Baubeschreibung-Baugeschichte-Ausstattung“, kann über die Ortsgemeinde, das Museum oder beim Verlag (www.verlag-smo.de) bezogen werden

Die zwei Pfarrhäuser

Winningen besitzt zwei Pfarrhäuser,  Das erste wurde 1751/52 erbaut, ein stattliches Barockhaus mit strenger, symmetrischer Eingangsfassade, schönen Fenstergewänden und Mansarddach, aber dennoch einfach gehalten; im Erdgeschoss die Amtsräume, oben die Pfarrwohnung. Von der Denkmalpflege wertvoll genug eingeschätzt, um die Erhaltung des Erscheinungsbildes, aber auch die der baulichen Ordnung im Grundriss zu verlangen und zu fördern. Letztere wurde allerdings, bedingt durch die allfälligen Pfarrerwechsel, immer wieder verändert.

Das zweite Pfarrhaus wurde über hundert Jahre später, 1887/88, anstelle eines wesentlich älteren Hauses erbaut. Volumen, Gesamtform und Front sind beim ersten Hinschauen identisch.

Aber natürlich weichen die barocken Merkmale des ersten Pfarrhauses zurtickhaltend Klassizistischen Elementen, zum Beispiel bei den Fensterformaten und -gewänden. Dieses zweite Haus wird schon lange nicht mehr als klassisches Pfarrhaus genutzt. Im Obergeschoss wohnten schon Küsterin, Vikare, das Erdgeschoss wurde dem rückwärtig angebauten Kindergarten zugeschlagen. Erstmals wurde es bereits 1938 zur “Kinderverwahranstalt“ umgenutzt, der Keller wurde damals zum Luftschutzraum umgebaut.

Viel älter als die Pfarrhäuser war das – 1931 abgerissene – „Stündchen“, das gegenüber dem nördlichen Seiteneingang der Kirche, neben dem späteren zweiten Pfarrhaus stand. In vorreformatorischer Zeit „Altarhaus“ mit der ehemaligen Michaelskapelle, wurde hier 1560, wenige Jahre nach der Reformation in Winningen, eine erste christliche Schule eingerichtet.

Das blieb sie zunächst bis 1833, von 1833 bis 1837 wurde sie als Gemeindesaal und Spritzenhaus genutzt, ab 1837 wieder als Schulsaal und Spritzenhaus. 1860 bis 1904 wurde in diesem Haus die Latein- und Diakonatsschule geführt, eine Besonderheit der Winninger Bildungsgeschichte. Dieses architektonisch nicht herausragende „Stündchen“, das auch immer wieder umgebaut wurde, wird hier erwähnt, weil es über Jahrhunderte diesen bestimmten Ort mit zentralen Funktionen der kirchlichen und der bürgerlichen Gemeinde verbindet.

Heute ist das zweite Pfarrhaus ein Zentrum der Winninger Jugendarbeit.

Illumination bei Winningen im Lichterglanz. Foto: Brost
Mittelpunkt von Winningen: die evangelische Kirche. Foto: Lammai
Kirche mit den beiden Pfarrhäusern
Fresken aus dem 12. Jahrhundert
Der alte Taufstein aus dem 12. Jahrhundert.Foto: Brost
Der alte Innenraum mit Orgel
So sah die Kirche um 1900 aus
"Mannhaus" um 1900
Musik in der Kirche mit Cellist Benedict Klöckner. Foto: Brost
Kunsttage-Installation. Foto: Lammai
Anzahl Seiten: 90